Liesborn (mw/bb). Das Schützenfest 2025 war für das Liesedorf alles andere als ein Fest wie jedes andere. Mit dem 75-jährigen Bestehen des Schützenvereins blickte die Liesborner Schützenfamilie nicht nur auf ihre eigene Vereinsgeschichte zurück, sondern schrieb zugleich ein neues Kapitel Dorfgeschichte. Selbst in den Kindergärten wurde im Vorfeld die Schützenfesttradition gefeiert. Den festlichen Jubiläumsauftakt bildete der Pfingstsonntag. Aber richtig groß gefeiert wurde vom 5. bis 7. Juli. Ein Jubiläumswochenende mit unvergesslichem Sternmarsch in „Pastor’s Garten“ und zum Abschluss eine stimmungsvolle Krönung im Regen: Vielleicht waren es aber auch nur Freudentränen, gemischt mit ein wenig Wehmut, dass das Schützenfest in Liesborn wieder viel zu schnell vorbei war?
Die KiTa St. Antonius wagte den Frühstart zur Einstimmung
Schon Mitte Mai zeigten die jüngsten Liesbornerinnen und Liesborner, dass die Schützenliebe keine Altersgrenze kennt: Beim ersten offiziellen KiTa-Schützenfest der St. Antonius-KiTa zogen die Kinder samt Spielmannszug aus Göttingen und gebastelten Schützenhüten über den Spielplatz. Vorstand, Königspaar und Eltern feierten gemeinsam mit den KiTa-Teams. Als Geschenk überreichte die Einrichtung sogar einen großen Sonnenschirm für die Kinderbelustigung beim „großen“ Schützenfest. Ein Vorgeschmack auf das Jubiläum, der zeigte: In Liesborn wächst der Nachwuchs mit dem beliebten Brauchtum auf. Und passenderweise wurde an diesem Tag auch die frischgedruckte Jubiläumsfestschrift erstmalig zum Verkauf angeboten. Horrido! | Mehr dazu


Der offizielle Jubiläumsauftakt an Pfingsten
Am Pfingstsonntag, dem eigentlichen Gründungstag des Schützenvereins vor 75 Jahren, folgte der offizielle Startschuss ins Jubiläumsjahr. „Eine Feier unter uns, mit den Menschen, die den Verein tragen“, wie Oberst Ingo Grüter beim Dankgottesdienst in der Abteikirche heraustellte und dann eine mit gleich dreifachem Festcharakter: Pfarrer Martin Klüsener erinnerte augenzwinkernd daran, dass neben dem Vereinsjubiläum auch Pfingsten selbst und seine eigene Priesterweihe vor 22 Jahren Grund zum Feiern boten.


Beim anschließenden Empfang in der Kulturremise erinnerte der Vorsitzende Werner Tyrell an die Vereinsgründung 1950 im Saal Millentrupp. „Damals fragte Bürgermeister Wecker: ‚Sollen wir einen Verein gründen?‘ Und alle sagten: ‚Ja!‘“ Ein westfälischer Eichenbaum vom Hegering Liesborn-Diestedde als Präsent und das erste „König-der-Könige“-Schießen, das Fabian Frigge gewann, machten den Auftakt perfekt. | Mehr dazu
Die Rückkehr der Abteikirchen-Fahne


Im Juli hieß es dann: Schützenflagge zeigen! Die Schützenfahne flatterte nicht nur an KiTas und Grundschule (mehr dazu), sondern – als besondere Überraschung – auch wieder auf dem Turm der Abteikirche. Ein Jahr lang hatten Ehrenamtliche vom Schützenverein und Heimatverein an der Rückkehr des historischen Fahnenmastes gearbeitet. Ein technisches Meisterstück, das die Liesborner Firma Demandt realisierte. Als sich am Vorabend des Jubiläumswochenendes der Mast aus dem Turmfenster schob, ging ein Jubel durchs Dorf. „Vielleicht musste es ein Wunder geben – und vielleicht erleben wir gerade hier ein Wunder“, sagte Werner Tyrell mit Blick auf die Abteiturmkirchspitze. Spätestens jetzt war klar: Liesborn ist bereit für das große Fest. | Mehr dazu

Ein unvergesslicher Festumzug und strahlende Gesichter trotz Regenschauer
Der Jubiläumssonntag Anfang Juli wurde zum großen Höhepunkt der Feierlichkeiten. Schon am Vormittag ehrte der Verein im Refektorium der Abtei die Gründungsmitglieder Heinz Goldstein und Leo Nienaber für 75 Jahre Mitgliedschaft. Landrat Dr. Olaf Gericke schlug dabei den Bogen bis ins Jahr 1538, als der Abt erstmals Geld für ein Vogelschießen beisteuerte. Am Mittag formierte sich der große Sternmarsch: Schützen aus Liesborn und unzähligen Gastvereinen, Musikzüge aus nah und fern, Majestäten und Hofstaaten – ein festlicher Umzug, wie ihn das Liesedorf noch nicht erlebt hatte. In „Pastor’s Garten“ folgte ein Festakt mit Reden und Musik. MdB Henning Rehbaum (CDU) brachte eine Ehrentafel des von ihm gegründeten Parlamentskreises Schützenwesen mit. Zugleich kündigte er mehr politische Unterstützung für das Ehrenamt an: „Mit einer neuen Staatsministerin im Kanzleramt wollen wir das Ehrenamt stärken und Bürokratie abbauen – damit Feste wie dieses einfacher durchführbar bleiben.“ Die Kinderbelustigung, ein Festball und eine ausgelassene Stimmung rundeten den großen Festtag ab. | Mehr dazu







