Diestedde/Liesborn/Wadersloh/Oelde (mw/bb). Chromglänzende Klassiker, nostalgische Motorengeräusche, Rock-Musik aus dem UKW-Radio und viele neugierige Blicke am Straßenrand: Die Frühlingsausfahrt der Carl F. W. Borgward IG führte jetzt zahlreiche Oldtimerfreunde durch das südöstliche Münsterland. Organisiert wurde die Tour von Günter Wachsmann aus Wadersloh, der selbst seit Jahrzehnten begeistert von den Fahrzeugen der legendären Marke Borgward ist.


Der Tag begann für die Teilnehmenden der Frühjahresausfahrt am Rathaus in Wadersloh inklusive Begrüßung durch den ersten Bürger der Gemeinde Christian Thegelkamp, der übrigens selbst Oldtimer-Fan ist und mit einem VW Käfer unterwegs ist. Nach einem gemeinsamen Frühstück führte die Tour zunächst nach Diestedde zu einem Fototermin am Schloss Crassenstein. Anschließend ging es weiter zum Museum Abtei Liesborn, wo Führungen in mehreren Gruppen angeboten wurden. Am Nachmittag startete die gemeinsame Ausfahrt durch die Lippeauen und dem Zielort Potts Brauerei in Oelde. Dort klang der Tag bei einem gemeinsamen Essen und einer Brauereiführung bei schönstem Sonnenscheinwetter aus.
Für Wachsmann begann die Faszination schon in jungen Jahren. „Diese Kindheitserinnerung, so mit 12, 13. Da fuhren hier noch einige in Wadersloh und in der Gegend Borgward. Ich selbst habe meine Isabella“, erzählt der Wadersloher. Schon damals habe ihn die besondere Ausstrahlung der Fahrzeuge begeistert. Später wurde daraus eine echte Leidenschaft. Und die lebte bis heute weiter. besodners erfreuen ihn die vielen positiven Reaktionen entlang der Strecke. Tatsächlich ziehen die Fahrzeuge der Marken Borgward noch immer die Aufmerksamkeit auf sich, nicht nur wegen ihres eleganten Designs, sondern auch wegen ihrer technischen Besonderheiten.
Besonders die sportlichen Coupés genossen unter Oldtimerfreunden Kultstatus. „Das waren seinerzeit Ende der 50er Jahre – außer Mercedes 190 SL, 200 SL und Porsche 356 – mit die schnellsten deutschen Autos“, erklärt Wachsmann. Die Fahrzeuge hätten eine „fantastische Straßenlage“ gehabt. „Wenn du einmal gefahren bist, du träumst davon“, sagt er. Gerade dieses emotionale Fahrerlebnis unterschied die Oldtimer bis heute von modernen Fahrzeugen.

















Dabei war Borgward seiner Zeit oft voraus gewesen. Wachsmann verwies auf technische Details, die damals nahezu revolutionär wirkten: „Du startest nicht mit Schlüssel, du hast einen Druckknopf wie heute in modernen Autos. Das hatte Borgward Ende der 1950er Jahre schon.“ Firmengründer Carl F. W. Borgward sei ein Visionär gewesen, der immer neue Ideen vorantrieb. Neben Pkw entstanden in der Unternehmensgruppe auch Nutzfahrzeuge, Militärfahrzeuge und sogar Hubschrauber.
Trotz des Niedergangs der Marke Anfang der 1960er Jahre blieb die Begeisterung ungebrochen. Rund 800 Mitglieder zählte die Borgward IG Essen. Einmal im Jahr trafen sich die Liebhaber zur traditionellen Frühlingsausfahrt. „Die Marke nicht ins Vergessen geraten lassen. Das ist der Hauptgedanke“, betont Wachsmann. Genau darum ging es auch bei der Ausfahrt durch das Münsterland. Die historischen Fahrzeuge sollten nicht nur gefahren, sondern auch präsentiert werden. Viele Menschen blieben stehen, suchten das Gespräch mit den Besitzern oder bestaunten Details der liebevoll gepflegten Klassiker. Für Günter Wachsmann liegt genau darin der besondere Reiz des Hobbys: Menschen zusammenzubringen, Erinnerungen zu wecken und automobile Geschichte lebendig zu halten.
Fotos/Text/Video: B. Brüggenthies



