Wadersloh (mw/bb). Die finanzielle Lage der Gemeinde Wadersloh spitzt sich weiter zu. Für das Haushaltsjahr 2027 rechnet die Verwaltung mit einem Defizit von rund 3,94 Millionen Euro. Gleichzeitig sollen die Hebesätze der Grundsteuer A und B um jeweils 20 Prozent angehoben werden. Selbst diese Steuererhöhung reicht nach den Berechnungen der Verwaltung nicht aus, um den Haushalt auszugleichen. Bürgermeister Christian Thegelkamp und Kämmerer Norbert Morfeld machten bei der Einbringung des Haushaltsplanentwurfs im Rahmen der Ratssitzung am 12. Oktober deutlich, wie eng der finanzielle Spielraum der Gemeinde Wadersloh inzwischen geworden ist.
Wir stehen vor der Realität, dass uns Millionen in der Kasse fehlen. Und das Geld fehlt nicht, weil wir große Investitionen planen. Wir leben nicht über unsere Verhältnisse. Uns fehlen diese Millionen, weil das System nicht mehr funktioniert.
Bürgermeister Christian Thegelkamp zur Einbringiung des Haushalts 2027

„Wir stehen vor der Realität, dass uns Millionen in der Kasse fehlen“, erklärte Bürgermeister Christian Thegelkamp. Das liege aus seiner Sicht nicht an überdimensionierten Investitionsplänen, sondern an einem System, das die Kommunen zunehmend überfordere. Bund und Land übertrügen den Städten und Gemeinden zusätzliche Aufgaben, ohne die dafür notwendigen finanziellen Mittel in ausreichendem Umfang bereitzustellen. Gleichzeitig belasteten Inflation, steigende Bau- und Energiekosten sowie die wirtschaftliche Entwicklung die kommunalen Haushalte.
Thegelkamp verdeutlichte seine Kritik anhand der Geschichte vom „Hüter der Quelle“: Solange sich jemand um die Pflege einer Quelle kümmere, profitiere die Gemeinschaft von sauberem Wasser. Werde diese Arbeit aus Kostengründen eingestellt, seien die Folgen zunächst kaum sichtbar, später aber umso gravierender. Übertragen auf Wadersloh stehe das Wasser für die kommunale Infrastruktur, für Schulen und Kindertagesstätten, Straßen und Radwege, Sportanlagen, das Lehrschwimmbecken und das Vereinsleben. Die Gemeinde müsse zunehmend versuchen, ihre Aufgaben mit knapper werdenden Mitteln zu erfüllen. „Wir verwalten fast nur noch den Mangel“, sagte Thegelkamp. Es werde nur noch das Notwendigste repariert, damit der Betrieb weiterlaufen könne. Zugleich warnte er davor, dass selbst dies künftig schwieriger werden könnte.
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Erträge reichen nicht für die steigenden Ausgaben
Wie sich die finanzielle Situation konkret darstellt, erläuterte Kämmerer Norbert Morfeld anhand zentraler Kennzahlen des Haushaltsentwurfs. Demnach stehen für 2027 Erträge von rund 34,15 Millionen Euro Aufwendungen von rund 38,09 Millionen Euro gegenüber. Daraus ergibt sich ein geplantes Jahresdefizit von etwa 3,94 Millionen Euro. Zum Vergleich: Für 2025 weist die vorgelegte Übersicht noch ein positives Jahresergebnis von rund 103.000 Euro aus. Für 2026 war bereits ein Fehlbetrag von rund 3,63 Millionen Euro eingeplant worden. Die finanzielle Entwicklung verschlechtert sich damit innerhalb von zwei Jahren deutlich.
Besonders problematisch ist, dass wichtige Einnahmen der Gemeinde nicht im gleichen Maß steigen wie die Ausgaben. Die Gewerbesteuer bleibt dabei eine wichtige, aber schwankungsanfällige Einnahmequelle. Für 2025 werden Gewerbesteuereinnahmen von rund 8,16 …