Der Schützenfestmontag begann traditionell mit Weckruf, Gottesdienst und Gedenken, bevor am Nachmittag das lang herbeigesehnte Vogelschießen anstand. Unter der Vogelstange lieferten sich Johannes Schulze Ahlke und Marvin Winkelnkemper ein packendes Duell. Mit dem 199. Treffer holte Winkelnkemper schließlich den Vogel aus dem Kugelfang und machte seine Königin Victoria Duffe zur Regentin im Jubiläumsjahr.
Trotz Regen setzte die Krönung in „Pastor’s Garten“ ein strahlendes Ausrufezeichen hinter die Festtage. | Mehr dazu
Ein Stück Vereinsgeschichte, das in Erinnerung bleiben wird
Für den 1. Vorsitzenden Werner Tyrell war das Jubiläum nicht nur ein Grund zum Feiern, sondern auch ein Stück Vereinsgeschichte, das in Erinnerung bleiben wird. Vor allem der Sonntag mit Festakt im Museum Abtei Liesborn und dem anschließenden Sternmarsch durchs Golddorf sei zum Höhepunkt geworden. Die Ehrungen der Gründungsmitglieder Heinz Goldstein und Leo Nienaber, die Ansprachen von Gästen wie Landrat Olaf Gericke, Bundestagsabgeordnetem Henning Rehbaum, Bürgermeister Christian Thegelkamp und Pastor Martin Klüsener hätten den Tag inhaltlich geprägt.




Im Schatten der Abtei, unter der wehenden Fahne auf dem Kirchturm, habe sich Liesborn von seiner besten Seite gezeigt: rund 1.300 Gäste, sieben Musikkapellen und elf Gastvereine füllten das Zelt, dazu die Ehrung des 1.000. Mitglieds – „das war wirklich etwas Besonderes“, so Tyrell. Viele Rückmeldungen hätten bestätigt, dass Liesborn mit der Organisation und der einmaligen Kulisse von Abtei und Museum „eine Benchmark gesetzt“ habe. (Anm. d. Red.: Unter einem „Benchmark“ versteht man einen Vergleichsmaßstab.).
Auch die weiteren Festtage seien gelungen: Vom traditionellen Abholen des Königspaares am Samstag über den Festball bis zum Montag mit Messe, Vogelschießen und Krönung in Pastors Garten. Dass Marvin Winkelnkemper und Viktoria Duffe am Ende als Königspaar im Jubiläumsjahr ermittelt wurden, passte ins Bild eines rundum gelungenen Festes. Tyrell hob besonders den Zusammenhalt hervor: „Durch das Anpacken vieler konnten wir das Fest so umsetzen, wie wir es uns vorgestellt haben.“ Die Unterstützung der Vereine (die Nutzung des Kühlhauses des Sportvereins oder die Hilfe der Romofunken und KJG bei der Kinderbelustigung) zeige, wie in Liesborn Gemeinschaft gelebt wird.
Ob Kindergartenfest, Fahnenhissen, Sternmarsch oder Krönung im Regen: Das 75-jährige Bestehen des Schützenvereins Liesborn zeigte eindrucksvoll, wie tief das Schützenwesen im Liesedorf verwurzelt ist. „Die lange und tolle Geschichte des Vereins enthält noch viele ungeschriebene Kapitel“, sagte der Wadersloher Schützen-Major Michael Bernzen stellvertretend für alle Schützenvereine der Großgemeinde in seiner Festrede am Schützenfestsonntag. Er wird ganz sicher Recht behalten! Auf die nächsten 75 Jahre, Schützenverein Liesborn. Horrido!
Fotos/Text: B. Brüggenthies
Schützenfest-ABC: Verlosung in Kooperation mit dem WOLL-Verlag
In Kooperation mit dem WOLL-Verlag verlosen wir anlässlich unserer Schützenfest-Retrospektive eine Ausgabe des Buchs „Das Schützenfest abc von Peter Menne und Augustin Upmann“. Was ihr dafür machen müsst? Schreibt uns bis zum 26. September 2025 eine Mail mit dem Betreff „SCHÜTZENFEST“ an info@mein-wadersloh.de und sagt uns, welches Schützenfest in der Großgemeinde Wadersloh euch am besten gefallen hat. Unter allen eingegangenen Einsendungen ermittelt der Zufallsgenerator eine/n Gewinner/in. Die Gewinnbenachrichtigung erfolgt schriftlich. Wir danken dem WOLL-Verlag für die freundliche Zurverfügungstellung des Buchs.
Und in der nächsten Folge: Schützenfest Lemkerholz-Lemkerberg (16.–18. August 2025); Teil 6/7
Fotos/Text: B. Brüggenthies




