Oelde-Stromberg (mw/bb). Dass wir die jungen Menschen einfach zu oft unterschätzen, zeigt das Beispiel eines jungen Stromberger Studenten: Vier Jahre lang ließ Leo Joksch seine Haare wachsen. Nun sind rund 60 Zentimeter davon ab und gehen an die Deutsche Krebshilfe. Mit seiner Haarspende möchte der 20-jährige Lehramtsstudent nicht nur etwas Gutes tun, sondern auch andere Menschen zu sozialem Engagement inspirieren.
Während der vergangenen Jahre musste sich Leo außerdem mit der richtigen Pflege seiner langen Haare beschäftigen. Über Instagram holte er sich Tipps und Empfehlungen für geeignete Pflegeprodukte. „Das war natürlich auch etwas Neues für mich“, erzählt er. Angefangen hatte alles eher aus einer Laune heraus. „Ich wollte die Haare einfach mal wachsen lassen“, erzählt Leo. Zwischendurch waren die Seiten immer mal wieder kürzer, während das Haar am Hinterkopf kontinuierlich länger wurde. Irgendwann waren auch die Seiten herausgewachsen und die Frisur hatte eine beachtliche Länge erreicht.



Dass aus dem anfänglichen Experiment nach vier Jahren eine Spende für krebserkrankte Menschen werden würde, war für Leo ein bewusst gewählter Nebeneffekt. Ein Influencer ging mit gutem Beispiel voran und trennte sich von den Haaren. Diesem positiven Beispiel wollte Leo folgen. Den entscheidenden Schritt machte der Student dann vor wenigen Tagen beim Friseursalon „Timo S.“ in seiner Nachbarschaft. Hair-Stylistin Laura S. schnitt ihm dort die langen Haare ab. Die Haarspende geht über einen Umweg an die Deutsche Krebshilfe. Über Kooperationspartner können aus gespendeten Haaren Perücken für Menschen hergestellt werden, die infolge einer Krebserkrankung ihre Haare verloren haben. Dafür muss der Zopf entsprechend gebunden und anschließend als Paket an die Kooperationspartner eingeschickt werden.
Freunde und Bekannte reagierten durchweg positiv auf die moderne Kurzhaarfrisur von Leo. Und auch im Friseursalon war die Freude über sein Engagement groß: Das Team von „Timo S.“ zeigte sich beeindruckt davon, dass der junge Stromberger seine Haare für einen guten Zweck spendet. Der praktische Unterschied im Alltag ist für Leo auch spürbar, wie er einige Tage später berichtete: Das ausgiebige Föhnen am Morgen gehört der Vergangenheit an. Stattdessen sind die kurzen Haare bereits nach wenigen Minuten trocken. Und so mancher, der ihn nun sieht, fragt zunächst erstaunt: „Was ist denn da passiert?“
Für Leo war die lange Mähne Teil seines persönlichen Stils: Der 20-Jährige hört gerne Metal-Musik und trägt passend dazu bevorzugt dunkle und schwarze Metal-Shirts. Die Musik verbindet ihn auch mit seinem Vater. Beide hören gerne die gleichen Bands unter anderem Iron Maiden. Vor wenigen Tagen war Leo beim Oelde Open Air und konnte dort seiner Leidenschaft für Metal-Musik nachgehen, auch ohne die langen Haarmähne. Die 60 Zentimeter lange Haarpracht ist weg, aber dafür gibt es das gute Gefühl, etwas für andere Menschen getan zu haben. Leo möchte mit seiner Aktion zeigen, dass sich soziales Engagement auch im Kleinen verwirklichen lässt. Das ist ihm gelungen! Eine Haarspende mit sozialem Mehrwert. Die 60 Zentimeter Löwenmähne war in wenigen Minuten ab und wir einem erkrankten Menschen hoffentlich nun für lange Zeit Normalität und Zuversicht schenken.
Weiterführende Infos zu Haarspenden an die Krebshilfe gibt es hier (externer Link)
Fotos/Text: B. Brüggenthies, weitere Fotos: Laura S. (2)


