Liesborn-Göttingen (mw/bb). Ein 18. Platz im Triathle und Rang 10 mit der deutschen Laser-Run-Staffel: Der aus Liesborn-Göttingen stammende Thomas de Nocker (Suermann) hat sich bei den Weltmeisterschaften auf Madeira einer neuen sportlichen Herausforderung gestellt. Dabei musste er Ausdauer, Schnelligkeit und Konzentration miteinander verbinden. In der Familie Suermann beziehungsweise de Nocker ist das Schießen derzeit durchaus ein Thema. Cousin Alexander Suermann-Plümpe gilt zweifellos als momentan erfolgreichster Schütze der Familie. Beim Kreisschützenfest in Oelde hat der amtierende Göttinger Schützenkönig erst kürzlich sogar den 2. Vogel in diesem Jahr abgeschossen. Thomas de Nocker war nun auf ganz andere Weise mit dem Schießsport erfolgreich: Er nahm vom 26. Oktober bis zum 1. November an den Weltmeisterschaften im Triathle und Laser Run auf Madeira teil.

Nachdem er sich allmählich vom klassischen Triathlon verabschiedet hatte (MW berichtete), entdeckte er eine neue sportliche Herausforderung: Bei einer Reservistenübung im Februar stellte er erneut fest, dass ihm das Schießen offenbar liegt. Bislang hatte er sich dabei vor allem mit dem Luftgewehr beschäftigt. Zusammen mit seiner langjährigen Erfahrung im Ausdauersport entstand daraus das Interesse an einer ungewöhnlichen Kombination: Laufen, Schwimmen und Schießen. „Mich reizt dieser schnelle Wechsel: Beim Laufen geht es darum, Tempo zu machen, und kurz darauf muss man am Schießstand ruhig und präzise sein. Diese beiden Anforderungen zusammenzubringen, macht Laser Run und Triathle so anspruchsvoll“, beschreibt de Nocker seine Motivation.
Laufen, schwimmen, schießen: Eine besondere Kombination
Die beiden Disziplinen, in denen der Göttinger auf Madeira antrat, gehören zum Umfeld des Modernen Fünfkampfs. Während der olympische Moderne Fünfkampf inzwischen aus Fechten, Schwimmen, Hindernisparcours und Laser Run besteht, gibt es bei internationalen Meisterschaften auch Wettbewerbe in einzelnen Disziplin-Kombinationen. Beim Laser Run wechseln sich Laufabschnitte und Schießstationen ab. Geschossen wird mit einer Laserpistole auf elektronische Zielscheiben. Anders als beim klassischen Schießsport wird dabei keine Munition verwendet. Die Herausforderung liegt nicht zuletzt darin, nach einer körperlichen Belastung möglichst schnell wieder die nötige Ruhe und Präzision zu finden. „Die eigentliche Herausforderung ist das Schießen unter Belastung: Man kommt mit hohem Puls vom Laufen, muss die Pistole ruhig halten und sich konzentrieren. Gleichzeitig läuft die Uhr weiter. Man braucht Ruhe, hat aber keine Zeit dafür“, erklärt de Nocker. Beim Triathle kommt zusätzlich das Freiwasserschwimmen hinzu. Die Kombination besteht aus Schießen, Laufen und Schwimmen, wobei sich die Disziplinen mehrfach abwechseln. Auf Madeira waren für de Nocker in der Altersklasse der 40- bis 50-Jährigen drei Laufabschnitte über jeweils 600 Meter, 100 Meter Schwimmen und drei Schießdurchgänge zu absolvieren.
Finale im Triathle, sieben Sekunden fehlen im Laser Run
Sportlich verlief die Weltmeisterschaft für den Liesborner unterschiedlich: Im Triathle qualifizierte er sich für das Finale und erreichte dort mit einer Zeit von 11:36 Minuten den 18. Platz. Auch im Laser Run Einzelwettbewerb war er nahe an einem weiteren Finaleinzug. Mit 9:03 Minuten belegte er am Ende Rang 28. Nur sieben Sekunden fehlten ihm zum Erreichen der Finalrunde. „Mein Halbfinale im Laser Run lief richtig gut, ich war auf Finalkurs. Aber an der letzten der drei Schießstation habe ich nichts mehr getroffen. Dort habe ich die entscheidende Zeit verloren – am Ende fehlten mir sieben Sekunden zum Finale“, berichtet de Nocker.



