Diestedde (mw/bb). Wenn es um das Thema „dörfliches Miteinander“ und die Stärkung selbigen geht, macht dem Heimatverein Diestedde so schnell niemand etwas vor. Was im Nikolausdorf besonders ausgeprägt ist: Das Anpacken in Eigenleistung. Am Sonntagvormittag wurde das „Büdchen“ am Backhaus offiziell seiner neuen Bestimmung übergeben. Aus dem einstigen Bienenhaus im nahegelegenen Naturpark Hangkamp ist im Jahresverlauf 2025 ein ansehnliches, schmuckes Mini-Fachwerkhäuschen mit Mehrwert geworden, welches das Backhaus, Remise und das Drumherum funktional und optisch aufwertet.



Als Vorsitzender des Heimatvereins oblag Fritz Streffer die Aufgabe, die Historie des „Büdchen“ nachzuzeichnen. Die Geschichte beginnt in Benteler. Dort wurde das ursprüngliche Häuschen 1995/96 abgebaut und im dann im Rahmen der „72-Stunden-Aktion“ der mittlerweile leider aufgelösten KLJB Diestedde ehrenamtlich als „Bienenhaus“ im Naturpark neu errichtet. Das ging recht abenteuerlich zu, erinnerten sich Stefan Knubel und Brigitte Schniederjohann, die damals das Vorstandsteam der Landjugend Diestedde lenkten. Im strömenden Regen wurden Holz, Steine und Dachpfannen zusammengefügt. „Wir wussten damals nicht, ob wir das in so knapper Zeit schaffen können“, erinnerten sich beide an die Aktion zurück. Noch kurz Ablauf des Arbeitseinsatzes wurde von einem fachkundigen Imker das erste Bienenvolk eingesetzt. Über viele Jahre wurden dann im Hangkamp der beliebte namensgleiche Honig produziert.




Nun ist eine neue Phase für das Häuschen angebrochen. Nach Vorstands- und Mitgliederbeschluss und mehrjährigem Vorlauf inklusive umfangreicher Finanzplanung wurde das Bienenhaus erneut transloziert. Dieses Mal war der Weg ungleich kürzer als noch beim ersten Anlauf. Nur ein Katzensprung entfernt glückte die zweite Rettung erneut. Vor allem Dankt tatkräftiger Helferinnen und Helfer. Unter Regie von Thomas Kemper, Willi Schwietert und Reinhard Speith und vor allem des Einsatzes der Arbeitsgruppe „DieAktiv“ und dem Zimmereibetrieb Weinekötter entstand auf dem neuen Fundament das „Büdchen“ Stück für Stück, Stein für Stein und Dachpfanne um Dachpfanne vor den Augen der begeisterten Dorfbevölkerung. Neben Eigenmitteln konnte die Finanzierung vor allem durch eine großzügige Unterstützung der Bürgerstiftung Wadersloh erfolgreich umgesetzt werden. Diese sah den dorfverbindenden Charakter des aufgewerteten Backhaus-Areals, von dem sich bei der Einweihung alle Helferinnen und Helfer sowie Gäste direkt überzeugen konnten.
Für die einstigen Verantwortlichen der KLJB Diestedde bedeutet der erneute Umzug des kleinen Fachwerks vor allem Wertschätzung: „Das ist für die Leute, die sich damals dafür eingesetzt haben, einfach eine besondere Wertschätzung, dass es einen neuen Standort gibt und das Gebäude nicht verfällt“, sagt Stefan Knubel. Auch für Thomas Kempüer, der seitens Heimatverein den sprichwörtlichen „Hut aufhatte“, ist das Ergebnis sehr gut. „Zu Beginn war die Standortfrage ein großes Thema. Aber jetzt zeigt sich, dass es die richtige Entscheidung war. Die Arbeiten liefen flüssig. Alles lief Hand in Hand. Das Endergebnis ist so, wie wir es uns vorgestellt haben. Ein wenig Feinschliff soll es noch geben. Die eingesetzte Theke, eine Spende der Freiwilligen Feuerwehr Löschzug Diestedde, soll noch eine Ablage bekommen für die Ausgabe nach Draußen.





Lob für das Büdchen gibt es von allen Seiten. Nicht nur von Diestedderinnen und Diesteddern, sondern auch Besuchern von außerhalb. Stellvertretend für die Gemeinde Wadersloh gab es auch von der stellv. Bürgermeisterin Dr. Ulrike Keitlinghaus viel Zuspruch: „Das Gebäude wurde vor dem Verfall gerettet und viel schöner wieder aufgebaut. Besonders gut gefällt mir das eingesetzte Logo des Heimatvereins. Das ist eine schöne und tolle Aktion“, lobte Dr. Keitlinghaus und dankte im Namen der Bürgerschaft für den Einsatz. Es sei ein Ort entstanden, der das Ensemble gut abrunde, ein kommunikativer Ort, der alles gemütlich einschließe.
Fritz Streffer war die Freude anzusehen: „Unser Backhaus-Areal ist seit Langem ein gesellschaftlich-kultureller Mittelpunkt des Dorfes. Wir sind froh, dass wir das Bienenhaus retten konnten und diesen Ort der Begegnung weiter stärken können. Wir sind einfach glücklich, dass nun alles fertig und nutzbar ist“, so Streffer.
Bei Flammkuchen aus dem Backhausteinofen, kühlen Getränken aus dem Büdchen und Grillwurst klang die Einweihung in gemütlicher Atmosphäre aus. Die erste Feuertaufe wurde mit den Nikolaustagen und dem Krippencafé bereits mit Bravour gemeistert. Genau für dies Anlässe ist das „Büdchen“ gedacht. Und auch beim anstehenden Erdbeer-Freiluft-Café am 21. Juni 2026 wird es sicher gute Dienste leisten.
Fotos/Text: B. Brüggenthies


