Wadersloh (mw/bb). Ein historischer Schritt, getragen von Einigkeit und überraschend großer Resonanz: Nach 162 Jahren reiner Männertradition hat der Schützenverein Wadersloh mit Wirkung zum Jahreswechsel seine Satzung geändert und ermöglicht Frauen nun offiziell die Mitgliedschaft. Was lange diskutiert, vorbereitet und schließlich einstimmig beschlossen wurde, stieß am Freitagabend beim ersten Informations- und Austauschabend im Schützenheim am Freudenberg auf überwältigendes Interesse.


„Damit haben wir wirklich nicht gerechnet“, räumte der Vorsitzende Rudolf Vienenkötter sichtlich bewegt ein. Statt der erwarteten 40 Teilnehmerinnen folgten rund doppelt so viele interessierte Damen der Einladung. Eine rekordverdächtige Beteiligung, wie der Major und zweite Vorsitzender Michael Bernzen betonte. Die Freude über den Zuspruch war so groß, dass die Getränke an diesem Abend auf Kosten des Schützenvereins gingen. Horrido!
Einstimmige Entscheidung und eine klare Haltung
Die Satzungsänderung war am 25. Oktober 2025 einstimmig beschlossen worden, der offizielle Stichtag war der 1. Januar 2026. Bereits unmittelbar nach dem Beschluss gingen 20 Anträge von Frauen ein. Zu beginn des Infoabends waren es bereits 43. Am Ende wohl schon um die 80 (genaue Zahlen hatte der Schützenverein aufgrund der Anmeldeflut noch nicht öffentlich bekannt gemacht). Rudolf Vienenkötter gab offen und ehrlich zu, dass der Schützenverein bei der Öffnung „etwas träge“ gewesen sei. Gleichwohl sei die Integration von Frauen in den Verein und künftig in den Vorstand schon länger als sinnvolle und notwendige Verstärkung gesehen worden. Erste positive Erfahrungen hatte man bereits im Vorjahr gesammelt, als Frauen erstmals bei den Jubiläumsfeierlichkeiten der Jubilarkompanie der „Fünfzigjährigen“ teilnehmen konnten. Die Resonanz bestärkte den Vorstand, den nächsten Schritt zu gehen.
Prominente Unterstützung aus den eigenen Reihen
Dass dieser Abend mehr war als eine formale Informationsveranstaltung, zeigte die hochkarätige Unterstützung: Das amtierende Königspaar Ralf Heitvogt und Constanza Galliwar war anwesend, ebenso mehrere weibliche Majestäten aus den Ortsteilen. So begrüßte man unter anderem Valerie Klose, Schützenkönigin aus Wadersloh-Geist, sowie Königin Jasmin Winkelhorst aus Liesborn-Göttingen.

Auch Königin Constanza Galli zeigte sich erfreut. Ein besonderer Moment des Abends war die Auslosung am Ende des Infoabends. Constanza Galli bestimmte das erste weibliche Vereinsmitglied: Unter den 20 ersten Anträgen, die zeitlich nicht eindeutig zugeordnet werden konnten, zog die Königin als Glücksfee den Namen Janine Rembeck. Sie ist damit offiziell das erste weibliche Mitglied in der 162-jährigen Geschichte des Vereins. Übrigens mit royaler Erfahrung: Sie war an der Seite von Philipp Möllers Wadersloher Kolpingkönigin 2024/25.

Damenkompanie mit Eigenständigkeit
Mit rund 1.400 Mitgliedern gehört der Schützenverein Wadersloh zu den größten in der Region. Künftig wird nun also eine eigenständige Damenkompanie Teil der Struktur sein. Der Wunsch nach der Bezeichnung „Damenkompanie“ fand breite Zustimmung. Dabei soll sich die neue Kompanie sowohl organisatorisch als auch optisch am Hauptverein orientieren. In der Diskussion zeichnete sich für die Kleiderordnung eine schwarz-weiße Lösung ab. Wichtig war den Beteiligten, die Kosten für die Uniformen überschaubar zu halten und eine niedrige Einstiegshürde für Damen jeden Alters zu schaffen.
Geplant ist, dass die Damenkompanie eigenständig agiert: mit einer auf sechs Jahre gewählten Kompanieführerin und, je nach Größe, weiteren Offizierinnen. Selbstverständlich werden die Frauen am Kompanieschießen, am Vereinspokal sowie an Wettbewerben teilnehmen. Auch beim Antreten soll die neue Kompanie geschlossen auftreten. Offene Fragen, etwa zum künftigen Treffpunkt, sollen in enger Abstimmung geklärt werden – wobei der Wunsch geäußert wurde, hier auch die heimische Gastronomie einzubinden.
Schützenverein Wadersloh ist mehr als „Drei Tage Schützenfest im Jahr“
Bei der Info-Veranstaltung wurde deutlich: Der Schützenverein Wadersloh versteht sich nicht allein als Veranstalter eines dreitägigen Schützenfestes, sondern als ganzjährig aktiver Traditionsverein mit gesellschaftlicher Verantwortung. Die neue Damenkompanie wird künftig aktiv zum Vereinsleben beitragen. Die große Resonanz des Abends zeigt: Der Schritt war überfällig und wird mit großer Begeisterung angenommen. Was 162 Jahre lang Männerdomäne war, entwickelt sich nun zu einer zeitgemäßen, offenen Gemeinschaft.










Die erste „offizielle“ Zusammenkunft der neuen Damenkompanie findet am 13. März um 20 Uhr bei Berlinghoff statt. Dann beginnt die praktische Umsetzung dessen, was an diesem Abend deutlich wurde: Der Verein steht für einen Aufbruch mit Tradition – und mit einer Zukunft, bei der Frauen künftig eine gleichberechtigte Rolle spielen.
Fotos/Text: B. Brüggenthies


