Liesborn/Lippstadt (mw/bb). Die Bürgerinitiative ZIN19 hat sich mit zwei offenen Schreiben an Bürgermeister Christian Thegelkamp und die Ratsmitglieder der Gemeinde Wadersloh gewandt. Im Mittelpunkt stehen die Forderung nach einem Ausstieg der Gemeinde Wadersloh aus dem Verfahren „Hochwasserschutz an der unteren Glenne“ sowie die Kritik an einer neuen Kostenregelung zur Deichunterhaltung zwischen Wadersloh und der Stadt Lippstadt.
Kritik an Kostenbeteiligung und Verfahren
Im ersten Schreiben vom 10. Oktober 2025 beantragt die Initiative das formelle Ausscheiden der Gemeinde Wadersloh aus dem laufenden Verfahren zum Hochwasserschutz. Begründet wird dies mit dem Hinweis, dass der zugrunde liegende Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 2018 nach Ablauf der gesetzlichen Frist von fünf Jahren seine Rechtswirksamkeit verloren habe, da mit den Maßnahmen bislang nicht begonnen wurde.
ZIN19 verweist zudem auf den öffentlich-rechtlichen Vergleichsvertrag von 2004 zwischen der Stadt Lippstadt und der Gemeinde Wadersloh. Danach sei die jeweilige Kommune nur für die Instandhaltung der Hochwasserschutzanlagen auf dem eigenen Gemeindegebiet verantwortlich. Da sich sämtliche relevanten Anlagen, wie Deiche, Wehr und Schöpfwerk, vollständig auf Lippstädter Gebiet befänden, bestehe für Wadersloh keine rechtliche Verpflichtung, sich an den Unterhaltungskosten zu beteiligen.
Kritisch äußert sich die Initiative über eine kürzlich getroffene „Neuregelung der Kostenverteilung“, die vorsieht, dass Wadersloh 35 Prozent der Unterhaltungskosten übernehmen soll. Angesichts der deutlich höheren Pro-Kopf-Verschuldung Waderslohs (rund 2.850 Euro gegenüber etwa 950 Euro in Lippstadt) sei diese Vereinbarung aus Sicht von ZIN19 „nicht nachvollziehbar“. Die Berechnung der Werte basiert laut Initiative auf den geplanten Haushaltszahlen und Einwohnerdaten für 2025, wobei sich im Vergleich zu 2023 kaum Verbesserungen abzeichneten.
Forderung nach Instandsetzung und Kontrolle
In einem zweiten offenen Brief vom 15. Oktober 2025 greift ZIN19 die Zustandssicherung der Deichanlagen an der Glenne auf. Nach Angaben der Gruppe war sie zuletzt am 29. September 2025 vor Ort, um den Zustand zu dokumentieren. Konkret wird bemängelt, dass der Deich an der Westseite der Glenne (in Richtung Liesborn) seit Arbeiten mit schwerem Gerät im September 2024 gravierende Schäden aufweise. Tiefe Fahrspuren auf der Deichkrone seien bislang nicht repariert worden und könnten die Standsicherheit des Dammes beeinträchtigen.
Laut der Bürgerinitiative seien in diesem Jahr lediglich 470 Meter der Glennedämme instand gesetzt worden, davon 450 Meter auf der Lippstädter Seite, aber nur 20 Meter auf der Liesborner Seite. ZIN19 fordert daher, dass die Gemeinde Wadersloh die Stadt Lippstadt offiziell auffordern solle, ihrer Unterhaltungspflicht nachzukommen. Zudem solle auf die Einhaltung der in der Vereinbarung festgelegten regelmäßigen Kontrollmaßnahmen hingewirkt werden, um weitere Schäden oder Risiken bei Hochwasser zu vermeiden.
Beide Anträge sind im Wortlaut auf der Webseite von ZIN19 abrufbar (externer Link)
zus. Quellen: Offene Briefe/Anträge vom 10.+15. Oktober 2025, Symbolfoto: mw/bb.


