Wadersloh (mw/bb). Die Bürgerinitiative ZIN19 ist mit ihrem Antrag auf zusätzliche Fahrrad-Piktogramme auf mehreren Straßen in Wadersloh und den Ortsteilen vorerst gescheitert. Der Kreis Warendorf hat die beantragten Markierungen auf den Fahrbahnen abgelehnt. Nach Prüfung und Beteiligung verschiedener Behörden sieht die zuständige Straßenverkehrsbehörde keine ausreichenden Voraussetzungen für eine solche Maßnahme. Die Initiative hatte sich im Januar 2026 mit einem formellen Antrag an Landrat Dr. Olaf Gericke gewandt. Ziel war es, durch auf der Fahrbahn aufgebrachte Fahrradsymbole die Aufmerksamkeit von Autofahrern und Lastwagenfahrern auf den Radverkehr zu lenken und damit insbesondere die Sicherheit jüngerer und älterer Radfahrender zu verbessern. ZIN19 hatte dafür zahlreiche Straßenabschnitte in Wadersloh, Diestedde, Liesborn, Geist und Göttingen vorgeschlagen.
In ihrer jetzt vorliegenden Antwort begründet die zuständige Mitarbeiterin des Kreises, Elke Busch, die Ablehnung vor allem mit der vergleichsweise geringen Verkehrsbelastung im Gemeindegebiet. Sowohl die Landesstraßen als auch die Kreis- und Gemeindestraßen wiesen demnach keine überdurchschnittlich hohe Verkehrsbelastung oder auffällige Unfalllage auf. Die Belastung der Landesstraßen liege sogar unter dem landesweiten Durchschnitt.
Kreis sieht keinen besonderen Handlungsbedarf
Der Kreis verweist in seiner Entscheidung auf die geltenden straßenverkehrsrechtlichen Vorgaben. Verkehrszeichen und damit auch Fahrbahnmarkierungen wie Fahrrad-Piktogramme dürften nach der Straßenverkehrsordnung nur dort angeordnet werden, wo dies aufgrund besonderer Umstände zwingend geboten sei. Grundlage der Prüfung ist unter anderem ein Erlass des NRW-Verkehrsministeriums vom 25. Januar 2023. Demnach sollen sogenannte Piktogrammketten den Kraftfahrzeugverkehr in begründeten Einzelfällen auf das Vorhandensein und die besondere Schutzbedürftigkeit des Radverkehrs aufmerksam machen. Sie könnten sowohl die tatsächliche Verkehrssicherheit als auch das subjektive Sicherheitsgefühl von Radfahrenden verbessern. Allerdings betont der Erlass, dass der Radverkehr auf Straßen ohne gesonderte Radverkehrsanlagen grundsätzlich im Mischverkehr geführt werden soll. Ein zusätzlicher Hinweis durch Piktogramme sei deshalb nicht generell erforderlich. Die Markierungen seien vielmehr für besondere Situationen gedacht, etwa auf stark belasteten Straßen ohne Radverkehrsanlage oder an kurzen Lücken im Radwegenetz. Eine solche besondere Situation sieht der Kreis in Wadersloh und seinen Ortsteilen nicht. Nach den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) sei bei der gegebenen geringen Verkehrsbelastung die gemeinsame Nutzung der Fahrbahn durch Auto- und Radverkehr der vorgesehene Regelfall.
Auch Lösung aus Sünninghausen nicht übertragbar
ZIN19 hatte in seinem Antrag unter anderem auf eine Lösung im Oelder Ortsteil Sünninghausen verwiesen. Dort gibt es Radfahrstreifen mit einer Breite von 1,50 Metern, die zusätzlich durch Piktogramme gekennzeichnet sind. Eine vergleichbare Lösung hält der Kreis für Wadersloh allerdings ebenfalls nicht für umsetzbar. Voraussetzung dafür sei eine ausreichend breite Fahrbahn. Zwischen den Schutzstreifen müsse eine Restfahrbahnbreite von mindestens 4,50 Metern verbleiben. Bei angrenzenden Längsparkstreifen müsse außerdem ein Sicherheitstrennstreifen von 0,50 Metern berücksichtigt werden. Diese Voraussetzungen seien im Gemeindegebiet nicht gegeben. Insbesondere die beidseitig vorhandenen Längsparkplätze entlang der L 793 ließen nach Einschätzung des Kreises nicht genügend Platz für die Umsetzung.
Antrag wurde mit mehreren Behörden abgestimmt
Im Rahmen des Prüfverfahrens hatte der Kreis nach eigenen Angaben verschiedene Behörden beteiligt und um Stellungnahmen gebeten. Das Schreiben ging unter anderem an die Straßenbauabteilung des Kreises, die Gemeinde Wadersloh, den Landesbetrieb Straßenbau und die Kreispolizeibehörde Warendorf. Mit der abschließenden Ablehnung folgt auf den Antrag der Initiative ZIN19 zunächst keine Umsetzung der vorgeschlagenen Markierungen. Der Kreis bedauert, dem Anliegen nicht entsprechen zu können, bittet aber um Verständnis für seine Entscheidung. Die Initiative hatte ihre Forderung damit begründet, dass auf mehreren wichtigen Ortsdurchfahrten und Verbindungsstraßen zusätzliche Radwege aus Platzgründen nicht realisierbar seien und häufig auch Geschwindigkeitsbegrenzungen fehlten. Fahrrad-Piktogramme sollten deshalb eine vergleichsweise einfache Möglichkeit sein, den Radverkehr stärker ins Bewusstsein der übrigen Verkehrsteilnehmer zu rücken.
zus. Quelle: eigene Berichterstattung, Schreiben Kreis via ZIN19


