Diestedde/Duisburg (mw/bb). 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren, 21,1 Kilometer Laufen: Der IRONMAN 70.3 ist selbst für erfahrene Sportlerinnen und Sportler eine enorme Herausforderung. 2.300 haben sich der Herausforderung am 7. September beim IRONMAN 70.3 im Ruhrgebiet gestellt. Darunter auch drei Athleten des SV Diesteddes, die alle drei die Ziellinie im Duisburger Stadion erreicht haben. Für Jonas Hoheisel war es der erste Start über die Mitteldistanz, Achim Hoheisel war zum dritten Mal am Start und Vereinskollege Werner Finnemann gilt längst als erfahrener „alter Hase“.
Die monatelange Vorbereitung hatte die drei intensiv gefordert. Mehrmals pro Woche standen Schwimm- und Laufeinheiten auf dem Plan, dazu lange Ausfahrten auf dem Rad. Oft allein, manchmal gemeinsam. „Man verzichtet auf einiges, Familienzeit, gesellige Abende. Aber wenn man so ein Ziel hat, macht man es gerne“, blicken die drei Sportler auf die intensiven Trainingswochen zurück. Dass am Ende alle gesund und erfolgreich ins Ziel kamen, sei auch ein Stück weit Lohn für die Disziplin und das Durchhaltevermögen.
„Die Emotionen, also sprich die Ziellinie zu überqueren, der Ballast von den ganzen letzten Wochen fällt runter. Freude, Emotionen, eigentlich nur positive Sachen“, sagt Werner. „Man kriegt Gänsehaut und man weiß: Ich habe es geschafft“, beschreibt Jonas seinen emotionalen Zieleinlauf. Besonders eindrücklich blieb den drei SVD-Sportlern nicht nur der Zieleinlauf, sondern auch der Start im Gedächtnis. „Da bist du voll angespannt, und wenn es losgeht, bricht es einfach aus dir heraus“, so Achim. Werner erzählt von den Stunden auf der Strecke: „Du schaltest alles außenrum ab, funktionierst nur noch. Schmerzen, Krämpfe. Das musst du in den Griff kriegen. Aber am Ende bleiben die Emotionen, und die nimmt dir keiner.“
Am Wettkampftag selbst spielte auch das Umfeld eine Rolle: perfektes Spätsommerwetter, jubelnde Zuschauer und die Kulisse des Duisburger Stadions, die bei jeder Laufrunde für Gänsehaut sorgte. „Man läuft durchs Stadion, die Musik hämmert, die Leute springen von den Sitzen. Das treibt dich förmlich ins Ziel“, erinnert sich Werner. Für die Diestedder war es ein Gefühl von Gemeinschaft, auch wenn jeder für sich unterwegs war.

Neben sportlichem Durchhaltevermögen war auch der Rückhalt im Umfeld entscheidend. „Ohne Familie und Unterstützung im Hintergrund geht das nicht. Die vielen Trainingsstunden müssen mitgetragen werden, sonst hast du keine Chance“, betont Werner. Er hatte schon bei den letzten Triathlon-Teilnahmen versprochen, dass es der Letzte war: „Jetzt war es schon zum dritten Mal der Letzte“, sagt er mit einem dankbaren Lächeln, dass seine Familie auch dieses Mal Verständnis für seine Sport-Leidenschaft zeigte. Auch für die Hoheisels hatte der Wettkampf eine besondere Note: Vater und Sohn standen gemeinsam am Start. „Als Papa meinte, das sei wohl sein letzter Ironman, dachte ich: Dann ist das der perfekte Moment, meinen ersten zu machen. Sozusagen ein Staffelstab-Wechsel“, erzählt Jonas begeistert von seiner Ironman-Premiere.
Unvergesslich war auch die Stimmung in Duisburg: „Auf der Laufstrecke feuert man sich gegenseitig an. Man tritt zwar allein an, aber irgendwie ist man doch ein großes Team“, so Jonas. Auch für Werner war das Stadionerlebnis einzigartig: „Bei jeder Runde wurde es lauter, Gänsehaut pur, Tränen in den Augen. Das war einfach genial.“ Im Vorfeld hatte ein Bekannter seine Hilfe angeboten und die Sportler vor Ort mit Logistik, einer stärkenden Mahlzeit (nach italienischem Familienrezept) und Motivation supportet. Nach der Ziellinie kam dann der wohlverdiente Moment der Entspannung. Zumindest fast: „Das alkoholfreie Bier, auf das wir uns gefreut hatten, gab es nicht“, berichtet Achim lachend. „Nur Bier mit Alkohol.“ Werner ergänzt: „Also haben wir am Wohnmobil direkt ein alkoholfreies Getränk genommen, viele Erlebnisse gehabt und trotzdem angestoßen.“
Und wie geht es weiter? Während Achim für 2026 eher kürzere Distanzen plant, will Jonas zunächst auf den Sprintstrecken schneller werden. Werner bleibt trotz „drittem, letztem Mal“ zurückhaltend: „Fragt mich in zwei Wochen noch mal … vielleicht kommt doch noch ein vierter.“
Allen dreien ist klar: Die Strapazen haben sich gelohnt. Oder wie Werner es formuliert: „Dieses Erlebnis nimmt dir keiner. Auch nach vielen Jahren bekommst du noch Gänsehaut, wenn du daran denkst.“
Fotos/Interview: B. Brüggenthies


