Neuss/Wadersloh (mw/bb). Prof. Dr. Rita Süssmuth ist am gestrigen Sonntag, dem 1. Februar 2026, im Alter von 88 Jahren verstorben. Mit ihrem Tod verliert die Bundesrepublik Deutschland eine der profiliertesten und einflussreichsten Politikerinnen (CDU) der Nachkriegszeit. Einen Teil ihrer Kindheit und Jugend verbrachte sie in Wadersloh, eine Zeit, die sie nach eigener Aussage nachhaltig geprägt hat.
Über Jahrzehnte hinweg prägte sie das politische Leben des Landes in führenden Ämtern, unter anderem als Bundesministerin und als Präsidentin des Deutschen Bundestages. Ihr Wirken war gekennzeichnet von klaren gesellschaftspolitischen Positionen, großem Engagement für Gleichberechtigung und einem stetigen Einsatz für Dialog und Verständigung über Parteigrenzen hinweg. In einem Nachruf erinnert der Bundestagsabgeordnete Henning Rehbaum an seine Parteikollegin Prof. Dr. Rita Süssmuth, als eine der prägenden Politikerinnen der Bundesrepublik Deutschland.
Der Nachruf von H. Rehbaum im Wortlaut:

Abschied von einer bedeutenden Politikerin der Bundesrepublik
„Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Rita Süssmuth, einer außergewöhnlichen Christdemokratin und einer der prägenden Persönlichkeiten der Bundesrepublik Deutschland. Ihr Tod am zurückliegenden Sonntag, den 1. Februar 2026, erfüllt viele von uns mit tiefer Trauer und großer Anerkennung für ihr politisches Vermächtnis.
Einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend verbrachte die Professorin für Erziehungswissenschaften in Wadersloh. Ihre positiven Erinnerungen an diese Zeit haben sie für ihr Leben geprägt. Als typische Westfälin hat sie gezeigt, dass es Stärke bedeutet, ohne Polemik auch unbequeme Positionen zu vertreten, wenn sie aus innerer Überzeugung und Verantwortung erwachsen. Gerade in gesellschaftspolitischen Fragen hat sie unsere Partei vorangebracht und sich früh mit viel Herzblut für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern eingesetzt.
Zehn Jahre lang, von 1988 bis 1998, stand die parteiübergreifend anerkannte Christdemokratin als Bundestagspräsidentin an der Spitze des Parlaments. In diesem Amt hat sie, ebenso wie als Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit, Maßstäbe gesetzt: durch Haltung, durch Mut zur Debatte und durch die feste Überzeugung, dass Fortschritt und christlich-soziale Verantwortung zusammengehören. Sie hat Brücken zwischen Generationen, zwischen politischen Lagern, zwischen Überzeugung und Pragmatismus gebaut.
Auch fernab der großen Bonner und Berliner Bühne wirkte ihr politisches Erbe. Ihre klare Position zu Bildung, Gleichberechtigung, Ehrenamt und gesellschaftlichem Zusammenhalt fand und findet auch heute noch Resonanz. 2010 wurde die Bundestagspräsidentin a.D. mit dem Ehrensiegel der Gemeinde Wadersloh ausgezeichnet. Rita Süssmuths moderne, klare Haltung hat mich bei einem persönlichen Treffen im Jahr 2023 in Berlin sehr berührt. Sie hinterlässt in der CDU, im Deutschen Bundestag und in unserer politischen Kultur eine große Lücke. Ihr Vermächtnis wird uns Verpflichtung und Ansporn zugleich sein.
Unsere Gedanken sind bei ihrer Familie und allen, die ihr nahestanden.
In dankbarer Erinnerung“
Henning Rehbaum, 2. Februar 2026

