Kreis Warendorf / Wadersloh (mw). Auf Einladung des Journalisten und Kulturmanagers Benedikt Brüggenthies, Gründer der Plattform „Dorf-Kultur-Leben: Mein-Wadersloh.de“, kamen die CDU-Landtagsabgeordneten Markus Höhner (Beckum) und Daniel Hagemeier (Oelde) kürzlich zu einem Austausch über die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz (KI) im Café „Miss Elly“ in Wadersloh zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie KI den Lokaljournalismus sowie die Kultur- und Kreativbranche verändert und welche politischen Leitplanken künftig notwendig sind.
Gerade im Lokaljournalismus eröffnet generative KI neue Möglichkeiten. Angesichts schrumpfender Redaktionen, auch im Münsterland, kann sie helfen, Routineaufgaben zu übernehmen. Das verschafft Journalistinnen und Journalisten mehr Zeit für Recherche und investigative Themen.
Doch die Chancen sind eng mit Risiken verknüpft und sie betreffen nicht nur den Journalismus. Im Zentrum des Austauschs stand die Vertrauensfrage: Wenn Inhalte zunehmend automatisiert entstehen, ohne dass dies transparent gemacht wird, gerät die Glaubwürdigkeit unter Druck – in Medien ebenso wie in vielen anderen Bereichen, in denen Menschen auf verlässliche Informationen angewiesen sind. „Vertrauen entsteht durch Nachvollziehbarkeit. Wo diese fehlt, wird es schwierig“, betonte Brüggenthies.
Daran schließt sich unmittelbar die Frage der fairen Wertschöpfung an: KI-Systeme, insbesondere generative KI, greifen bereits heute auf bestehende Inhalte zurück, die von Menschen erstellt wurden. Häufig ohne klare Regeln oder angemessene Vergütung. „Lokale Nachrichten zu erstellen ist teuer. Es bedeutet Zeit vor Ort, sorgfältige Recherche und Einordnung. Medienvielfalt ist aber zugleich essenziell für unsere Demokratie und sollte entsprechend wertgeschätzt werden“, so Brüggenthies. Der wirtschaftliche Druck auf Redaktionen wächst parallel zu diesen Entwicklungen weiter, da auch das Werbegeschäft mittlerweile anders funktioniere.
Warum das relevant ist, geht über einzelne Branchen hinaus: Gerade lokale Medien leisten einen zentralen Beitrag zur demokratischen Öffentlichkeit, meint Brüggenthies. Sie berichten aus Gemeinderäten, machen Entwicklungen vor Ort sichtbar und schaffen Orientierung im direkten Lebensumfeld der Menschen, stärken das Ehrenamt. Wo diese Strukturen schwächer werden, leidet auch die demokratische Teilhabe.
Markus Höner MdL meint: „Menschengemachter Journalismus ist unverzichtbar für eine neutrale Berichterstattung, für politische Bildung und für unser gemeinsames Demokratieverständnis. Gerade in einer Zeit, in der Informationen immer schneller verbreitet werden, braucht es Journalistinnen und Journalisten, die einordnen, prüfen und Verantwortung übernehmen. Ich bin Herrn Brüggenthies sehr dankbar, dass er die Initiative für diesen Termin übernommen hat. Klar ist: Journalismus muss auch künftig durch eine ausreichende Finanzierung gesichert werden. Wir werden diesen Austausch weiter fortsetzen, um gemeinsam Lösungen aufzuzeigen.“
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Auswirkungen von KI auf die Kultur- und Kreativbranche. Insbesondere mit Blick auf das persönliche Miteinander. KI kann hier ein hilfreiches Werkzeug sein, verändert aber zugleich die Grundlagen kreativer Arbeit. „Wir dürfen nicht aus dem Blick verlieren, was unsere Gesellschaft zusammenhält: das persönliche Miteinander, der direkte Austausch, das gemeinsame Erleben. Genau das gerät unter Druck, wenn Prozesse zunehmend automatisiert werden“, so Brüggenthies.
Zugleich entstehen neue Spannungsfelder: Inhalte können in Sekundenschnelle generiert werden. Oft auf Basis bestehender Werke und ohne klare rechtliche oder wirtschaftliche Zuordnung. Fragen des Urheberrechts, der fairen Vergütung und der Wertschätzung kreativer Leistungen gewinnen damit weiter an Bedeutung.
Daniel Hagemeier, MdL, möchte helfen, Rahmenbedingungen zu schaffen: „Künstliche Intelligenz wird viele Bereiche unseres Alltags und unserer Arbeitswelt verändern – auch den Journalismus und die Kulturbranche. Umso wichtiger ist es, dass wir Vertrauen, Transparenz und Verantwortung von Anfang an mitdenken. KI kann unterstützen, aber sie darf menschliche Kreativität, journalistische Sorgfalt und den persönlichen Austausch nicht ersetzen. Gerade lokale Medien leisten einen unverzichtbaren Beitrag für Zusammenhalt, Orientierung und demokratische Teilhabe vor Ort. Deshalb müssen wir aufmerksam begleiten, wie sich diese Technologien entwickeln – und zugleich Rahmenbedingungen schaffen, die Innovation ermöglichen, ohne bewährte gesellschaftliche Strukturen zu schwächen.“
Einigkeit bestand in dem Gespräch darin, dass KI nicht nur Werkzeuge verändert, sondern ganze Märkte und Strukturen. Zu den zentralen Herausforderungen zählen ungeklärte Urheberrechtsfragen, wachsender wirtschaftlicher Druck, Abhängigkeiten von globalen Plattformen sowie mögliche Vertrauensverluste in digitale Inhalte.
Am Ende des Treffens stand daher eine grundlegende Frage: Wie kann KI so gestaltet werden, dass sie gesellschaftlichen Mehrwert schafft, ohne bestehende Strukturen zu untergraben? Klar ist: KI kann ein mächtiges Werkzeug sein. Sie darf jedoch nicht zum Ersatz für menschliche Kreativität, journalistische Sorgfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt werden.
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