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Ein Traum von Farben: Heimatkünstler Walter Jasper blickt auf sein künstlerisches Schaffen zurück

Diestedde (mw/bb). Durchflutet von Licht und leuchtenden Farben kennt man das Kunstforum Blauer Giebel an der Steinacker Straße in Diestedde. Umgeben von Natur und Kultur ist dieses Kleinod der Großgemeinde Wadersloh kein Geheimtipp, sondern sollte ein Pflichttermin für all diejenigen sein, die sich für Kunst aus unserer Heimat interessieren. Der Vollblut-Heimatkünstler Walter Jasper, gebürtig aus Ennigerloh stammend, hat vor Jahrzehnten seine zweite Heimat Diestedde zum Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens gemacht. Rastlos bleibt der Künstler mit dem markanten Bart und stets einem verschmitzten Lächeln im Gesicht aber auch in seinem 80. Lebensjahr, auf das er im Sommer 2020 dankbar zurückblickte.

Ein Rückblick, eine Retrospektive, soll auch die diesjährige Ausstellung des Künstlers im „Blauen Giebel“ sein. Ein viel beachtetes Lebenswerk, dass erst auf dem zweiten Bildungsweg möglich wurde. „Die Rückschau umfasst eigentlich 70 Jahre meines Lebens“, lacht Walter Jasper und legt den Bleistift zur Seite, mit dem er noch fix eine weitere Ideenskizze in sein gebundenes Notizbüchlein verewigt hat. „Schon als 10-Jähriger habe ich während meiner Schulzeit erste kleine Bilder gemalt“, erinnert sich Walter Jasper. In der Nachkriegszeit waren es die Eltern, die das Potenzial erkannten. Das Geschenk einer kleine Staffelei und eines Ölfarbenkasten führten dazu, dass fortan Postkartenmotive großer Künstler im Hause Jasper nachgemalt wurden. Van Goghs leuchtendes Sonnenblumenmeer inspirierte schon damals den späteren Schwerpunkt des Diestedder Heimatkünstlers auf naturnahe Themen.

Beruflich schlug Walter Jasper aber zunächst einen anderen Weg ein. Das Handwerk stand im Mittelpunkt, noch nicht die Kunst. Mit der elterlichen Malerwerkstatt verbindet Walter Jasper noch heute die schönsten Erinnerungen. „In der Vorweihnachtszeit stand bei uns in der Werkstatt und bis in unser Wohnzimmer überall Kinderspielzeuge aus Holz, die vor dem Fest noch schnell einen neuen Anstrich verpasst bekommen mussten. Selbstverständlich mussten wir Kinder alles ausprobieren, bis alles nach und nach bis Heiligabend wieder verschwand“, sagt der Künstler und seine Augen beginnen zu leuchten. Aus Walter Jasper fließen die kreativen Ideen, wie die Farben aus den Töpfen auf die Pinsel und dann auf die Leinwände, wo sie manchmal surreal, manchmal wirklichkeitsnah fantastische Welten zeigen. Die eigene Heimat, weit entfernte Sehnsuchtsorte, aber auch kreative Eingebungen, die zum Teil abends vor dem Fernseher zu Papier gebracht werden.

Gerade einmal 25 Jahre jung war Walter Jasper, als er den ersten Meisterbrief in der Tasche hatte und die Hochzeit kurz bevorstand. Als Angestellter seines Vaters führte er den Betrieb in Ennigerloh, bis er 1967 aus der Firma ausschied und eine Umschulung machen musste, die sein Leben veränderte. Fortan verdiente er sich als graphischer Zeichner den Lebensunterhalt für sich und seine Familie. In Agenturen und Druckereien machte er sich schnell einen Namen für sein gutes Auge, seinen flotten Pinselstrich und seine kreativen Einfälle. Ab 1978 stand daher vor allem der Siebdruck auf der Agenda des Künstlers.

In diesem Moment fällt der Blick auf ein neues Werk im Atelier. Es trägt den Namen „Traumfarben“ und gleicht einer Szene im Weltraum. „Wenn ich morgens aufstehe, sehe ich Farben. Ich träume auch von ihnen“, beschreibt Walter Jasper seine schier unbegrenzt erscheinende Fantasie. Was hier nun wie eine Reise in die Zukunft wirkt, ist eine Reise durch die Zeit. Eine Zusammenfassung eines 70 Jahre andauernden kreativen Schaffensprozesses. Ob das (noch) rosafarbene Schloss Crassenstein, Winterpoesie rund um Annette Droste Hülshoff, Fundsachen des heimischen Ackers (wie etwa eine Kollektion von Flintsteinen, die neu zusammengesetzt ein neues Werk ergeben) – Heimatregion und Alltagsgegenstände inspirieren zu immer neuen Werken voller Farbe und Kraft. Sie wecken beim Betrachter die Neugierde, die Walter Jasper seit Kindheitstagen in seinem künstlerischen Schaffen ausdrückt. Somit ist die Ausstellung zum 80. Lebensjahr des Heimatkünstlers auch ein künstlerisches Denkmal. Ein fantastischer Surrealismus, der ein ganzes Künstlerleben aufschichtet zu einem Gesamtwerk.

Walter Jasper zieht sich einen alten Parka an und greift nach einer Hundeleine. Er atmet durch, schaltet das Licht aus. Die Farben im Blauen Giebel leuchten fort. Licht von Draußen scheint auf den großen Arbeitstisch des einstigen Kuhstalls und die Schatten spielen mit dem Licht Katz und Maus. „Ich muss jetzt mit den Hunden raus. Vielleicht finde ich heute wieder ein paar Steine und kann sie wie Edelsteine zur Geltung bringen“, sagt der Künstler und öffnet die schwere Holztür zum Hof.

Die Jubiläumsausstellung zum 80. Geburtstag von Walter Jasper ist im Oktober nach vorheriger Anmeldung möglich (Tel. 02520-1295). Im Mittelpunkt steht die Vielfalt der Techniken in der bildenden Kunst und ein Schwerpunkt auf neue Sommerpastelle. Im Kunstforum „Blauer Giebel“ gilt Maskenpflicht.

Fotos/Text: B. Brüggenthies


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