Wadersloh (mw/bb). Nach langer Planungsphase wird es auf dem Gelände des künftigen Wohnparks Mauritz zunehmend konkreter: Die Erschließung des rund 8,9 Hektar großen Areals ist in vollem Gange. Bei einem Baustellenbesuch informierte Bürgermeister Christian Thegelkamp gemeinsam mit den Projektbeteiligten über den aktuellen Stand, die Herausforderungen bei der Erschließung und die künftige Nutzung der Flächen. An dem Termin nahmen Vertreterinnen und Vertreter der Ratsparteien von CDU, SPD, FWG und den GRÜNEN teil, um sich vor Ort ein Bild zu machen.
Für Bürgermeister Thegelkamp ist das Neubaugebiet ein wichtiger Baustein für die weitere Entwicklung der Gemeinde Wadersloh. Der Wohnpark Mauritz stelle eine „Abrundung der Ortslage“ dar und solle zugleich die Entwicklungsmöglichkeiten der Gemeinde für die kommenden Jahre sichern. „Hier wird nicht nur die Erde bewegt, sondern auch die Zukunft“, fasste Thegelkamp die Bedeutung des Projekts prägnant zusammen.
Dass Menschen aus Wadersloh und dem näheren Umfeld, aber auch von außerhalb, ihren Lebensmittelpunkt in der Gemeinde Wadersloh suchen, wertet der Bürgermeister als positives Signal. Wadersloh verfüge über eine für eine Gemeinde dieser Größe besondere Infrastruktur. Dazu gehörten insbesondere das vollständige Schulsystem vor Ort, das zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit dem Bus erreichbar sei, ebenso wie Einzelhandel, ärztliche Grundversorgung sowie Angebote wie Optiker und Hörgeräteakustiker. „Alles fürs tägliche Leben ist vorhanden“, so Thegelkamp. Dieses Grundgerüst mache Wadersloh als Wohnstandort attraktiv.
Wohnen trotz Nähe zum Gewerbegebiet
Dass die Gemeindeverwaltung ausgerechnet den Bereich am Mauritz entwickeln wollte, sei dabei eine bewusste Entscheidung gewesen. Das Grundstück habe sich aufgrund seiner Lage und Größe angeboten. Gleichzeitig galt es, das neue Wohngebiet mit dem angrenzenden Gewerbegebiet in Einklang zu bringen. „Nach allen Regeln der Kunst“ seien die entsprechenden Anforderungen berücksichtigt worden, erklärte Thegelkamp. Dazu gehören unter anderem eine bis zu 5,5 Meter hohe begrünte Lärmschutzwallanlage mit einer Länge von rund 240 Metern sowie weitere rund 340 Meter Lärmschutzwand mit einer Höhe von fünf Metern. Der Grünbereich erfüllt dabei nicht nur eine Schutzfunktion: Ein Wegenetz soll künftig auch eine neue Verbindung für den Sonntagsspaziergang schaffen. Thegelkamp bezeichnete den Grünwall mit seinen Wegen als eine Art „Nice to have“. Gleichzeitig entstehe damit gewissermaßen als zusätzlicher Effekt eine attraktive neue Möglichkeit, den Bereich rund um Mauritz und die Bendler Straße zu Fuß zu erkunden.



Große Herausforderung für Tiefbau und Entwässerung
Die Dimension des Baugebiets stellt die beteiligten Planer und Baufirmen allerdings auch vor erhebliche technische Herausforderungen. Das Gelände weist ein deutliches Nord-Süd-Gefälle auf. Hinzu kommt die Größe der Fläche, die hydraulisch entsprechend berücksichtigt werden musste. Das neue Wohngebiet übernimmt dabei zugleich wichtige Aufgaben bei der Entwässerung der nördlichen Ortslage. Über ein Pumpwerk und die neu geschaffenen Entwässerungseinrichtungen können verschiedene Anforderungen miteinander verbunden werden. Auch beim Baustellenbesuch wurde deutlich, wie umfangreich die Erschließungsarbeiten sind. Geplant beziehungsweise bereits in Arbeit sind rund 2,4 Kilometer neues Kanalnetz, etwa 1,3 Kilometer Straßen, mehr als 60 neue Beleuchtungsmasten und über 500 Meter Gehwege im begrünten Bereich. Hinzu kommen rund 50 öffentliche Stellplätze. Auch das Telekom-Glasfasernetz wird im Zuge der Arbeiten verlegt.
