Wadersloh (mw/bb). Wo früher Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Realschule ihre Pausen verbrachten, entstehen derzeit neue Perspektiven für die Zukunft des Wohnens in Wadersloh. Auf dem weitläufigen Areal am Schulkamp/Langenberger Straße nahe des Wadersloher Ortskerns wächst das Wohnquartier Rosenhöhe. Das Projekt soll nicht nur zusätzlichen Wohnraum schaffen, sondern auch mehr soziale Teilhabe ermöglichen. | MW traf die Verantwortlichen vor Ort zum Interview.
Insgesamt sechs Mehrfamilienhäuser sind hier vorgesehen. Zwei Gebäude mit 25 Wohnungen entstehen im Rahmen des öffentlich geförderten Wohnungsbaus durch die Bau- und Wohnungsgenossenschaft Wadersloh (BWG). Doch das Besondere verbirgt sich in einem weiteren Bau: einem Wohnhaus, das speziell für Menschen mit Beeinträchtigungen geplant wurde. Die St. Vincenz-Gesellschaft aus Ahlen bringt dabei ihr langjähriges Fachwissen ein und ist erstmals als Projektpartner in der Gemeinde Wadersloh dabei.
Das Gebäude, „Haus F“ genannt, wird über zwölf barrierefreie Ein-Personenwohnungen verfügen – zwei davon rollstuhlgerecht. Doch was die Verantwortlichen besonders betonen: Es handelt sich nicht um ein klassisches Wohnheim, sondern um ein Zuhause für Menschen, die ihr Leben weitgehend eigenständig gestalten möchten. „Wir schaffen Wohnraum für Menschen, die trotz ihrer Einschränkungen vieles selbst regeln können, aber bei Bedarf punktuelle Unterstützung erhalten“, erklärt Christian Rößing, Fachbereichsleiter Ambulante Dienste der St. Vincenz-Gesellschaft.
Das Herzstück wird ein Quartierstreff
Ein zentrales Element des Konzepts ist der Quartierstreff, der weit über die Hausgemeinschaft hinaus gedacht ist. Er soll Leben ins Quartier bringen. Als Begegnungsort für Bewohnerinnen und Bewohner ebenso wie für Nachbarn, Vereine und Interessierte. „Hier können Menschen einfach vorbeischauen, ob zum Spielen, Kochen oder Kaffeetrinken. Unser Ziel ist es, niedrigschwellige Sozialkontakte zu ermöglichen“, so Rößing. Gerade für diejenigen, die sich sonst nicht ohne Weiteres in die Öffentlichkeit trauen, soll der Treffpunkt eine Tür zur Gemeinschaft öffnen.



Auch die Bau- und Wohnungsgenossenschaft hebt diesen Mehrwert hervor. „In Wadersloh fehlte es bislang an Angeboten für Menschen mit Beeinträchtigung und an barrierefreien Räumlichkeiten. Das hat auch eine Sozialraumanalyse gezeigt“, erläutert BWG-Vorstand Werner Tyrell. Der Quartierstreff solle diesen weißen Fleck schließen und den Ort auch zu einem Zentrum der Begegnung machen.
Ergänzt wird der Treff durch einen Bereich für sogenannte tagesstrukturierende Maßnahmen. Dieser Raum soll mit Materialien, Sitzmöglichkeiten und Medien ausgestattet sein und bietet Platz für Gruppenangebote oder kleinere Familienfeiern. So entsteht eine Mischung aus Wohnraum, professioneller Unterstützung und gemeinschaftlichem Leben.
Gute Zusammenarbeit von Anfang an
Die Wurzeln des Projekts reichen mehrere Jahre zurück. Seitdem planen die Vertreter der BWG und der St. Vincenz-Gesellschaft die Realisierung der Idee. Schnell war klar: Wadersloh, am Rand des Kreises Warendorf gelegen, braucht einen verlässlichen Träger mit Erfahrung, um ein solches Projekt erfolgreich umzusetzen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) suchte gezielt nach einem Träger aus der Region, der das nötige Know-how mitbringt. Mit der Verbindung von stationären und ambulanten Angeboten bringt die St. Vincenz-Gesellschaft diese Erfahrung mit.
Die politische Unterstützung in der Gemeinde Wadersloh war von Anfang an gegeben. „Der politische Wille war da“, erinnert sich BWG-Vorstand Stefan Schnitker. Die Idee, die ehemalige Schulanlage in ein modernes Quartier zu verwandeln, wurde schnell von Verwaltung und Gemeinderat mitgetragen. Die geplante „Promenade“ rund um die Gebäude knüpft symbolisch an den einstigen Schulhof an. Sie soll künftig als Verbindungsweg zwischen Häusern und Nachbarschaften dienen.
Fertigstellung zum Jahreswechsel 2025/2026
Trotz einer Bauverzögerung von rund vier Monaten, verursacht durch anhaltende Regenfälle zu Beginn der Arbeiten, liegen die Projektpartner im Zeitplan. „Haus F“ soll im Dezember 2025 fertiggestellt werden, ein weiteres Gebäude („Haus E“) folgt Anfang 2026. Die Vergabe der Wohnungen erfolgt teils über den Kreis, teils über Vereinbarungen zwischen BWG und St. Vincenz-Gesellschaft.
Für beide Partner ist klar: Mit dem neuen Wohnangebot wird ein bedeutender Schritt zur inklusiven Teilhabe in Wadersloh getan. „Hier kann man gut wohnen, aber zugleich entsteht ein Treffpunkt für viele weitere Angebote“, fassten die Verantwortlichen zusammen. Rößing zusammen.

Interessierte zukünftige Klientinnen und Klienten sowie deren Angehörige können sich schon jetzt für das Angebot beim Ambulant Betreuten Wohnen der St. Vincenz-Gesellschaft melden. Ansprechpartner ist Christian Rößing, Fachbereichsleiter der Ambulanten Dienste, Tel. 0 23 82/760 58 95, E-Mail: christian.roessing@svg-ahlen.de. Dort können sich gern auch Interessierte als künftige Mitarbeitende bewerben.
Hintergrund: Die St. Vincenz-Gesellschaft
Die St. Vincenz-Gesellschaft mbH mit Sitz in Ahlen ist eine Tochtergesellschaft der St. Franziskus-Stiftung Münster und seit vielen Jahren fester Bestandteil der Behindertenhilfe im Kreis Warendorf. Sie bietet ambulante und stationäre Wohn- und Betreuungsangebote für erwachsene Menschen mit geistiger, mehrfacher oder psychischer Behinderung sowie für chronisch Suchtkranke. An den Standorten Ahlen, Beckum, Ennigerloh, Warendorf, Sendenhorst, Drensteinfurt (ab Herbst 2025) und Neubeckum betreibt die Gesellschaft Wohneinrichtungen, die durch tagesstrukturierende Maßnahmen ergänzt werden.
Darüber hinaus unterhält sie Pflegeabteilungen für Menschen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf sowie ambulant betreutes Wohnen und familienunterstützende Dienste. Mit dem St. Vincenz-Berufskolleg in Ahlen trägt die Gesellschaft zudem zur Ausbildung von Fachkräften in der Heilerziehungspflege und Sozialassistenz bei. Mit dem Engagement in Wadersloh weitet die St. Vincenz-Gesellschaft nun ihr Angebot auf den Randbereich des Kreises aus – und setzt ein starkes Zeichen für inklusive Teilhabe in der Region. | Webseite mit weiterführenden Infos (externer Link)
Fotos/Text: B. Brüggenthies, zus. Quelle: St. Vincenz-Gesellschaft


