Wadersloh (mw/bb). In einer ungewöhnlich geschlossenen Form haben sich Bürgermeister Christian Thegelkamp sowie die Fraktionen von CDU, FWG, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP im Vorfeld der gemeinsamen Sitzung von Rat und Bauausschuss am Mittwochabend deutlich von einer in Wadersloh verteilten Postwurfsendung der AfD distanziert. Anlass war ein „blauer Flyer“ des AfD-Kreisverbands Warendorf, der unter der Überschrift „Millionen für Fremde, kein Geld mehr für Wadersloher Bürger“ die kommunalen Ausgaben für Geflüchtete kritisiert hatte.
Vor Beginn der Sitzung fand Bürgermeister Christian Thegelkamp vor dem Ratssaal deutliche Worte: Der „blaue Flyer“ verknüpfe die „augenblicklich herausfordernde Finanzsituation“ der Gemeinde mit dem Anteil von Geflüchteten in Wadersloh und enthalte Inhalte, von denen er sich entschieden distanziere. Gleichzeitig warb er für einen sachlichen Umgang mit den bestehenden Herausforderungen. Auch die Kritik der Gruppe ZIN19 an den „alteingesessenen Parteien“ wies der Thegelkamp entschieden zurück. Die Aussage, politische Zurückhaltung habe dazu beigetragen, dass Sorgen vieler Bürgerinnen und Bürger nicht ausreichend aufgegriffen worden seien, bezeichnete er als „Faustschlag ins Gesicht“ jener Menschen, die sich seit Jahren ehrenamtlich kommunalpolitisch engagierten. Ursprünglich hatte ZIN19 hatte mit einem öffentlichen Brief auf den Flyer der AfD reagiert und darin auch die anderen Parteien in Wadersloh kritistiert.
Anschließend verlasen Vertreterinnen und Vertreter der Fraktionen eine gemeinsame Stellungnahme. Darin widersprachen CDU (Rudi Luster-Haggeney), FWG (Heino Teckentrup), SPD (Anne Claßen), GRÜNE (Elisabeth Hollenhorst) und FDP (Philip Winkler) den Darstellungen im AfD-Flyer Punkt für Punkt und stellen ihnen eigene Zahlen und Einschätzungen gegenüber.
Wir in den demokratischen Fraktionen stehen gemeinsam für Zusammenhalt und eine pragmatische, lösungsorientierte Kommunalpolitik für ALLE Menschen in unserer Gemeinde. Von den Inhalten im Flyer distanzieren wir uns als gewählte Vertreterinnen und Vertreter von über 88 % der Menschen in der Großgemeinde Wadersloh ausdrücklich.
Gemeinsame Stellungnahme von CDU, FWG, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP am 27. Mai 2026
Nach Angaben der CDU leben derzeit rund 260 Geflüchtete in Unterkünften der Gemeinde Wadersloh – bei insgesamt rund 13.000 Einwohnern entspreche das einem Anteil von etwa zwei Prozent. Die Formulierung im Flyer, es handele sich „häufig um junge Männer unter 30 Jahren“, sei irreführend. Tatsächlich seien von den aktuell 248 Geflüchteten lediglich 41 Männer zwischen 21 und 30 Jahren alt, was einem Anteil von 16,5 Prozent entspreche.
Die FWG ging insbesondere auf die im Flyer genannten Investitionen in Immobilien ein. Die dort aufgeführten 3,1 Millionen Euro seien nicht „einfach weg“, sondern in gemeindliches Eigentum geflossen. Immobilien und Grundstücke stellten bleibende Werte dar und stärkten die Bilanz der Gemeinde.
Die SPD hob vor allem die gesellschaftlichen Aspekte hervor. Die dezentrale Unterbringung von Geflüchteten in Wadersloh sei eine „Erfolgsgeschichte“. Containerdörfer habe es nicht gegeben, Turnhallen hätten Schulen und Vereinen uneingeschränkt weiter zur Verfügung gestanden. Zugleich verwiesen die Sozialdemokraten auf erfolgreiche Sprachkurse und das Engagement vieler Ehrenamtlicher, etwa in der Kleiderkammer.
Die Grünen machten deutlich, dass die finanziellen Probleme der Kommune nicht allein auf Flüchtlingskosten zurückgeführt werden könnten. Für das Jahr 2025 habe die Gemeinde nach eigenen Angaben rund 1,13 Millionen Euro Landeszuweisungen erhalten, darunter 588.000 Euro für geduldete Personen. Die Darstellung im Flyer sei deshalb „sachlich falsch und irreführend“.
Die FDP betonte abschließend den gemeinsamen Anspruch der demokratischen Fraktionen, für „Zusammenhalt und eine pragmatische, lösungsorientierte Kommunalpolitik“ einzustehen. Die Inhalte des Flyers wiesen die Fraktionen ausdrücklich zurück. Zugleich distanzierten sie sich von der Wortwahl der Zukunftsinitiative Nachhaltigkeit ZIN19 gegenüber den sogenannten „alteingesessenen Parteien“.
Hintergrund der gemeinsamen Stellungnahme war eine Postwurfsendung der AfD. Darin wurden die Kosten für Unterbringung und Sozialleistungen von Geflüchteten thematisiert und vor finanziellen Belastungen für die Kommune gewarnt. Die Initiative ZIN19 reagierte darauf mit einem offenen Leserbrief, in dem sie der AfD vorwarf, Ängste zu schüren und Menschen mit Migrationshintergrund pauschal als Belastung darzustellen. Gleichzeitig kritisierte die Initiative die etablierten Parteien dafür, Sorgen vieler Bürgerinnen und Bürger nicht ausreichend aufzugreifen.
Foto/Text: B. Brüggenthies