Dass der Wechsel zwischen Ausdauerleistung und Präzisionsschießen einige Umstellung erforderte, zeigte sich auch im Training. Aus dem Triathlon war er längere Belastungen gewohnt. Beim Laser Run geht es dagegen darum, auf vergleichsweise kurzen Streckenabschnitten ein hohes Tempo zu erreichen und anschließend möglichst schnell wieder die Kontrolle am Schießstand zu gewinnen. „Aus dem Ausdauersport bin ich gewohnt, lange Strecken durchzuhalten. Hier kommt es aber darauf an, auf kurzen Abschnitten richtig Tempo zu machen. An diese höheren Geschwindigkeiten musste ich mich im Training erst wieder gewöhnen.“
Auch die Laserpistole brachte neue Anforderungen mit sich. Es gibt keine festgelegte Schusszahl. Stattdessen muss so lange geschossen werden, bis die erforderlichen Treffer erzielt sind. Die Uhr läuft währenddessen weiter. Wer zu schnell schießt und verfehlt, verliert ebenso Zeit wie jemand, der sich für jeden einzelnen Schuss zu viel Zeit nimmt. Eine weitere gute Platzierung gelang de Nocker im Laser Run mit der deutschen Doppelstaffel. Gemeinsam mit einer Polizistin aus Lüneburg erreichte er den zehnten Platz. Insgesamt gingen 13 Staffeln an den Start.
Weltmeisterschaft vor der Kulisse von Funchal
Neben den sportlichen Ergebnissen blieb auch der Austragungsort in Erinnerung. Die Wettkämpfe fanden im Centro Náutico São Lázaro unmittelbar an der Hafenpromenade von Funchal statt. Die Schwimmstrecken führten durch den Atlantik, während sich auf der gegenüberliegenden Seite des Hafens große Kreuzfahrtschiffe vor der Kulisse der Altstadt erhoben. „Das Wettkampfgelände war einmalig: direkt an der Altstadt von Funchal, geschwommen wurde im Hafen, und gegenüber lagen die großen Kreuzfahrtschiffe. Eine solche Kulisse erlebt man als Sportler selten“, erzählt de Nocker.

Die Weltmeisterschaften des Weltverbandes UIPM (Union Internationale de Pentathlon Moderne) vereinten vom 26. Oktober bis zum 1. November mehr als 1.000 Sportlerinnen und Sportler aus über 50 Nationen. Rund 50 Teilnehmende kamen aus Deutschland. Das Programm umfasste zwölf Altersklassen, von den jüngsten Nachwuchskategorien bis zu den über 70-Jährigen. In Deutschland gehören „Laser Run“ und „Triathle“ nach wie vor zu den Randsportarten. In anderen Ländern, darunter Frankreich und England, sind die Wettbewerbe deutlich verbreiteter. Auch die Ergebnisse auf Madeira möchte de Nocker deshalb realistisch einordnen: „Über den Finaleinzug freue ich mich sehr, gerade weil ich in dieser Sportart noch ganz neu bin. Gleichzeitig muss man das sportlich einordnen: In meiner Altersklasse standen jeweils nur ca. 40 Personen am Start und das waren auch keine aktiven Profis.“
Trotzdem ist die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft für den Göttinger ein besonderer sportlicher Schritt. Aus einer Kombination vertrauter Fähigkeiten ist eine neue Herausforderung geworden und die führte ihn direkt auf die internationale Wettkampfbühne. MW gratuliert zu diesem erneuten sportlichen Erfolg!
Text: mw/bb.; Fotos: Thomas de Nocker


