Wadersloh (mw/bb). Die Diskussion um die Schultoiletten an der Sekundarschule Wadersloh hat den Ausschuss für Schule, Kultur und Sport am Montagabend intensiv beschäftigt. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob die bestehenden WC-Trennwände durch deckenhohe und bodentiefe Kabinen ersetzt werden sollen, um Schülerinnen und Schüler besser vor heimlichen Handyaufnahmen und Eingriffen in die Privatsphäre zu schützen.
Ausgangspunkt der Debatte ist das Schutzkonzept der Schule gegen sexualisierte Gewalt. Bereits im Mai 2024 hatte die Schulleitung den Schulträger darüber informiert, dass Schülerinnen und Schüler die Toilettenanlagen teilweise als „Angstraum“ wahrnehmen. Hintergrund seien die offenen Bereiche ober- und unterhalb der Kabinentüren. Dadurch bestehe die Möglichkeit, Mobiltelefone in die Kabinen zu halten und Aufnahmen anzufertigen. Die Schulkonferenz unterstützte deshalb den Wunsch nach einem besseren Sichtschutz.
Die Gemeindeverwaltung hatte daraufhin einen Umbau der Toilettenanlagen in den Haushaltsentwurf aufgenommen. Für den vollständigen Austausch der Trennwände einschließlich notwendiger Anpassungen an Beleuchtung und Belüftung wurden rund 19.000 Euro kalkuliert. Gleichzeitig bestanden innerhalb der Politik Zweifel, ob allein bauliche Veränderungen die Probleme tatsächlich lösen könnten.
Der zuständige Dezernent Elmar Ahlke machte deutlich, dass die Verwaltung das Thema seit längerer Zeit beschäftige. Neben baulichen Möglichkeiten seien auch organisatorische Maßnahmen geprüft worden. So verfügen die Toilettenanlagen im Bereich der Jahrgänge fünf und sechs bereits über elektronische Schließsysteme, die während des Unterrichts genutzt werden. Dort gebe es nach Angaben der Verwaltung kaum Probleme. Schwieriger sei die Situation jedoch in den großen Pausen an den zentralen Toilettenanlagen im Bauteil A (Mensa), die von allen Schülerinnen und Schülern genutzt werden.
Die CDU-Fraktion sprach sich am Abend gegen einen sofortigen Umbau aus. Jürgen Rühl verwies auf einen erfolgten Ortstermin und plädierte dafür, zunächst schulorganisatorische Maßnahmen wie verstärkte Aufsichten auszuprobieren. Die bestehenden Toiletten seien funktional und hygienisch in gutem Zustand. Zudem müsse geprüft werden, ob der hohe finanzielle Aufwand tatsächlich zielführend sei.
Deutlich anders positionierten sich FWG und Grüne. Hubert Funke (FWG) warf Verwaltung und Politik vor, die Sorgen der Schülerinnen und Schüler zu lange nicht ernst genommen zu haben. Die Hinweise aus dem Schutzkonzept und aus der Schulpflegschaft seien eindeutig. „Das können und dürfen wir nicht ignorieren“, betonte Funke und sprach von dringendem Handlungsbedarf. Auch Elisabeth Hollenhorst (Grüne) erklärte, beim Schutz der Kinder dürfe nicht das Geld die entscheidende Rolle spielen. Die Schule habe eine Verpflichtung, die Sicherheit zu gewährleisten. Die möglichen Schutzmaßnahmen müssten ausgeschöpft werden. Sie betonte zudem, es sei dringend erforderlich, schnell eine Lösung zu finden. Die Sorgen der Schülerinnen und Schüler blieben bestehen, solange keine wirksamen Maßnahmen ergriffen würden. Deshalb sprach sie sich dafür aus, bauliche Veränderungen umzusetzen, bevor es zu schwerwiegenden Vorfällen komme.
Unterstützung erhielt diese Sichtweise von Schulleiterin Klementine Reuter. Sie unterschied klar zwischen dem Thema Vandalismus, das sich durch Aufsicht und organisatorische Maßnahmen eindämmen lasse, und den Ängsten vor heimlichen Handyaufnahmen. Gerade diese Sorgen könnten ihrer Ansicht nach nur durch bauliche Veränderungen nachhaltig beseitigt werden. Sobald Bilder auf einem Smartphone landeten, bestehe die Gefahr, dass sie in sozialen Netzwerken verbreitet würden. Zwar gelte an der Schule ein grundsätzliches Handyverbot innerhalb der Gebäude, dennoch lasse es sich nicht vollständig ausschließen, was auch als Sorge von einer Schülerin geäußert wurde. Schon in der Vergangenheit wurde betont, dass derartige Fälle mir Handyfotos an der SKW bisher nicht vorgefallen seien.
In der politischen Diskussion wurde auf Erfahrungen anderer Kommunen in der Nachbarschaft verwiesen. Während manche Schulen auf Aufsichten oder Schülerinitiativen setzen, plane etwa die Stadt Oelde umfangreichere technische Lösungen. Bürgermeister Christian Thegelkamp sprach sich dennoch gegen einen sofortigen Umbau aus. Andere Schulen zeigten, dass organisatorische Maßnahmen funktionieren könnten. Warum dies an der Sekundarschule Wadersloh nicht ebenfalls funktionieren solle, darauf habe er bislang keine überzeugende Antwort erhalten, erklärte Thegelkamp.
Am Ende folgte der Ausschuss mehrheitlich diesem Kurs. Ein Antrag auf sofortige Umsetzung der Baumaßnahmen wurde abgelehnt. In Reihen der Zuschauer, darunter viele Schülerinnen und Schüler mit ihren Eltern, war entschiedenes Kopfschütteln zu sehen. Stattdessen sollen zunächst schulorganisatorische Maßnahmen verstärkt und die Situation nach etwa einem Jahr erneut bewertet werden. Zustimmung erhielt dieser Weg vor allem von CDU und AfD. FWG und Grüne kündigten dagegen Widerstand an und forderten weiterhin schnelle bauliche Lösungen zum Schutz der Schülerinnen und Schüler. Die ausdrücklichen Einwände von Hubert Funke (FWG) wurden gesondert vermerkt.
Symbolfoto/Text: B. Brüggenthies

