Wadersloh (mw/bb). Jugendliche reden nicht nur über ihre Zukunft, sie wollen sie aktiv mitgestalten. Das zeigte eindrucksvoll der die Premiere des „Wadersloher Jugendentscheid“, der am 13. Juli erstmals in der Gemeinde Wadersloh stattfand. Rund 150 Schülerinnen und Schüler der achten Klassen des Gymnasiums Johanneum und der Sekundarschule Wadersloh kamen zusammen, um eigene Ideen für die Gemeinde Wadersloh zu entwickeln, zu diskutieren und schließlich über deren Umsetzung abzustimmen.


Der Jugendentscheid ist ein weiterer Baustein der jugendpolitischen Gesamtstrategie „jugend.relevant!“ der Gemeinde Wadersloh. Unterstützt wird das Projekt im Rahmen des Demokratie-Förderprogramms „Demokratie leben lernen“ des Kreises Warendorf. Seit 2025 stehen dafür jährlich rund 100.000 Euro Fördermittel bereit. Da entsprechende Anträge ausschließlich von Schulen gestellt werden können, setzt die Gemeinde auf eine Kooperation mit den beiden weiterführenden Schulen vor Ort. Organisiert wurde der Tag gemeinsam mit der Mindful Jugendhilfe (Warendorf), die unter anderem den Jugendtreff „Villa Mauritz“ in Wadersloh und Diestedde betreibt. Seitens der Gemeinde begleiteten Denis Winkelhorst und Elmar Ahlke die Veranstaltung organisatorisch.
Zukunftswerkstatt in Kleingruppen
Um 8 Uhr startete der Tag zunächst im Wadersloher Rathaus. Anschließend verteilten sich die Gruppen auf verschiedene Arbeitsorte, darunter das Pfarrheim St. Margareta, der Jugendtreff Villa Mauritz und das Rathaus. In einer Zukunftswerkstatt entwickelten die Jugendlichen Vorschläge, formulierten Wünsche und erarbeiteten konkrete Projektideen.
Der besondere Ansatz des Jugendentscheids: Die Jugendlichen arbeiteten nicht ausschließlich mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern zusammen. Per Losentscheid wurden die Gruppen schulübergreifend neu zusammengestellt. So entstanden bunt gemischte Teams, in denen sich viele Jugendliche erstmals begegneten und gemeinsam Ideen entwickelten. Dabei ging es nicht nur um das Sammeln von Ideen, sondern vor allem um demokratische Prozesse: Diskutieren, Kompromisse finden, Prioritäten setzen und am Ende: Gemeinsam Entscheidungen treffen.
Die Kommunalpolitik hört den Jugendlichen zu
Die politische Diskussion im Ratssaal des Rathauses bildete den Schluss des Jugendentscheids. Vertreterinnen und Vertreter der politischen Fraktionen (mit Ausnahme der AfD, die nicht teilnahm) stellten sich den Fragen und Ideen der Jugendlichen. Unter den wachsamen Augen der Büste des Freiherrn vom Stein (Anm. d. Red. Dieser führte im 19. Jhrdt. die freie Selbstverwaltung für Städte ein, die Grundlage für die heutigen Gemeinden wurde) ging es im Ratsaal um Mitbestimmung, Verantwortung und die Frage, wie junge Menschen ihr Lebensumfeld aktiv mitgestalten können.
Ein vorhandenes Budget von 5.000 Euro galt es zu nutzen und auf ein Einzelprojekt oder mehrere Maßnahmen zu verteilen. Dr. Oliver Bokelmann, Geschäftsführer von Mindful, zog ein positives Zwischenfazit. „Wir alle waren super produktiv“, erklärte er nach einem langen, aber zielführenden Projekttag. Die Jugendlichen hätten nicht nur diskutiert, sondern sogar Modelle gebaut, Schaubilder erstellt und ihre Vorschläge detailliert ausgearbeitet.




Viele Ideen seien sehr differenziert und größtenteils gut umsetzbar. Das sahen auch die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter von SPD, FWG, CDU, FDP und den GRÜNEN so. Mit gelben Smiley-Klebepunkten stimmten die Jugendlichen nach den Statementes der Politikerinnen und Politiker darüber ab, welche Vorschläge sie umsetzen möchten. Am Ende setzte sich eine Idee durch, die zunächst ungewöhnlich klingt: Eine Beachparty. Hinter dem Vorschlag steckt nicht nur Sand und Musik: Die Jugendlichen möchten einen Ort schaffen, an dem Begegnung möglich wird. Außerhalb von Schule und Alltag. Neue Freundschaften knüpfen, andere Jugendliche kennenlernen und gemeinsam Zeit verbringen: Die Beachparty steht damit symbolisch für mehr Gemeinschaft und Zusammenhalt.
Viele weitere Ideen mit Potenzial
Auch zahlreiche andere Vorschläge erhielten große Zustimmung und sollen weiter betrachtet werden. Dazu gehören unter anderem:
- Überdachungen an Bushaltestellen, insbesondere an der Sekundarschule Wadersloh, als Schutz vor Sonne und Wetter.
- Wasserspender beziehungsweise Trinkbrunnen am Sportplatz Wadersloh, damit Flaschen unkompliziert aufgefüllt werden können.
- Smartphone-Lademöglichkeiten an Verweilorten für Jugendliche.
- Sonnenschutz an Schulen, etwa durch spezielle Folien an Fenstern, um Klassenräume an heißen Tagen angenehmer zu machen.
Die Überdachungen und Sonnenschutzmaßnahmen zeigen, dass die Jugendlichen sehr konkrete Alltagsthemen im Blick haben. Die Kosten für einzelne Projekte könnten allerdings höher liegen als das aktuelle Budget des Jugendentscheids. Deshalb sollen weitere Vorschläge gegebenenfalls in den zuständigen Fachausschüssen beraten werden.
Die Jugend entscheidet und bewegt etwas
Die wohl wichtigste Erkenntnis des 1. Wadersloher Jugendentscheid: Die jungen Menschen haben klare Vorstellungen davon, was man in der Gemeinde Wadersloh besser machen kann. Die Ideensteckbriefe der Gruppen machten deutlich, dass es nicht nur um Freizeitangebote geht, sondern auch um Aufenthaltsqualität, Klimaschutz, Infrastruktur und Begegnung.
Während die Beachparty nun als konkretes Projekt weiterverfolgt werden soll, bleiben die weiteren Vorschläge auf der politischen Tagesordnung. Vielleicht ist er der Jugendentscheid nun der erste Schritt hin zu einer dauerhaften Beteiligung junger Menschen in Wadersloh. Demokratie beginnt nicht erst im Erwachsenenalter. Sie beginnt dort, wo Menschen gehört werden und die Möglichkeit bekommen, etwas zu verändern.
Fotos/Text: B. Brüggenthies



