Wadersloh (mw/bb). Die anhaltende Diskussion um die geplanten neuen Windenergieanlagen am Herzebrockweg und die angespannte Haushaltslage der Gemeinde Wadersloh stehen im Mittelpunkt eines Leserbriefs, den die Wadersloherin Sabine Lenz an die Redaktion von Mein-Wadersloh.de geschickt hat. Darin setzt sie sich kritisch mit den Inhalten unserer Berichterstattung vom 13. Oktober 2026 auseinander und sieht die Gefahr, dass zwei unterschiedliche Themen miteinander vermischt werden.
Lenz bezieht sich dabei auf die Berichte zur Einbringung des Haushaltsplanentwurfs 2027 und zur Entscheidung des Gemeinderates, einen Bürgerentscheid über die drei geplanten Windenergieanlagen zu ermöglichen. Beide Themen waren Gegenstand der Ratssitzung am 12. Oktober 2026. In ihrem Schreiben kritisiert die Leserin, die nach eigenen Angaben Mitglied der „Bürgerinitiative für vernünftige Energiepolitik Wadersloh“ ist, insbesondere den zeitlichen Zusammenhang zwischen der Vorstellung des Haushaltsdefizits von rund 3,94 Millionen Euro und der Entscheidung über das Bürgerbegehren. Die finanzielle Situation der Gemeinde sei unabhängig davon zu betrachten, ob die geplanten Windenergieanlagen am Herzebrockweg gebaut würden oder nicht. Auch die in der politischen Diskussion genannten möglichen Einnahmen aus dem Windkraftprojekt ordnet Lenz kritisch ein. Die von der Verwaltung bezifferten Erträge von rund 2,34 Millionen Euro bezögen sich auf einen Zeitraum von 20 Jahren. Auf ein einzelnes Jahr umgerechnet seien dies rund 117.000 Euro. Angesichts des für 2027 erwarteten Haushaltsdefizits sei dieser Betrag aus ihrer Sicht nicht geeignet, die finanzielle Lage der Gemeinde entscheidend zu beeinflussen. Lenz plädiert deshalb dafür, die Haushaltsdebatte und die Entscheidung über den Windkraftstandort getrennt zu betrachten. Beim Bürgerentscheid sollten vielmehr die ökologischen, gesundheitlichen und planerischen Auswirkungen des Vorhabens im Mittelpunkt stehen.
Einordnung der MW-Redaktion:
In unserer Berichterstattung vom 13. Oktober wurden die beiden Themen in getrennten Beiträgen behandelt. Der Haushaltsbericht (MW+) stellte die finanzielle Ausgangslage der Gemeinde, die Ursachen des Defizits sowie die geplanten Steuererhöhungen und Einsparmaßnahmen dar. Der Bericht zum Bürgerentscheid (MW+) dokumentierte die unterschiedlichen Positionen der Ratsfraktionen und der Verwaltung zum Windkraftprojekt. Dabei wurden auch die von Befürwortern angeführten möglichen finanziellen Vorteile für die Gemeinde benannt.
Die Verwaltung hatte mögliche Einnahmen aus Grundstückspacht und Zahlungen nach dem Bürgerenergiegesetz mit insgesamt rund 2,34 Millionen Euro über einen Zeitraum von 20 Jahren beziffert. Diese Summe war im Bericht ausdrücklich als mögliche Einnahme aus dem Projekt dargestellt worden. Eine Aussage, dass damit das strukturelle Haushaltsdefizit ausgeglichen werden könnte, wurde nicht getroffen. Dass die finanzielle Beteiligung der Gemeinde dennoch zu den Argumenten in der politischen Auseinandersetzung gehört, zeigt, wie unterschiedlich die Aspekte des Windkraftprojekts bewertet werden. Über die grundsätzliche Frage, ob die Bauleitplanung für die drei Anlagen fortgeführt werden soll, entscheiden die Bürgerinnen und Bürger beim Bürgerentscheid am 3. Dezember 2026.
Den vollständigen Leserbrief von Sabine Lenz veröffentlichen wir nachfolgend im Wortlaut.
