Wadersloh/Oelde (mw/bb). Es sind oft die kleinen Maßnahmen, die den Unterschied machen: Rote Fahrradfurten, Piktogramme auf der Fahrbahn oder Schutzstreifen kosten vergleichsweise wenig, können aber das kostbare Leben schützen. Umso ernüchternder ist der Blick nach Wadersloh. Vor rund einem halben Jahr setzte sich eine Bürgerinitiative aus Wadersloh dafür ein, im Gemeindegebiet Fahrradpiktogramme anzubringen und so die Sicherheit für Radfahrerinnen und -fahrer zu erhöhen. Seitdem ist wenig passiert. Umso bemerkenswerter ist der Blick in die Nachbarschaft: In Sünninghausen sorgt seit einigen Wochen in rund 1,5 Kilometer langer Schutzstreifen entlang der Ortsdurchfahrt für mehr Sicherheit. Ein klares Signal an alle Verkehrsteilnehmenden: Hier sind Menschen auf dem Fahrrad unterwegs! Das gefällt nicht nur dem Autor dieser Zeilen, der als radelnder Reporter unterwegs ist.
Gerade die Verbindung zwischen Diestedde und Sünninghausen zeigt, wo die Probleme liegen. Der Lückenschluss des Radwegs war 2021 ein wichtiger Schritt. Doch ausgerechnet innerorts endet der Radweg abrupt. Wer weiterfahren will, muss auf die Fahrbahn wechseln, oft genau dort, wo Autofahrer beschleunigen oder nicht mit Radverkehr rechnen. Solche Situationen gibt es in Wadersloh leider an vielen Stellen. Z.B. die Winkelstraße, der Ortseingang Wadersloh (Diestedder Straße), der Ortseingang Liesborn, alles rund um das Liesborner Holz, die Abb. Geisterfeld auf die Diestedder Straße zum Gloria-Knapp hoch, die Göttinger Straße nach Herzfeld und viele viele mehr).
Hinzu kommt der Zustand zahlreicher Radwege: Schlaglöcher, Wurzelaufbrüche und schadhafte Beläge machen das Radfahren zunehmend unattraktiv und teilweise sogar gefährlich. Gleichzeitig lässt die Umsetzung des Mobilitätskonzepts weiter auf sich warten. Der Eindruck drängt sich auf, dass der Radverkehr zwar politisch gewollt ist, bei den Investitionen aber regelmäßig das Nachsehen hat.
Dabei steigt die Bedeutung des Fahrrads stetig: Die Gemeinde Wadersloh bietet ja schon seit Jahren mit WEBIKE einen E-Bike- und Lastenradverleih (letztere sogar kostenlos!) an. Immer mehr Menschen steigen im Alltag aufs Rad, und Aktionen wie das „Stadtradeln“ (sollen) zeigen, dass das Interesse groß ist. Wer dieses Engagement ernst nimmt, muss allerdings auch für eine sichere Infrastruktur sorgen.
Unsere Nachbarkommunen machen vor, wie es geht. In Oelde gehören Fahrradstraßen und Schutzmarkierungen längst zum Stadtbild. Auch in Rheda-Wiedenbrück weisen Piktogramme und rote Fahrbahnmarkierungen auf den Radverkehr hin. Sogar in Beckum ist man sicher unterwegs. Das erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern zeigt auch Wertschätzung gegenüber allen, die klimafreundlich unterwegs sind. Chapeau!
Bei uns in Wadersloh dagegen wurde sogar die Möglichkeit abgeschafft, Schäden an Radwegen unkompliziert zu melden (dafür gab es beim jährlichen „Stadtradeln“ einen eingebauten Mängelmelder, der regelmäßig nicht funktioniert). Gerade wer täglich mit dem Fahrrad unterwegs ist, kennt die zahlreichen Problemstellen: Von schlechten Wegeverbindungen bis zu Straßen, auf denen zu schnell gefahren und der vorgeschriebene Überholabstand häufig missachtet wird. Dieser beträgt innerorts eineinhalb Meter und außerorts zwei Meter Sicherheitsabstand. Richtig gelsen: Nicht Zentimeter, sondern Meter). Hinzu kommen „neue“ Verkehrsteilnehmende wie die E-Scooter (bitte maximal mit einer Person und nicht im Doppelpack benutzen), die den Bedarf an klaren und sicheren Verkehrsflächen in unseren Wadersloher Ortsteilen zusätzlich erhöhen.
Auch auf der Göttinger Straße zwischen Liesborn und Herzfeld besteht seit Jahren Handlungsbedarf. Bürgerinnen und Bürger fordern dort schon lange mehr Sicherheit, etwa durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung oder begleitende Radverkehrsanlagen. Wer die Strecke mit dem Fahrrad nutzt, weiß schnell, warum. Unlängst noch getestet: Prädikat besonders lebensgefährlich!
Familien mit Fahrradanhängern, Berufspendler, Seniorinnen und Senioren oder Freizeitradler teilen sich die Straßen. Sie alle haben ein Recht darauf, sicher ans Ziel zu kommen. Darum liebe Kommualpolitik: Die Sommerpause darf keine Pause für die Verkehrssicherheit sein. Wadersloh, Diestedde und Liesborn brauchen nicht nur weitere Konzepte, sondern endlich sichtbare Verbesserungen.
Foto/Text: B. Brüggenthies


