Wadersloh (mw/bb). In der Gemeinde Wadersloh entstehen derzeit gleich zwei richtungsweisende Wohnprojekte für Menschen mit Beeinträchtigung. Sowohl im neuen „Wohnquartier Rosenhöhe“ als auch an der Benteler Straße sollen in den kommenden Jahren barrierefreie Wohnungen und Betreuungsangebote geschaffen werden. Das Ziel: selbstständiges Wohnen und soziale Teilhabe mitten im Ort zu ermöglichen. Eine Informationsveranstaltung im Rathaus Anfang September stieß auf große Resonanz: Rund 60 Interessierte informierten sich über Bau und Betreuungskonzept des Projekts an der Bentele Straße.
Auf dem Gelände der ehemaligen Realschule am Schulkamp wächst das „Wohnquartier Rosenhöhe“ (MW berichtete) sichtbar heran: Hier geht es um besondere Wohnformen, die Eigenständigkeit mit einem Unterstützungsangebot ermöglichen. Auch an der Benteler Straße entsteht ein modernes Wohnhaus für Menschen mit Beeinträchtigungen. Um dieses Projekt ging es bei der Info-Veranstaltung im Rathaus in erster Linie: Die Junker-Goldhammer eGbR, ein Zusammenschluss der privaten Investoren Karl-Heinz Junker und Achim Goldhammer, realisiert das Projekt in enger Kooperation mit der St. Vincenz-Gesellschaft, die für die pädagogische und pflegerische Betreuung der künftigen Bewohnerinnen und Bewohner verantwortlich ist. Hier geht es vor allem um Wohngruppen mit der Option einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung.

Das Gebäude an der Benteler Straße bietet auf zwei Etagen zwei Wohngruppen mit jeweils sechs Plätzen – insgesamt also zwölf Plätze für Erwachsene mit erhöhtem Hilfebedarf. Jedes Zimmer ist ein Einzelzimmer mit eigenem Duschbad. Ergänzt werden die Wohneinheiten durch großzügige Gemeinschaftsbereiche für Kochen, Essen, Wohnen und Freizeit, sodass ein WG-ähnliches Zusammenleben möglich ist. Ein Team aus pädagogischen und pflegerischen Fachkräften ist rund um die Uhr vor Ort, um den individuellen Bedarf jedes Bewohners zu begleiten. Dafür steht ein Dienstzimmer für die Mitarbeitenden der St. Vincenz-Gesellschaft zur Verfügung. Ziel ist es, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und gleichzeitig Sicherheit und fachliche Unterstützung zu gewährleisten.
Gemeinsam mit dem Team um Architekt Wilhelm Wiengarten von der Fa. Splietker Bau soll das Bauvorhaben modern und nachhaltig umgesetzt werden. Ästhetisch setzt das Gebäude auf Klinkerbauweise, zwei separate Giebel statt eines Daches und eine moderne Dachgestaltung mit Photovoltaik und Luft-Wasser-Wärmepumpe – so wird ein Netto-Null-Haus mit nachhaltiger Energieversorgung geschaffen. Auch der Außenbereich wird sorgfältig gestaltet: Ein Sinnesgarten lädt zu Begegnungen und Aktivitäten ein, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sind vorgesehen. Der Baubeginn ist bereits erfolgt, der Einzug der ersten Bewohnerinnen und Bewohner ist für Ende 2026/Anfang 2027 vorgesehen. Nachhaltigkeit in der Sache selbst und bei der Umsetzung.
Umsetzung ist vor allem dem Einsatz betroffener Eltern und Angehöriger zu verdanken
Dass ein solches Bauprojekt rund um Inklusion überhaupt umgesetzt werden kann, ist auch dem jahrzehntelangen Einsatz von Eltern und Angehörigen zu verdanken. Den langen Weg dahin zeichneten Monika Rüschenbeck und Theo Teigeler im Ratssaal nach. Im Oktober 2022 hatten sie federführend eine Demonstration vor dem LWL in Münster organisiert, um auf den Mangel an Wohnplätzen für Menschen mit Beeinträchtigungen im Kreis Warendorf und insbesondere auch in der Gemeinde Wadersloh hinzuweisen. Mit 150 Leuten vor Ort konnte Bewegung in die Sache gebracht werden. Unterstützung kam später auch von NRW-Minister Karl-Josef Laumann.
Hartmut Baar vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe erinnerte daran, dass die Demonstration von Angehörigen und Betroffenen im Jahr 2022 deutlich gemacht habe, wie groß der Nachholbedarf an Wohnangeboten für Menschen mit Beeinträchtigung in der Region sei. „Wir haben das ernst genommen“, so Baar. Aufgabe des LWL sei es, für einheitliche Lebensverhältnisse in allen Regionen zu sorgen. Der bisherige „weiße Fleck“ Wadersloh solle deshalb bald der Vergangenheit angehören. Zugleich lobte er die konstruktiven Gespräche mit den Interessengruppen, die maßgeblich zu den neuen Projekten beigetragen hätten.
Die Lage des Neubaus im Wohngebiet eröffnet den künftigen Bewohnerinnen und Bewohnern vielfältige Möglichkeiten der Teilhabe: Vom Einkauf über ärztliche Versorgung bis zu Angeboten der örtlichen Vereine sind zentrale Einrichtungen in Wadersloh gut erreichbar, stellten die Verantwortlichen heraus. Zusätzlich schaffe die Nähe zum „Wohnquartier Rosenhöhe“ wertvolle Verbindungen. Darunter tagesstrukturierende Angebote und den Quartierstreff als offenen Begegnungsraum für die gesamte Gemeinde. Die Vernetzung wird darüber hinaus in enger Zusammenarbeit mit der Inklusionsbeauftragten der Gemeinde Wadersloh gefördert.
„Mit dem Neubau an der Benteler Straße setzen wir ein Zeichen für Inklusion und Teilhabe in Wadersloh. Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen bekommen hier die Möglichkeit, mitten in der Gesellschaft zu leben und individuell gefördert zu werden“, sagt der Geschäftsführer der St. Vincenz-Gesellschaft, Stephan Marx, der sich erfreut über den großen Zuspruch für das Bauprojekt zeigte: „Das zeigt viel Wertschätzung für Menschen mit Behinderung.“
Weiterführende Infos
Hilfe auf Eingliederung/Ansprechpartner (LWL, externer Link)
Text: mw/bb.




