Diestedde (mw/bb). Das Wasser wird knapp rund um Schloss Crassenstein: Die Pegel der Schlossgräfte sind derzeit rund 60 Zentimeter unter Normalniveau – so niedrig wie selten zuvor. „Es gibt wohl mehrere Gründe: zu wenig Niederschlag, die extreme Wärme und vor allem der Wind, der die Verdunstung begünstigt“, erklärt Dr. Gregor Schwert (gemeinsam mit Dr. Frank Röschinger Besitzer des Schlosses).
Ein solches Szenario tritt statistisch etwa alle fünf Jahre seit Beginn des neuen Jahrtausends auf, doch die Häufung ist auffällig: In den vergangenen zehn Jahren sank der Pegel am Schloss bereits drei Mal drastisch (2017, 2021 und nun 2025). Für Flora und Fauna in der Schlossgräfte ist die Wasserknappheit eine ernsthafte Bedrohung. Die Schlossbesitzer ergreifen verschiedene Gegenmaßnahmen, um dem entgegenzuwirken.
Umwälzpumpe sorgt für mehr Sauerstoff für die Fische
Aktuell sorgen zwei Umwälzpumpen dafür, dass die Fischpopulation in der Außengräfte genügend Sauerstoff erhält. Zudem fließt mithilfe eines Dükers Wasser vom Diestedder Berg in die Anlage. Seit zwei Jahren darf außerdem eine festgelegte Menge aus dem Mühlenbach (Liese) zur Stabilisierung der Innengräfte entnommen werden.
Das Schloss selbst steht nicht unmittelbar in Gefahr. Es ruht auf Eichenpfählen, die durch die Verschlammung ausreichend geschützt bleiben. Dennoch bereitet die Situation den Eigentümern Sorgen. Auf Initiative der Besitzer wurde auch die Untere Wasserbehörde des Kreises Warendorf eingeschaltet. Dort empfahl man, die Fläche der Gräfte zu verkleinern, um weniger Grundfläche, dafür aber mehr Wasservolumen zu halten – ein Vorschlag, mit dem Denkmalschutzamt nicht einverstanden ist, da man gerne die historische Grenze der Gräfte beibehalten möchte.




„Wir können das Wasser nicht herbeizaubern“
Dr. Frank Röschinger sieht die Ursachen im Klimawandel und dem allgemeinen Wassermangel in der Region: „Wir können das Wasser nun natürlich nicht herbeizaubern. Wenn die Gräftenanlagen nach und nach abtrocknen, würde das tatsächlich bedeuten, dass wir künstlich Wasser zuführen müssen. Ähnliche Probleme wird es vermutlich auch an anderen Schloss- und Wasseranlagen in der Region geben.“ Gleichzeitig übt Röschinger deutliche Kritik an bürokratischen Hürden: „Die entsprechenden Vorschriften, insbesondere von Seiten des Denkmalschutzes, sind heftig. Wir haben die Anlage mit allen Verpflichtungen übernommen, und nun müssen wir sehen, wie wir damit umgehen.“
Auch Dr. Gregor Schwert sieht Widersprüche: „Problematisch sind die vielen behördlichen Vorschriften. Während die Politik noch bis 2026 die Herstellung sogenannter PFAS-Chemikalien duldet, die dauerhaft in Gewässern und ins Trinkwasser gelangen können, ist zugleich die Sanierung von Teichen und Gräften streng reglementiert. Eine Entschlammung, die Sauerstoffmangel vorbeugt, ist aufwändig und teuer – belastetes Material muss zudem oft als Sondermüll entsorgt werden, obwohl hier eigentlich nur Regen reinfällt. Hier zeigt sich ein Widerspruch, der teure Konsequenzen haben kann und der dazu führt, dass Eigentümer die teuren Sanierungen nicht durchführen lassen und damit Gräften weiter verschlammen.“
Sauberes Wasser, intakte Biologie
Trotz des aktuellen Niedrigwassers sei die Wasserqualität stabil. „Rein biologisch ist das Wasser in beiden Gräften intakt“, betont Schwert. Zahlreiche Teichmuscheln reinigen das Wasser, und im vergangenen Jahr wurde das Gewässer aufwendig von Unrat und übermäßigem Pflanzenbewuchs befreit (MW berichtete). Damals rückte eine Fachfirma mit Spezialgerät an und entfernte neben Seerosen auch alte Fahrräder, Lampensockel und sogar ein komplettes Teeservice aus den Tiefen der Gräfte. Die biologische Vielfalt bleibt dennoch beeindruckend: Karpfen, Schleien, Rotfedern, Hechte und vermutlich sogar Welse finden in der Schlossgräfte Lebensraum. Enten und Gänse prägen zudem das idyllische Bild rund um Schloss Crassenstein und entlang der „Fischtreppe“ am Mühlenweg.

Ob die aktuellen Maßnahmen ausreichen, um die Schlossgräfte langfristig zu stabilisieren, bleibt fraglich. Die Besitzer hoffen auf baldigen Regen zum Spätsommer/Herbst.
Fotos/Text: mw/bb.
Die Inhalte auf dieser Nachrichtenseite, einschließlich Texte, Bilder und sonstiger Medien, unterliegen dem Urheberrecht und sind, soweit nicht anders angegeben, geistiges Eigentum des Autors. Eine Vervielfältigung, Verbreitung, Bearbeitung oder anderweitige Verwendung der Inhalte ist ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Autors nicht gestattet. Dies gilt insbesondere für die Nutzung durch andere Medien (vor allem Tageszeitungsverlage, Werbeblätter etc.), Plattformen oder Publikationen – unabhängig von ihrer Form (online oder offline). Sollten Sie Interesse an einer Zusammenarbeit oder der Verwendung von Inhalten haben, kontaktieren Sie uns gerne. Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Wertschätzung für lokaljournalistische Arbeit. -> KONTAKTDATEN