Der Leserbrief von Sabine Lenz im Wortlaut
„Zur Berichterstattung vom 13 Oktober 2026 bezüglich des Bürgerentscheides und des Haushaltsdefizites
In der aktuellen Diskussion rund um die geplanten Windkraftanlagen am Herzebrockweg fällt auf, dass die Haushaltslage der Gemeinde zunehmend in den Vordergrund gerückt wird. In der Berichterstattung vom 13 Oktober wird auf das strukturelle Defizit von 3,9 Millionen Euro für das Jahr 2027 verwiesen, sowie auf die angekündigte Erhöhung der Grundsteuer um etwa 20 Prozent. Diese Zahlen wurden am 12. Oktober 2026 im Gemeinderat vorgestellt – exakt an dem Tag, an dem auch der Bürgerentscheid über die Windkraftanlagen offiziell beschlossen wurde.
Diese zeitliche Parallelität führt zu einer problematischen Vermischung zweier völlig unterschiedlicher Themen. Die Haushaltskrise ist real, sie betrifft viele Kommunen in NRW und hat ihre Ursachen vor allem in steigenden Kreisumlagen, höheren Pflichtausgaben, Tarifsteigerungen und Sanierungsbedarfen. Sie besteht unabhängig davon, ob am Herzebrockweg Windkraftanlagen gebaut werden oder nicht. Die möglichen Einnahmen aus drei Anlagen wären im Verhältnis zur Haushaltslücke marginal. Dennoch entsteht für viele Bürger der Eindruck, als könne der Ausgang des Bürgerentscheids die finanzielle Lage der Gemeinde entscheidend beeinflussen.
Dies entspricht allerdings nicht der Realität. Immer wieder wird behauptet der Gemeinde würden rund 2,34 Millionen Euro verloren gehen, wenn die Windkraftanlagen nicht gebaut würden. Tatsächlich ist diese Berechnung auf 20 Jahre ausgelegt. Das bedeutet 117.094 Euro im Jahr. Zum Vergleich noch einmal, das Haushaltsdefizit beträgt 3,9 Millionen. Die Einnahmen wären lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Selbst wenn der Bürgerentscheid den Bau der drei Anlagen erlauben würde, könnten die Arbeiten frühestens im Jahr 2028 beginnen. Vorher müssten weitere Schritte wie Genehmigungen, Detailplanungen und Ausschreibungen abgeschlossen werden.
Allein aus diesem Grund halte ich eine Vermischung für irreführend. Es handelt sich hier um zwei grundlegend unterschiedliche Bereiche. Der Haushalt betrifft gesetzliche Pflichtaufgaben der Gemeinde, die jedes Jahr erfüllt werden müssen und gehört in die Haushaltsdebatte. Die geplanten Windkraftanlagen am Herzebrockweg dagegen sind ein einzelnes Bauprojekt, über das Bürgerinnen und Bürger jetzt frei entscheiden sollten. Der Bürgerentscheid gehört in die demokratische Auseinandersetzung über die Frage, ob der geplante Standort ökologisch, gesundheitlich und planerisch verantwortbar ist.
Beides sind wichtige Themen – aber sie dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun – und deshalb darf man nicht den Eindruck erwecken, der Ausgang des Bürgerentscheides könnte die Finanzlage der Gemeinde verbessern oder verschärfen.
Was im privaten Haushalt nicht funktioniert, funktioniert auch kommunal nicht: Ein Defizit, das entsteht, weil dauerhaft mehr ausgegeben als eingenommen wird, lässt sich nicht durch unsichere und geringe Zusatzeinnahmen kompensieren. Die Verbindung zwischen Gemeindefinanzen und den Erträgen aus drei Windkraftanlagen ist daher sachlich nicht haltbar.
Soll aus der Gemeinde Wadersloh ein Windpark werden, ohne Rücksicht auf Landschaft und Natur, nur um ein Haushaltsdefizit zu kompensieren?„
Sabine Lenz, Ortsteil Wadersloh


