Liesborn (mw/bb). Mit einem eindrucksvollen Fest feierte der Schützenverein Liesborn am Wochenende und auch noch am heutigen Montag sein 75-jähriges Bestehen. Schon an den ersten beiden Festtagen wurde das Dorf zum Schauplatz gelebter Tradition, einer bewegenden Ehrung zweier Gründungsmitglieder und von einem nie dagewesenen Sternmarsch unzähliger Schützenvereine aus der Region, um das besondere Jubiläum rund um die Abtei Liesborn gebührend zu feiern.
Feierlicher Auftakt im Festsaal des Museums Abtei Liesborn
Der Sonntagvormittag begann mit einem Festakt an geschichtsträchtigem Ort: Im Refektorium des Museums Abtei Liesborn empfing der Vorstand des Schützenvereins seine Ehrengäste. In seiner kurzen Rückschau erinnerte Werner Tyrell, Vorsitzender des Schützenvereins Liesborn, an die Gründung am 8. Juni 1950 und würdigte das Engagement der Gründungsgeneration: „Es ist nur 75 Jahre her, dass nach dem Wirbel des Krieges das Dorfleben durch die Gründung eines Vereins wieder aktiviert werden sollte.“
Mit besonderer Wertschätzung wurden zwei Männer geehrt, die diesen Weg von Anfang an begleitet haben: Heinz Goldstein und Leo Nienaber. „Heinz, du hast es so gut beschrieben, dass man bei einer Rettung des Vereins vielleicht Vergangenheit ruhen lassen muss, um etwas Neues aufzubauen. Und Leo, deine Schilderung vom ersten Vogelschießen mit Seilzug ist einmalig“, so Tyrell bei der Übergabe der Ordensspangen durch Königin Anke für 75 Jahre Mitgliedschaft.







Landrat Dr. Olaf Gericke unterstrich die historische Bedeutung des Ortes und die noch viel weiter zurückreichende Schützentradition: „Der Abt hat 1538 zum Vogelschießen 18 Schillinge dazugegeben. Was gibt es Schöneres, als in diesem Kloster zu feiern? Schützenfest, Tradition, Brauchtumspflege und Abtei Liesborn – das gehört zusammen.“ Besonders beeindruckt zeigte er sich von der neuen Vereinschronik: „Wie von Generation zu Generation diese Tradition weitergegeben wurde – das ist faszinierend. Gerade nach Corona ist es wichtig zu sehen: Der Verein lebt, er feiert.“
Sternmarsch und großer Festakt in „Pastors Garten“
Gegen 13 Uhr formierte sich das Bataillon zum Abholen der Majestäten Bernd (Drees) und Anke (Kleikemper) sowie des Silberkönigspaares Antonius und Annette (Gödde). Zusammen mit den Gastvereinen setzte sich anschließend der Sternmarsch in Bewegung, der in „Pastors Garten“ im großen Festakt mündete: Mit Musik, Majestäten, Hofstaaten und Vorständen aus allen Himmelsrichtungen sowie zahllosen Gästen.
Zahlreiche befreundete Schützenvereine und Musikkapellen kamen: der Cappeler Schützenverein, die Schützenbruderschaft St. Georg Göttingen, St. Ida Herzfeld, der Schützenverein Baccum-Münnigbüren, Bad Waldliesborn, Diestedde, Lemkerholz-Lemkerberg, St. Margarethen Wadersloh, St. Martin Benninghausen, Wadersloh-Geist sowie die St. Antonius Schützenbruderschaft Benteler. Für die musikalische Begleitung sorgten die Feuerwehrkapelle Liesborn, der Spielmannszug Beckum-Roland, der Spielmannszug Göttingen, das Fanfarencorps Wadersloh, der Musikverein Mastholte, der Lipperoder Spielmannszug und der Spielmannszug Benteler. Ein nahezu rekordverdächtiges, buntes Bild voller Schützenfest-Menschen vor historischer Abteikulisse.
















