Diestedde (mw/bb). Mit einem informativen und motivierenden Vortrag hat der Oelder Unternehmensberater Volker Korn am 29. Januar im Schloss Crassenstein Einblicke in die komplexe Welt der Förderprogramme gegeben. Eingeladen hatte das Stiftungszentrum Schloss Crassenstein, das sich seit Jahren als Plattform für Wissenstransfer, Austausch und Vernetzung etabliert hat.
Zur Begrüßung skizzierte Dr. Frank Röschinger die positive Entwicklung des Stiftungszentrums: Die Zahl der angeschlossenen Stiftungen wachse stetig, drei bis vier Veranstaltungen pro Jahr seien inzwischen fester Bestandteil des Programms. Einen Ausblick gab er ebenfalls: Am 31. März 2026 wird der Europaabgeordnete Peter Liese zur Gesamtsituation in der Europäischen Union referieren.
Der Titel des Donnerstagabends lautete „Von Programmen, Paragrafen und Potenzialen. Eine Expedition durch den Fördermitteldschungel“. Korn eröffnete sein Impulsreferat mit dem Bild eines undurchdringlichen Dschungels und machte deutlich: Ziel sei es, Orientierung zu geben und einen praktischen Leitfaden an die Hand zu reichen. Dabei wolle er nicht nur informieren, sondern als „Guide“ durch ein vermeintlich trockenes Thema führen. Der Referent stellte sich als unabhängiger Berater für mittelständische Unternehmen vor. Nach 30 Jahren im Bankwesen ist Korn seit 2020 selbstständig tätig und berät zu Finanzoptimierung, Finanzierung und Förderzuschüssen. Zusätzlich engagiert er sich ehrenamtlich, unter anderem im Lions Club.
Inhaltlich spannte Korn den Bogen von gesellschaftlichen Zielen staatlicher Förderung, etwa in Forschung und Entwicklung, Klimaschutz oder Digitalisierung, bis hin zu konkreten Förderarten: Zuschüsse, zinsvergünstigte Darlehen und Haftungsübernahmen. Beeindruckende Zahlen untermauerten den Handlungsbedarf: Bundesweit existieren 2.388 Fördermöglichkeiten, mehr als die Hälfte richtet sich an Unternehmen. Dennoch würden oftmals Fördermittel nicht in Anspruch genommen. Im Bereich Forschung und Entwicklung seien von 1,7 Milliarden Euro lediglich rund 700 Millionen Euro abgerufen worden.
Als Gründe für diese Lücke nannte der Unternehmensberater unter anderem Unwissenheit, die hohe Komplexität der Antragstellung, fehlende personelle Ressourcen und negative Vorerfahrungen. Sein Appell: „Bitte halten Sie durch!“ Gleichzeitig zeigte er anhand von Praxisbeispielen, welches ungenutzte Potenzial vorhanden ist, auch wenn ein Förderantrag in Nordrhein-Westfalen bis zu 180 Seiten umfassen könne. Seine Empfehlung an Interessierte: Frühzeitig einen eigenen Förderplan erstellen, mit einem Vorlauf von ein bis zwei Jahren. Zentrale Fragen dabei seien: Welche Programme kommen infrage? Wie realistisch ist die Umsetzung? Wie hoch ist der Nutzen? Als Beispiel nannte Korn unter anderem das Programm „NRW.BANK.Invest Zukunft“ der NRW.BANK, das sich unter anderem an Freiberufler richtet und Investitionen in Klima, E-Mobilität und Digitalisierung unterstützt.
Nach dem Vortrag entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, bevor der Abend bei geselligem Austausch ausklang. Korns Fazit: Es fehlt oft an Orientierung, doch wer strategisch vorgeht, kann erhebliche Potenziale erschließen. Fördermittel seien zwar ein sensibles Thema, letztlich aber ein Investment in die Zukunft. Eine abschließende Frage an das Publikum, wer sich nun besser informiert fühle, beantwortete eine deutliche Mehrheit mit Zustimmung. Ein klares Zeichen dafür, dass die Expedition durch den Fördermitteldschungel ihr Ziel erreicht hatte.
Foto/Text: B. Brüggenthies



