Wadersloh (mw/bb). Die Kommunalwahl in Wadersloh hat die politische Landschaft spürbar verändert. Während die CDU mit 48,68 Prozent trotz leichter Verluste ihre Stellung als stärkste Kraft behauptet, musste die FWG Einbußen hinnehmen, bleibt aber zweitstärkste Fraktion. Die SPD verzeichnet mit minus 7,42 Prozentpunkten das deutlichste Minus und landet hinter der AfD, die mit einem massiven Stimmenzuwachs von über neun Prozent nun drittstärkste Partei im Rat ist. Erstmals angetreten, erreichten die Grünen auf Anhieb knapp zehn Prozent und ziehen mit drei Sitzen in den Gemeinderat ein. Die FDP sichert sich nur noch ein Mandat und verliert somit den Status als Fraktion.
Entsprechend vielschichtig fielen die Reaktionen der Parteien aus: Die CDU wertet das Ergebnis als Bestätigung ihrer Arbeit und kündigt konstruktive Zusammenarbeit mit den demokratischen Kräften an. Die FWG zeigt sich zufrieden mit ihrer Rolle als zweitstärkste Fraktion und setzt auf konkrete Projekte vor Ort. Die SPD reagiert enttäuscht und fordert eine stärkere Kooperation der demokratischen Parteien gegen eine mögliche Dominanz der AfD. Diese wiederum feiert ihr Ergebnis als Erfolg und kündigt eine scharfe Oppositionsrolle an. Die Grünen sehen ihren Wahlantritt als Vertrauensvotum und wollen die Themen Jugendbeteiligung, Bürgerbudget und Klimaschutz mit Nachdruck vorantreiben.



Anm. d. Red.: Zwischen Thorsten Gövert (CDU) und Alexandra Essel (FWG) gibt es aufgrund einer Stimmgleichheit erstmalig in der Gemeindegeschichte einen Losentscheid im Wahlbezirk 10. Die Entscheidung fällt am heutigen Dienstagabend (16. September) beim Wahlausschuss.
MW hat die Parteien um ein kurzes Statement nach der Kommunalwahl 2025 gebeten
Reihenfolge entsprechend der eingegangenen Rückmeldungen
SPD: Anne Claßen (Vorsitzende SPD-Ortsverein Wadersloh)
Für die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Wadersloh, Anne Claßen, ist das Ergebnis der Kommunalwahl nicht zufriedenstellend. Die Stimmung sei gedrückt: „Wir hatten zwar damit gerechnet, Stimmen zu verlieren, da mehr Parteien auf dem Wahlzettel standen als bei der letzten Kommunalwahl, aber dass die AfD mehr Zustimmung bekommt als wir, schockiert uns“, so Claßen.
An den zahlreichen Infoständen sei immer eine gute Stimmung wahrgenommen worden. „In Sachen Engagement sind wir überzeugt: Mehr ging nicht.“ Einen Erklärungsansatz für den Verlust an Wählerstimmen sieht man bei der SPD in Wadersloh in dem Bundestrend: „Die SPD wird leider nicht mehr so wahrgenommen, wie sie mal war. Die breite Mitte fühlt sich nicht mehr gesehen, weil es in der öffentlichen Diskussion nur noch um Randgruppen geht.“
Im Ausblick auf die künftige Arbeit vor Ort sagt Anne Claßen: „Was künftig nicht passieren darf, ist, dass wir nur mit Stimmen der AfD eine Mehrheit für unsere Anliegen finden. Das macht umso mehr eine Zusammenarbeit aller demokratischen Parteien erforderlich. Das muss noch mehr intensiviert werden.“
FWG: Heino Teckentrup (Vorsitzender FWG Wadersloh)
Heino Teckentrup zeigt sich mit dem grundsätzlichen Abschneiden der Freien Wählergemeinschaft in Wadersloh, Diestedde und Liesborn zufrieden: „Wir freuen uns, dass wie weiterhin die zweitstärkste Kraft in der Gemeinde Wadersloh sind. Wir hoffen, dass wir am Dienstag etwas Losglück haben und Alexandra Essel das Direktmandat bekommt, denn dann hätten wir wieder unsere sechs Sitze im Rat. Nach außen wäre auch ein gutes Signal. Dass die SPD geschockt ist, können wir verstehen. Die haben sich sehr angestrengt im Vorfeld, während die AfD sehr anonym agierte. Auch für die FDP tut es uns leid, dass nur noch ein Mandat errungen werden konnte. Als FWG sind wir auch sehr froh, dass Bürgermeister Christian Thegelkamp ein so starkes Ergebnis erzielt hat. Das brauchen wir bei der künftigen Konstellation des Gemeinderats“, so Teckentrup.