Es folgten Festreden vom Vereinsvorstand, Bürgermeister Thegelkamp, Landrat Dr. Gericke und weiteren. Der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Rehbaum würdigte das Schützenwesen als Fundament gesellschaftlichen Zusammenhalts: „Was steht mehr für Zusammenhalt als das Schützenwesen? Hier ist wirklich jeder willkommen.“ Rehbaum brachte eine Ehrentafel des von ihm gegründeten Parlamentskreises Schützenwesen mit. Zugleich kündigte er politische Unterstützung für das Ehrenamt an: „Mit einer neuen Staatsministerin im Kanzleramt wollen wir das Ehrenamt stärken und Bürokratie abbauen – damit Feste wie dieses einfacher durchführbar bleiben.“
Der Wadersloher Schützen-Major Michael Bernzen erinnerte an die Entstehungszeit des Vereins im Jahr 1950, in einer Phase des Wiederaufbaus. „Das Jahr 1950 war in Deutschland und weltweit geprägt von einer Zeit des Wiederaufbaus und des Kalten Krieges. […]. Die soziale Marktwirtschaft ließ in der Bundesrepublik das Wirtschaftswunder beginnen.“ In genau dieser Zeit sei in Liesborn der Schützenverein aus der Taufe gehoben worden. „Es waren damals Männer, die von einer Idee begeistert waren. Ihr Ziel war es, eine gemeinsame Sache unter das Volk zu bringen. Es waren Menschen, die sich in dieser Situation der Demokratie verpflichtet fühlten. Es waren Menschen, die Brauchtum pflegen wollten. Kurzum, es waren Menschen mit Standpunkt, Haltung und guten Zielen.“



Mit Blick auf das heutige Vereinsleben sagte Bernzen: „Ihr seid ein besonderer Verein und sollt Gemeinschaft der Schützenvereine. Ein Verein, der es bis zur Steubenparade geschafft hat.“ Besonders hob er die Vielfalt und Offenheit in Liesborn und mit einem Augenzwinkern ergänzte er: „Im Übrigen ist eure Königin eine waschechte Wadersloherin. Rivalität kann ich bei uns nicht erkennen, maximal unter beiden Fußballmannschaften. Wie unter guten Freunden üblich erlaubt, sagen wir: Die Herzlichkeit unserer Beziehung lässt manchmal ein kleines Lächeln auf Kosten des anderen zu.“ Zum Schluss blickte er nach vorn: „Die lange und tolle Geschichte des Liesborner Schützenvereins enthält noch viele ungeschriebene Kapitel.“
Im Anschluss zogen die Schützen zum Festplatz, wo ein buntes Programm mit Kinderbelustigung, Musik und Tanz wartete. Die Krönung des Kinderschützenpaars und der abendliche Festball bildeten den krönenden Abschluss eines bewegenden Haupttages des Jubiläumsschützenfestes im Liesedorf. Die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen machten eines besonders deutlich: Der Schützenverein Liesborn ist ein lebendiges Stück Dorfidentität, ein Ort für Gemeinschaft und generationsübergreifendes Miteinanders. Das zeigt auch die emotionale Reaktion vieler Liesborner auf den neu installierten Fahnenmast mit Schützenfahne (MW berichtete). Die nächsten 75 Jahre können kommen. Horrido!








So klingt das Schützenfest am Montag aus
Der Montag beginnt traditionsgemäß mit dem Weckruf, Gottesdienst und Gedenken am Ehrenmal. Nach dem gemeinsamen Frühstück im Festzelt folgte das große Vogelschießen, begleitet von der Feuerwehrkapelle Liesborn und von viel Spannung im Publikum: Wer tritt die Nachfolge vom Schützenkönigspaar Bernd udn Anke an? Am Nachmittag (17 Uhr) wird das neue Königspaar proklamiert und in einem feierlichen Akt im „Pastors Garten“ gekrönt. Der abschließende Krönungsball mit Gastvereinen, Tanz und Polonaise bildet den Abschluss des Jubiläums-Schützenfestes.
Fotos/Text: B. Brüggenthies



