Wadersloh (mw/bb). Im geplanten „Wohnpark Mauritz“ in Wadersloh könnten künftig Straßen nach prägenden Persönlichkeiten der deutschen Politik benannt werden. Einen entsprechenden Antrag hat ein Bürger an Bürgermeister und Rat der Gemeinde gerichtet. Der Antrag soll in naher Zukunft im Ausschuss für Schule, Kultur und Sport beraten werden. Obwohl bis zur Errichtung des ersten Hauses in dem Neubaugebiet noch einige Zeit verbleibt, könnte sich sich der zuständige Fachausschuss bereits zeitnah mit der Vergabe von Straßennamen befassen. Der Antragsteller regt an, dabei bedeutende Politikerinnen und Politiker der deutschen Zeitgeschichte zu berücksichtigen. Ganz konrekt geht es um die Persönlichkeiten Dr. Elisabeth Selbert (SPD), Dr. Helmut Kohl (CDU) und Prof. Dr. Rita Süßmuth (CDU).
Elisabeth Selbert war Mitglied des Parlamentarischen Rates und gilt als eine der „Mütter des Grundgesetzes“. Ihr ist maßgeblich die Verankerung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern in Artikel 3 des Grundgesetzes zu verdanken. Später gehörte sie dem Hessischen Landtag an.
Darüber hinaus bringt der Antragsteller eine „Helmut-Kohl-Straße“ ins Gespräch. Helmut Kohl war von 1982 bis 1998 Bundeskanzler und gilt als Kanzler der deutschen Einheit. Für seine Rolle im europäischen Einigungsprozess wurde er zum Ehrenbürger Europas ernannt.
Mit Blick auf die lokale Verbindung schlägt der Bürger zudem vor, eine Straße nach der am 1. Februar verstorbenden Rita Süssmuth zu benennen. Die in Wadersloh aufgewachsene Politikerin war Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit sowie Präsidentin des Deutschen Bundestages. Während der AIDS-Krise setzte sie sich für eine sachliche Aufklärung und Prävention ein.

Der Rat der Gemeinde wird nun darüber beraten, ob und in welcher Form die vorgeschlagenen Namen im Wohnpark Mauritz Berücksichtigung finden. Entscheidungen über Straßennamen werden in der Regel im zuständigen Ausschuss vorbereitet und anschließend vom Rat beschlossen.
Der Heimatverein Wadersloh plädiert für eine andere Benennung
Gutgemeint ist sie ja, die Benennung nach Politikerinnen und Politikern der jüngeren Zeitgeschichte. Aber etwas verwunderlich ist, dass die Gemeindeverwaltung kurzfristig den Tagesordnungspunkt der Straßennamensfindung im Ausschuss für Schule, Kultur und Sport am 10. Februar kurzfristig nicht beraten hat. Der Heimatverein Wadersloh plädierte in einem dort ursprünglich zu beratenden Antrag für drei gänzlich andere Straßenbezeichnungen für den Wohnpark. Und wurde im Vorfeld von der Gemeindeverwaltung genau um eine Einordnung gebeten. Der Heimatverein hat vorgeschlagen:
- Veilereck (oder Veilerweg): Ein historischer Flurname, der eine alte Siedlungsbezeichnung im Gebiet widerspiegelt, die teilweise bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht und vielen Anwohnern noch geläufig ist.
- Heymann-Straße: Zu Ehren der Hamburger Frauenrechtlerin Lida Gustava Heymann, die Ende des 19. Jahrhunderts Pionierarbeit im Frauenwahlrecht und sozialen Engagement geleistet hat und damit ein historisch relevantes Thema aufgreift.
- Kiebitzweg: Mit direktem Bezug zur regionalen Natur: Der Kiebitz sei ein charakteristischer Vogel der münsterländischen Kulturlandschaft, dessen Bestände rückläufig sind. Der Name könnte zugleich ein Zeichen für lokalen Naturschutz setzen.
Kommentar: Warum diese Heimatvereins-Vorschläge als bessere Wahl gelten könnten
Die vorgeschlagenen Namen des Wadersloher Heimatvereins greifen lokale Geschichte, kulturhistorische Bezüge und Naturthemen auf, die vielen Bewohnern vertraut sind. Sie vermeiden eine Fokussierung auf (über-) regionale Politikerinnen und Politiker und setzen stattdessen auf Identifikation mit dem Ort und Naturschutz. Eine Identifikation mit dem Ort würde freilich auch auch Prof. Süßmuth zutreffen, deren Lebensgeschichte bekanntermaßen mit unserem Heimatort Wadersloh verknüpft ist. Aber genau hier könnte sich die Gemeinde selbst im Wege stehen: Gemäß eines Grundsatzbeschluss des Hauptausschusses aus dem Jahr 2014 soll von der Benennung nach Persönlichkeiten aus der Gemeinde grundsätzlich abgesehen werden soll, außer sie sind seit mindestens 30 Jahren verstorben. Somit dürfte die „Rita-Süssmuth-Straße“ erst 2056 kommen. Das ist sicher Auslegungssache und müsste dann irgendwann von den Kommunalpolitikern entschieden werden. . Aber noch ist ja nichtmal der erste offizielle Spatenstich erfolgt.
Symbolbild: mw/bb.