Für die Aufnahme der kommunalpolitischen Arbeit gibt es bereits Pläne: „Wir werden gemäß unserem Wahlprogramm weiterhin versuchen, die Bürgerbelange gut umzusetzen. Wir haben viele junge FWG‘ler, die sich sehr stark engagiert haben. Unsere Stellung als zweitstärkste Fraktion werden wir weiter dazu nutzen, uns für das Wohl der Bürgerinnen und Bürger in der Gemeinde Wadersloh einzusetzen. Schnell umsetzen möchten wir unter anderem das Projekt Wetterschutzhütte an der Hundewiese und die Anschaffung einer Fahrrad-Rikscha, insbesondere für die Älteren„, so Teckentrup.
AfD: Dr. Christian Blex (Sprecher AfD Kreisverband Warendorf)
Als Sprecher des AfD Kreisverbandes kommentierte Dr. Christian Blex den Wahlausgang in Wadersloh wie folgt:
„Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis in der Gemeinde Wadersloh. Als drittstärkste Partei im Rat werden wir uns für die Belange der Bürger einsetzen. Gerade im Bereich der ökoreligiösen Energiewende und den Auswirkungen der Zuwanderung illegaler Fremder werden wir den Finger in die Wunde legen, da hier die CDU immer noch ihre durch Merkel installierten Scheuklappen aufhat.“
Grüne: Elisabeth Hollenhorst (Ortsverbandsvorsitzende Bündnis 90 / Die Grünen)
Die Grünen sind erstmals bei der Kommunalwahl in Wadersloh angetreten und sehen das Ergebnis als großen Erfolg an. Dazu teilte Elisabeth Hollenhorst unserer Redaktion mit:
„Die Gemeinderatswahl ist für uns GRÜNE ein großartiger Erfolg: Mit 9,69 % und dem Einzug von drei MandatsträgerInnen haben wir nun die Chance, aktiv die Zukunft unserer Gemeinde mitzugestalten. Dieses Ergebnis ist ein starkes Vertrauensvotum und zugleich ein Auftrag, die drängenden Themen unserer Zeit mit Nachdruck anzugehen. Wir haben im Wahlprogramm mit dem Slogan geworben – Wadersloh: klimafreundlich – lebenswert – zukunftsfest.“
Man möchte umgehend die Ärmel hochkrempeln und loslegen. Als Aufgaben und Ziele haben sich die Grünen gesetzt:
„Das Kommunalwahlergebnis für Wadersloh zeigt eindringlich, welchen Zielen bzw. Aufgaben wir uns als BürgervertreterInnen sofort stellen müssen. Wir GRÜNE wollen
1. Die Jugendbeteiligung stärken: Wir setzen uns für ein verbindliches Mitspracherecht von Jugendlichen in kommunalen Ausschüssen ein. Junge Menschen müssen bei Entscheidungen, die ihre Zukunft betreffen, gehört werden.
2. Ein Bürgerbudget etablieren: Im Rahmen des kommunalen Haushaltsplans soll ein Bürgerbudget eingerichtet werden, über dessen Verwendung die Einwohnerinnen und Einwohner direkt entscheiden können. Damit wollen wir erreichen, dass die demokratische Teilhabe und das bürgerschaftliche Engagement vor Ort initiiert bzw. gestärkt werden.
