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Inklusion sollte nicht nur ein Wort sein: Zimmerei Bühlbecker macht Nägel mit Köpfen!

Wadersloh (mw/bb). Jeder von uns kennt die Superhelden und -heldinnen aus dem Kino und bei Netflix. Doch manchmal leben echte Helden direkt in der Nachbarschaft, auch wenn man sie erst auf den zweiten Blick erkennt. Roman Stratkötter ist einer dieser zunächst unscheinbaren Helden. Seine Superheldenfähigkeit: Nie den Mut verlieren und immer weiterkämpfen. Roman sitzt im Rollstuhl und möchte in dieser Gesellschaft nur eines: Als Mensch mit Behinderung normal behandelt werden. In der Zimmerei Bühlbecker bekommt der 24-Jährige die Möglichkeit dazu.

Diesen Beitrag könnt ihr auch in der neuen Ausgabe der „WDL aktuell“ lesen

Jeder hat eine zweite Chance verdient und Roman Stratkötter hätte mindestens 230 davon verdient. Genauso viele Bewerbungen hat der junge Mann aus Wadersloh geschrieben, bis er endlich fündig wurde. Darum sollte auch noch eine Extraportion Anerkennung obendrauf kommen. Es dauert nur wenige Augenblicke bis Außenstehende beim Kennenlernen von Roman bemerken, wie viel Energie der Wadersloher hat und mit welcher Motivation er jeden Arbeitstag bestreitet. Entmutigen lassen wollte er sich auch dann nicht, als die 230. Absage auf die Bewerbung eines Jobs reinflatterte. Jeden Tag stand er um 7 Uhr morgens auf und verfolgte einen festen Tagesablauf. Als Familie Bühlbecker darauf aufmerksam wurde, stand schnell fest: Roman hat die Chance verdient, einen Beruf ausüben zu können. Er hat sehr lange dafür gekämpft. Förderschule, Hauptschulabschluss und eine erfolgreiche Ausbildung als Kaufmann für Büromanagement. In der Zimmerei Bühlbecker machte er zunächst ein Praktikum und ist nun zum Probearbeiten am Hovestweg bis mindestens Dezember. „Ein Dachdecker kann ich aufgrund meiner motorischen Fähigkeiten nicht werden, aber hier im Büro habe ich eine Aufgabe, die mich ausfüllt“, sagt Roman.

Andrea und Hermann Bühlbecker freuen sich über ihren engagierten Mitarbeiter Roman Stratkötter, der nach einem Praktikum nun zum Probearbeiten im Betrieb mithilft und mit seiner Behinderung anderen Mut machen möchte, immer weiter zu kämpfen.

Andrea und Hermann Bühlbecker sind von Anfang an beeindruckt von dem Willen des jungen Mannes, ein möglichst normales Leben führen zu können. Er ist im selben Jahrgang wie Junior-Chef Bastian Bühlbecker, die Eltern kennen sich noch aus Landjugendzeiten. In Kooperation mit der Agentur für Arbeit konnte das Praktikum und das Probearbeiten in dem Wadersloher Handwerksbetrieb realisiert werden. „Wir mussten zu Beginn natürlich auch ‚Maß nehmen‘ und schauen, ob alles passt. Hier und da wurde improvisiert, aber nun haben wir Lösungen gefunden, die es Roman erlauben, barrierefrei ins Büro zukommen, am PC zu sitzen und seine Arbeit machen zu können.“

Langes Schlafen kam für Roman auch vorher nicht infrage. Rund 40 Minuten dauert die Anfahrt mit dem 10 km/h-schnellen E-Rollstuhl bei Wind und Wetter zur Zimmerei. „Das ist gar kein Problem. Ich bin glücklich über diese Routine und einen geregelten Alltag. Vor allem aber darf man sich nicht behinderter machen, als man ist.“ Das Kämpfen zahlt sich aus. 17 Jahre lang geht Roman Stratkötter schon seinen Weg und möchte sein Traum verwirklichen, genauso behandelt zu werden wie jeder andere und sein Glück zu finden. Manchmal braucht man eben nur eine kleine Chance, um Großes zu erreichen. Roman rollt seinen Rollstuhl vom Besprechungsraum wieder in Richtung Büro: „Ich muss jetzt weiterarbeiten. Hat mich gefreut, dich kennenzulernen.“ – Helden sind oftmals unscheinbar und manchmal sitzen sie auch im Rollstuhl und bewegen einen einfach nur durch Worte.

Fotos/Text: B. Brüggenthies


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