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    Infrastruktur

    Bei Hoberg entsteht zweitgrößte Agri-PV-Anlage Deutschlands: Vorzeigeprojekt vereint Ernteschutz und Energiewende (MW+)

    Spatenstich bei Hoberg in Liesborn
    Benedikt BrüggenthiesBy Benedikt Brüggenthies3. Oktober 2025Updated:5. März 2026Lesedauer: 6 Minuten
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    Liesborn (mw/bb). Heidelbeeren anbauen, die Ernte sichern und gleichzeitig grünen Strom erzeugen: Was bislang nach Zukunftsmusik klingt, wird in der Gemeinde Wadersloh nun Modul für Modul Realität. Auf der Plantage des Heidelbeer-Landwirts Philipp Hoberg an der Benninghauser Straße in Liesborn ist am Dienstag (30. September) der offizielle Spatenstich für eine Agri-Photovoltaikanlage gesetzt worden. Künftig überspannt eine Solaranlage mit einer Leistung von 23 Megawatt Peak das 17 Hektar große Feld und verbindet so Landwirtschaft und Energiewende auf innovative Weise. Die Anlage ist die zweitgrößte dieser Art in Deutschland.

    „Wadersloh macht es vor: Beeren anbauen, die Ernte schützen, Energie erzeugen und finanziell profitieren – das ist Energiewende at its best“, betonte Christian Mildenberger, Geschäftsführer der Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate, beim Auftakt. Agri-Photovoltaik biete Landwirten nicht nur zusätzliche Einkommensmöglichkeiten, sondern auch mehr Resilienz gegenüber extremen Wetterlagen.

    Auch Waderslohs Bürgermeister Christian Thegelkamp hob die Bedeutung des Projekts hervor. „Als wir vor knapp zwei Jahren die ersten Gespräche geführt haben, konnte ich mir nicht vorstellen, dass wir in dieser Größenordnung so schnell so weit kommen würden.“ Die Umsetzung sei ein Beispiel dafür, wie privates Engagement, öffentliche Förderung und politischer Wille zusammenwirken könnten.

    Für eine Gemeinde wie Wadersloh ist die Dimension des Energieprojekts von Familie Hoberg beachtlich: Die 40.000 bifazialen Solarmodule sollen jährlich über 21 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Das ist mehr, als der Ortsteil Liesborn mit seinen rund 18 Millionen Kilowattstunden Verbrauch benötigt. „Was hier entsteht, ist die zweitgrößte Agri-Photovoltaikanlage Deutschlands – ein Projekt mit echtem Vorbildcharakter“, sagte Marco Sundrum, Geschäftsführer des Projektpartners B&W Energy (Heiden). Der Bau ist bereits weit fortgeschritten: Die Hälfte der Rahmenprofile ist installiert, die Verkabelung folgt. Ab dem kommenden Jahr soll die Anlage ans Netz gehen. Neben dem ökologischen Effekt profitieren auch die Heidelbeeren. Unter den Solarmodulen sind die Sträucher besser vor Hagel, Starkregen und Hitze geschützt. Damit sinkt das Risiko von Ernteausfällen deutlich. Zudem könnten rund 8,2 Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart werden.

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    Dass Landwirtschaft und Energiewende unter einem Dach zusammenfinden, wird in Wadersloh weiter vorangebracht. Bereits seit 2022 sind in der Gemeinde Wadersloh mehrere große Agri-PV-Anlagen in Planung. Mit dem Projekt auf Hobergs Plantage wird nun eines der ambitioniertesten Vorhaben Wirklichkeit. Weitere Projekte planen Jürgen Wickentrup mit einer Freiflächen-PV an der Hellstraße in Wadersloh-Geist sowie Familie Steinhoff mit einer weiteren Freiflächen-PV in unmittelbarer Nähe, am Bühlheider Weg. Aktuell wird zudem über eine Bürgerbeteiligung durch die heimische Energiegenossenschaft UEW eG verhandelt.

    Innovation aus der Not heraus: Warum man auf Hof Hoberg jetzt auf Heidelbeeren und Photovoltaik setzt

    Für Philipp Hoberg war die Entscheidung, den elterlichen Betrieb neu auszurichten, eine Herzensangelegenheit und zugleich ein mutiger Schritt in die Zukunft. „Ich wollte den Betrieb innovativ und neu aufstellen“, erklärt er im Gespräch mit MW. Der Anbau von Heidelbeeren sei dabei der erste große Impuls gewesen. Aus einem Problem habe er schließlich ein Geschäftsmodell gemacht: „Wir hatten durch intensive Sonneneinstrahlung und Hagel massive Ernteausfälle. Aus dieser Situation heraus ist die Idee entstanden, Photovoltaik und Heidelbeeranbau miteinander zu verbinden.“

    Seit Mitte August ist der Wandel auf dem Hof an der Benninghauser Straße auch von außen sichtbar. Täglich werden Bauteile installiert, die Anlage wächst stetig. Für Familie Hoberg ein bewegender Moment: „Man hat so lange darauf hingefiebert. Immer wieder haben wir gedacht: In einem halben Jahr geht es los – und dann gab es doch wieder Verzögerungen. Jetzt schaut man aus dem Fenster, sieht die Fortschritte und ist einfach froh, dass der Baustart endlich erfolgt ist.“

