Wadersloh/Liesborn (mw/bb). Die Diskussion um die künftige Trägerschaft von Kindertageseinrichtungen ist in vollem Gange. Während die katholischen KiTas im Bistum Münster ab 2027 in drei gGmbHs überführt werden sollen (MW berichtete), hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Wadersloh bereits vor rund zwei Jahren den Schritt in die gemeinnützige GmbH erfolgreich vollzogen und zeigt damit, wie sich pädagogische Qualität, Verantwortungsbewusstsein und Organisationsstruktur sinnvoll verbinden lassen. | MW fragte beim DRK nach den bisherigen Erfahrungen mit dem Modell.
Seit 1993/94 leistete der DRK-Ortsverein Wadersloh ehrenamtliche Organisationsarbeit für den Betrieb der KiTas. In dieser Zeit wuchs der wirtschaftliche Umfang der Einrichtungen erheblich: Mit einer Versechsfachung des Umsatzes wurde der Betrieb in ehrenamtlicher Struktur zunehmend schwer zu leisten. Um den künftig vier DRK-Einrichtungen mit knapp 100 Mitarbeitenden weiterhin eine verlässliche Organisationsstruktur zu bieten, professionalisierte der Ortsverein die Arbeit. Hintergrund war insbesondere die Vorstandshaftung: Bisher hätten ehrenamtliche Vorstände bei Problemen persönlich gehaftet.
Die DRK Wadersloh gGmbH wurde am 26. Oktober 2023 als 100-prozentige Tochter des Ortsvereins gegründet und nahm zum 1. August 2024 ihre Arbeit auf. Unter ihrem Dach vereinen sich die vier KiTa-Einrichtungen „Wunderwelt“, „Villa Kunterbunt“, „Flohzirkus“ und die „Pusteblume“. Geschäftsführer Boris Krumtünger betont im Gespräch mit MW die Vorteile dieser Struktur: „Entscheidungswege sind deutlich kürzer. Statt Abstimmungen über die Vorstände des Ortsvereins können wir direkt mit den Kita-Leitungen Lösungen erarbeiten. Wenn irgendwo ein Problem auftaucht, finden wir Antworten, die allen Einrichtungen zugutekommen.“
Die gGmbH bietet nicht nur Effizienzgewinne, sondern auch zusätzliche Sicherheit, insbesondere bei Haftungsfragen, die zuvor die ehrenamtlich tätigen Vorstände persönlich betrafen. Größere Entscheidungen werden nach wie vor im Gesellschafterkreis getroffen, zu dem der DRK-Vorsitzende Christian Thegelkamp, sein Stellvertreter Bernhard Schniederjohann, der Geschäftsführer des Ortsvereins Johannes Rassenhövel sowie Schatzmeisterin Maria Schnitker gehören. Für Eltern wirkt die neue Struktur greifbarer: Berichte durch den Geschäftsführer in Elternversammlungen und im KiTa-Rat schaffen Transparenz und direkten Kontakt.





Ein weiterer Vorteil: Durch die Spezialisierung auf die KiTas kann sich die gGmbH voll auf pädagogische Fragen und Organisationsstrukturen konzentrieren, während der Ortsverein weiterhin Katastrophenschutz, Sanitätsdienste und andere DRK-Angelegenheiten verantwortet. Die Werte von Henri Dunant, dem Gründer des Roten Kreuzes, bleiben dabei zentral. Krumtünger resümiert: „Wir wussten damals nicht genau, wohin der Weg führt. Aber diese Spezialisierung war genau der richtige Schritt.“
Die Situation bei den katholischen KiTas im Bistum Münster zeigt, dass auch andere Organisationen vor ähnlich großen Herausforderungen stehen. Ab 2027 sollen 664 Einrichtungen mit rund 11.500 Mitarbeitenden in drei gGmbHs überführt werden. Hintergrund ist die angespannte Finanzierung: Das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) sorgt für strukturelle Unterfinanzierung, sodass eine professionelle Trägerstruktur notwendig wird. Ziel ist, die Qualität der Einrichtungen zu sichern, die Kirchengemeinden von Verwaltungsaufgaben zu entlasten und den Einrichtungen zugleich eine zukunftsfähige Organisation zu geben.

Die Erfahrung des DRK in Wadersloh zeigt: Eine gGmbH kann die Handlungsfähigkeit erhöhen, Entscheidungsprozesse beschleunigen und gleichzeitig die pädagogische Arbeit stärken. Ein Modell, das sich auch für andere Träger als wegweisend erweisen könnte.
Fotos/Text: B. Brüggenthies



