Wadersloh (mw/bb). Mehr als 1000 Bilder sind im Laufe der Jahrzehnte entstanden. Eine Auswahl davon ist derzeit an verschiedenen Orten in Wadersloh zu sehen: In der Bäckerei Hosselmann, bei Wohrtklang und in der „Apotheke am Dom“ präsentiert der Wadersloher Ernst Reineke Einblicke in sein künstlerisches Schaffen. Die Ausstellung zeigt dabei nicht nur die Vielseitigkeit eines Hobbykünstlers, sondern erzählt auch ein Stück seiner ganz persönlichen Lebensgeschichte.
Die Begeisterung für die Kunst begleitet Ernst Reineke schon seit seiner Kindheit. Während seines Studiums in Bochum nutzte er insbesondere die Samstage, um Künstlerinnen und Künstler zu besuchen und sich mit ihren Arbeiten auseinanderzusetzen. Über viele Jahrzehnte hinweg probierte er sich in seiner Freizeit schließlich selbst als Hobby-Maler aus. Dabei entwickelte er eine besondere Vorliebe für Porträts, die er vor allem in Öl oder mit Rötel umsetzte. Karikaturen allerdings gehören nicht zu seinem Repertoire. „Daran habe ich mich nicht versucht, da hätte man sich ja ein Stück weit über andere lustig machen müssen“, erklärt Reineke mit einem Augenzwinkern im Gespräch mit MW.


Die aktuelle Ausstellung gibt einen Eindruck von der großen Bandbreite seiner Arbeiten. Zu sehen sind unter anderem Aquarelle, die während zahlreicher Reisen entstanden. Spanien und Italien waren dabei ebenso Motive wie andere Orte, die Reineke unterwegs mit Zeichenstift und Fotoapparat festhielt. Beides gehörte für ihn selbstverständlich zum Reisegepäck. Daneben umfasst die Ausstellung Ölgemälde, in denen Reineke sich mit den Arbeiten von Künstlern der Moderne auseinandersetzt, die er besonders schätzt. Auch Zitate bedeutender Maler, Eindrücke aus der Heimat Wadersloh und der Warburger Börde sowie Porträts von Menschen, die vielen Bürgerinnen und Bürgern noch bekannt sein dürften, finden sich in der Ausstellung.
Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich abstrakten Themen. Unter Überschriften wie „Urknall, Evolution und Religionen“ setzt sich Reineke auf künstlerische Weise mit großen Fragen auseinander. Dabei geht es ihm nicht allein um die möglichst originalgetreue Darstellung eines Motivs. Vielmehr reizt ihn das Experimentieren, das Spiel mit Formen und Farben und die Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. „Es ist nicht so, wie es aussieht!“, lautet eines seiner Leitmotive. Ein Satz, der sich durchaus auch auf manche seiner Bilder übertragen lässt.
Den Anstoß, seine Werke einmal einem größeren Publikum zugänglich zu machen, gab der Sünninghausener Künstler Werner Klenk. Mit ihm steht Reineke regelmäßig im Austausch. Aus dieser Verbindung entstand die Idee, eine Auswahl der über Jahrzehnte gesammelten Arbeiten an verschiedenen Orten in Wadersloh zu zeigen.
Hinter dem Künstler steckt zugleich eine bewegte Lebensgeschichte. Ernst Reineke wurde im Kriegsjahr 1941 geboren. Sein Vater soll damals gesagt haben: „Der Junge soll Ernst heißen, es kommen ernste Zeiten auf uns zu.“ Der Vater starb in den letzten Kriegswochen. Reineke wuchs mit den Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit auf und musste früh auf dem Hof seiner Mutter mit anpacken. Sein weiterer Lebensweg führte ihn zunächst in eine Ausbildung zum Foto-Drogisten in Warburg. Später studierte er Theologie in Köln, absolvierte dort eine Ausbildung zum Sozialarbeiter und beschäftigte sich anschließend in Bochum mit Naturwissenschaften, insbesondere Biologie und Chemie. Unterschiedliche Interessen und Perspektiven, die sich offenbar auch in seinem künstlerischen Werk widerspiegeln.
Bis heute ist die Freude an der Kunst für Reineke ungebrochen. Humor, Lebenslust und Kreativität gehören für ihn untrennbar zusammen. „Ernst ist das Leben – und heiter die Kunst“ lautet deshalb auch ein passendes Motto seiner Ausstellung. Wer mehr über die Hintergründe einzelner Bilder erfahren möchte, kann sich direkt an den Künstler wenden. Als „Opa mit den Sonnenblumen“ ist Ernst Reineke bekannt und wer ihn auf seine Bilder, Reisen, Begegnungen mit Künstlern oder Besuche in Synagogen, Kirchen und Museen anspricht, dürfte schnell feststellen, dass er einiges zu erzählen hat.
Fotos/Text: B. Brüggenthies