Grundstücksangebot an veränderte Bedingungen angepasst
Die Gemeinde hat ihr Vermarktungs- und Vergabekonzept inzwischen an die veränderten Rahmenbedingungen auf dem Immobilienmarkt angepasst. „Bauen wird nicht günstiger“, machte Thegelkamp deutlich. Gleichzeitig hätten sich die Voraussetzungen für Bauwillige in den vergangenen Jahren erheblich verändert, unter anderem durch Bauzinsen von inzwischen rund 3,8 bis 4 Prozent und weiterhin hohe Baupreise.
Reagiert wurde deshalb auch bei den Grundstücksgrößen und dem Wohnangebot. Vorgesehen sind insgesamt:
- 17 Grundstücke für Tiny-Häuser mit etwa 235 bis 252 Quadratmetern,
- 28 Grundstücke für Einfamilienhäuser mit etwa 396 bis 723 Quadratmetern,
- 35 Grundstücke für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Doppel- und Reihenhäuser mit etwa 463 bis 754 Quadratmetern,
- sowie Flächen für 15 Mehrfamilienhäuser auf insgesamt rund 9.600 Quadratmetern.
Neu ist insbesondere die Möglichkeit, auch Tiny-Häuser im Wohnpark Mauritz zu realisieren. Damit soll ein zusätzliches, kleineres Wohnsegment angesprochen werden. Eine weitere wichtige Säule ist der soziale Wohnungsbau. Sowohl frei finanzierter als auch öffentlich geförderter Wohnraum soll im neuen Baugebiet entstehen. Nach Angaben der Gemeinde laufen hierzu bereits Gespräche mit möglichen Investoren.
Auch die Vergabekriterien wurden angepasst. Möglich ist inzwischen eine Kombination aus Eigennutzung und Vermietung. Damit reagiert die Gemeinde auf die veränderte Nachfrage und erweitert den Kreis derjenigen, für die ein Grundstück im Wohnpark Mauritz interessant sein kann. Die Nachfrage sei weiterhin vorhanden, erklärte Thegelkamp. Mit Blick auf die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müsse man allerdings feststellen, dass sich der Immobilienmarkt deutlich verändert habe. Umso wichtiger sei es, ein möglichst passendes und vielfältiges Angebot zu schaffen.

Erschließung soll im Herbst abgeschlossen sein
Auf der Baustelle selbst sind die Fortschritte bereits deutlich sichtbar. Karsten Bertram vom Ingenieurbüro Redeker aus Detmold berichtete, dass der Hauptkanal inzwischen fertiggestellt sei. Als nächste Schritte folgen unter anderem die Wasserleitungen sowie die Arbeiten für Strom und Telekommunikation. Außerdem wird ein Regenrückhaltebecken angelegt. Das gesamte Projekt wird in zwei Bauabschnitten realisiert. Die Fertigstellung der Erschließung ist weiterhin für Herbst 2026 vorgesehen. Wesentliche weitere Verzögerungen zeichnen sich nach Angaben der Projektbeteiligten derzeit nicht ab.
Für die Gemeinde Wadersloh ist der Start der Bauarbeiten nach der langen Planungsphase ein wichtiger Moment. Thegelkamp zeigte sich entsprechend erleichtert und erfreut darüber, dass die Umsetzung nun sichtbar voranschreitet. Gleichzeitig hoben er und sein Baudezernent Boris Krumtünger die gute Zusammenarbeit der beteiligten Partner hervor. Mit dem Wohnpark Mauritz entsteht damit nicht nur ein neues Wohnquartier am Rand der bestehenden Ortslage. Die Gemeinde verbindet damit auch die Hoffnung, zusätzlichen Wohnraum für unterschiedliche Bedürfnisse zu schaffen und Wadersloh langfristig als attraktiven Wohnstandort weiterzuentwickeln.
Fotos/Text: B. Brüggenthies