    Die Vorteile der Agri-PV-Anlage liegen für den Landwirt klar auf der Hand. Vor allem die Heidelbeeren profitieren: „Bei Temperaturen von 40 Grad hatten wir am Ende nur noch Rosinen am Strauch, die nicht mehr vermarktungsfähig waren. Jetzt haben wir eine Absicherung gegen Sonneneinstrahlung und Hagelschlag.“ Aber nicht nur die Früchte, auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen: „Die Ernte erfolgt von Hand. Wer bei 35 Grad ohne Schatten stundenlang Beeren pflücken muss, weiß den Schutz durch die Module zu schätzen.“

    Hinzu kommen ökologische und wirtschaftliche Vorteile. Weniger direkte Nässe bedeutet geringeren Einsatz von Fungiziden, zugleich reduziert sich der Wasserverbrauch. „Die Heidelbeere hat ihren Ursprung im Wald“, so Hoberg. „Sie ist von Natur aus eine gewisse Schattierung gewohnt. Damit eignet sie sich ideal für dieses Modell.“

    So wird aus einer Herausforderung ein Paradebeispiel für moderne Landwirtschaft: Heidelbeeren unter Solardächern. Ein Konzept, das auf Hof Hoberg bereits Zukunft geschrieben hat.

    Bürgermeister Thegelkamp über das Agri-PV-Projekt in Liesborn: „Hier tut sich Großes“

    Auch Bürgermeister Christian Thegelkamp zeigte sich beeindruckt von den Dimensionen der Anlage in Liesborn: „Jeder, der hier in letzter Zeit vorbeigefahren ist, hat gespürt und gesehen: Hier tut sich Großes, hier tut sich sogar Gewaltiges“, so Thegelkamp im Interview mit MW. „Das erfüllt mich mit großer Freude, denn wir schaffen es hier, dass die Energiewende auch in unserer Gemeinde ankommt.“

    Der Bürgermeister erinnerte daran, dass Wadersloh bereits seit Jahren Projekte zur Erzeugung nachhaltiger Energie unterstützt. Mit der Anlage in Liesborn entstehe nun das größte Vorhaben dieser Art vor Ort. „Es soll im nächsten Frühjahr ans Netz gehen. Ich freue mich sehr, dass die Landesregierung dieses Projekt mitfördert und auch unterstützt. Ich freue mich ebenso, dass die Familie Hoberg in beiden Generationen mutig ist, dieses Projekt umzusetzen und ihrem Hof damit einen neuen Aspekt hinzuzufügen.“

    Ein besonderes Lob richtete Thegelkamp an den Gemeinderat: „Alle Fraktionen haben dieses Projekt unterstützt. Wir waren sehr schnell mit Sondersitzungen und Projekttagen, um das nötige Baurecht zu schaffen. Das haben wir gerne geleistet, auch wenn es anstrengend war und schnell gehen musste.“ Das Ergebnis sei ein Projekt, das im politischen Konsens, mit staatlicher Förderung und mit der Unterstützung der Bürgerschaft Gestalt annehme. „Mehr kann man sich als Bürgermeister einer Gemeinde nicht wünschen.“

    Auf die Frage nach den größten Herausforderungen nannte Thegelkamp die rechtlichen und verwaltungstechnischen Hürden: „Dazu mussten Bebauungspläne aufgestellt, Flächennutzungspläne verändert, Gespräche mit der Bezirksregierung und dem Kreis Warendorf geführt und Artenschutzfragen geklärt werden. Das sind all die Dinge, die man sich manchmal wirklich schlanker wünschen würde und die auch ganz bestimmt manchmal schlanker sein müssten. Aber wir haben all diese Hürden genommen – im gemeinsamen Schulterschluss.“

    Dass die Dimensionen außergewöhnlich sind, machte Thegelkamp zum Abschluss deutlich: „Zwischendurch war es sogar mal die größte Agri-PV-Anlage Deutschlands. Mittlerweile gibt es eine, die noch ein bisschen größer ist. Aber die zweitgrößte in der Republik – das muss uns erstmal einer nachmachen.“

    Weiterführende Informationen

    Die Initiative NRW.Energy4Climate hat eine kompakte Kurzbroschüre veröffentlicht, die die Hintergründe und Vorteile von Agri-Photovoltaik erläutert. Darunter versteht man die gleichzeitige Nutzung landwirtschaftlicher Flächen zur Erzeugung von Solarstrom und zur Lebensmittelproduktion – ein Modell, das Flächen effizient doppelt nutzbar macht. Die Broschüre zeigt nicht nur die Chancen dieser Technologie auf, sondern fasst auch die wichtigsten Vorschriften und Fördermöglichkeiten zusammen, die bei der Errichtung einer solchen Anlage beachtet werden müssen. | Den Download gibt es hier (externer Link).

    Fotos/Text/Interviews: B. Brüggenthies


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