3. Begegnungsräume öffnen, um das soziale Miteinander in der Gemeinde zu fördern und den Zusammenhalt zu stärken. Wir halten es für extrem wichtig, Möglichkeiten für Austausch und Diskussionen zu schaffen. Hier haben sich in der Vergangenheit offensichtliche Defizite entwickelt, die dringend ausgeräumt werden müssen. Eine lebendige Demokratie braucht Austausch, Transparenz und Beteiligung.
4. Mobilität und Hochwasserschutz werden mittelfristig Themenbereiche sein, die wir in Wadersloh in den Fokus unserer Arbeit stellen werden.“
Ein Wunsch, den die Grünen mit den anderen demokratischen Parteien in der Gemeinde teilt, ist das konstruktive Miteinander:
„Wir verstehen unser Mandat als Verpflichtung, konstruktiv mit allen demokratischen Kräften zusammenzuarbeiten und die Interessen der Menschen vor Ort in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen“, so Hollenhorst abschließend.
CDU: Thomas Lorig (Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbands)
Die CDU in der Gemeinde Wadersloh zeigt sich sehr zufrieden mit dem Abschneiden ihrer Kandidatinnen und Kandidaten am Wahlsonntag. Der Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbands Thomas Lorig teilte im Vorfeld des noch ausstehenden finalen Losentscheids zwischen CDU und FWG am Dienstagabend im Wahlausschuss mit:
„Unsere Wählerinnen und Wähler haben bei der Kommunalwahl am Sonntag mit einem sehr guten Wahlergebnis die Arbeit unserer Ratsmitglieder honoriert. Auch ohne absolute Mehrheit, sind die erzielten 48,7 % eine starke Bestätigung unserer erfolgreichen Arbeit. Gerade vor dem Hintergrund der deutlich veränderten Parteienlandschaft in unserer Gemeinde leiten wir aus dem Ergebnis einen eindeutigen Auftrag für die kommende Legislaturperiode ab. 15 von 16 Wahlbezirken haben wir direkt gewonnen, überwiegend auch sehr deutlich. Der Entscheid im Wahlbezirk 10 steht noch aus. Vom Ergebnis des Losentscheids hängt auch ab, wie sich der neue Rat der Gemeinde final zusammensetzen wird.“
Einen ersten Ausblick auf die anstehende kommunalpolitische Arbeit gibt es auch:
„Klar ist, dass wir, wie in der Vergangenheit auch, bei allen wichtigen Entscheidungen mit allen demokratischen Parteien sowie der Verwaltung konstruktive Gespräche führen werden. Die positive Entwicklung unserer Gemeinde, vor allem der Ausbau der Infrastruktur in allen Ortsteilen und Schaffung bezahlbaren Wohnraums stehen für uns auch in den kommenden 5 Jahren im Fokus unserer Arbeit.“
FDP: Oliver Weinekötter (Fraktionsvorsitzender FDP Wadersloh)
„Aus unserer Sicht ist das Ergebnis bitter, da wir den Fraktionsstatus verloren haben, was die politische Arbeit deutlich erschwert. Die Gründe liegen unter anderem im Bundestrend: Die Abwahl der Ampelkoalition wirkt sich auch hier aus, und leider differenzieren die Wählerinnen und Wähler dabei nicht. Die Wahl spiegelt vor allem den allgemeinen Trend wider. Dennoch werden wir unsere kommunale Arbeit vor Ort fortsetzen, auch wenn sie künftig herausfordernder sein wird.“
Disclaimer/Transparenzhinweis: Aus Gründen der Lesbarkeit haben wir offensichtliche Tippfehler in den Zitaten korrigiert. An der inhaltlichen Aussage wurde nichts verändert.
Fotos/Text: B. Brüggenthies, Grafiken: Gemeinde Wadersloh via CITEQ


