Wadersloh (mw/bb). Der kommunale Bauhof der Gemeinde Wadersloh steht vor einer umfassenden Modernisierung. Bei einer gemeinsamen Sitzung des Bau-, Planungs- und Strukturausschusses sowie des Rates am Mittwoch (27. Mai) verschafften sich Politik und Verwaltung zunächst vor Ort ein Bild der Lage an der Liesborner Straße. Treffpunkt war um 16.30 Uhr am Bauhofgelände und der Zustand der Einrichtungen machte schnell deutlich: Der Handlungsdruck ist groß.
Bürgermeister Christian Thegelkamp betonte zu Beginn der Begehung, wie wichtig der direkte Eindruck sei. Die Ratsmitglieder hatten zuvor den Wunsch geäußert, den Ist-Zustand mit eigenen Augen sehen. Tatsächlich präsentierte sich der Bauhof vielerorts als Provisorium: Ein ausrangiertes Bushaltestellenhäuschen dient mittlerweile als Fahrradgarage für die Mitarbeitenden, Fahrzeuge stehen mangels Platz im Freien, Werkstätten sind beengt und technisch überholt.
Michel Wiemann, seit vier Jahren Leiter des Bauhofs, führte die Teilnehmenden über das Gelände und schilderte die alltäglichen Probleme. Die sanitären Anlagen seien zu klein, geeignete Umkleide- und Trocknungsräume fehlten ebenso wie eine Hebebühne für Fahrzeuge. Die Heizungsanlage stammt noch aus den 1990er Jahren. Besonders problematisch sei der enorme Zeitverlust durch die ausgelagerten Standorte.










Der zentrale Bauhof verfügt derzeit über eine Fläche von rund 4.600 m². Das reicht nach Einschätzung der Verwaltung schon lange nicht mehr aus. Bereits mehrfach wurde der Standort seit seiner Entstehung 1964 erweitert, zuletzt 2011 durch einen Anbau am Hauptgebäude. Die Hallen stammen überwiegend aus den 1980er Jahren, die jüngste Halle wurde 1991 errichtet. Nachdem die beiden ergänzenden Standorte in den Ortsteilen 2006 und 2014 aufgegeben wurden, wurde alles zentralisiert. Mit Folgen für Platzbedarf und Arbeitsabläufe.
Heute arbeiten 23 Beschäftigte auf dem Bauhof, hinzu kommen fünf Mitarbeiter des Hausmeisterpools. Zudem wird dort zum Landschaftsgärtner und Straßenwärter ausgebildet. Der Bauhof übernimmt nicht nur klassische Bauhofaufgaben, sondern dient zugleich als Lager für Betriebsstoffe, Verkehrsschilder, Streusalz und Material für den Katastrophenschutz. So werden dort unter anderem rund 600 Sandsäcke für Hochwasserlagen vorgehalten. Auch ein altes Klärbecken gehört zur Infrastruktur: Es dient als Zwischenspeicher für das Abwasser des Ortsteils Wadersloh und leitet Misch- und Schmutzwasser weiter zum Zentralklärwerk am Herzebrockweg.
Unfallkasse spricht von „gravierenden Mängeln“
Im anschließenden Ausschuss stand unter Tagesordnungspunkt 11 die Vorstellung des sogenannten Raumbuchs auf der Agenda. Vorgestellt wurde die Planung von Dezernent Boris Krumtünger.
Die Verwaltung macht in ihrer Vorlage deutlich, dass der Bauhof in seiner heutigen Form nicht mehr den Anforderungen eines modernen Betriebsstandorts entspricht. Arbeits- und Unfallverhütungsvorschriften könnten nur eingeschränkt eingehalten werden. Besonders schwer wiegt dabei ein Schreiben der Unfallkasse NRW vom Februar 2024, in dem die festgestellten Defizite ausdrücklich als „gravierende Mängel“ bezeichnet werden.
Vor allem das Hauptgebäude aus dem Jahr 1964 gilt als problematisch. Laut Verwaltung wäre eine Sanierung technisch kaum sinnvoll und wirtschaftlich nur mit erheblichem Aufwand möglich. Selbst die seit Jahren geplante Dachsanierung wurde aufgrund der Gesamtsituation immer wieder verschoben. Auch die Garagen und Hallen weisen deutliche Schäden auf. Hinzu kommen fehlende Rangierflächen: Für große Fahrzeuge und Sattelzüge stehen die erforderlichen Wendekreise nicht zur Verfügung.
Weil die Kapazitäten auf dem Gelände nicht ausreichen, nutzt die Gemeinde derzeit zusätzlich das ehemalige Feuerwehrgerätehaus an der Langenberger Straße als Ausweichstandort. Dauerhaft verfügbar sei diese Lösung jedoch nicht.
Neubau in drei Bauabschnitten geplant
Die Gemeindeverwaltung schlägt deshalb eine grundlegende Neukonzeption des Bauhofs vor. Vorgesehen ist eine schrittweise Umsetzung in drei Bauabschnitten:
- Sozial- und Verwaltungstrakt
- Werkstattbereich
- Hallen- und Freiflächen
Auch Räumlichkeiten für den Hausmeisterpool sowie zentrale Lagerflächen für den Katastrophenschutz sollen künftig eingeplant werden. Eine Erweiterung des Grundstücks wäre nach Norden auf nahezu gemeindeeigenen Flächen möglich. Der Bauhof hätte dann eine Gesamtfläche von rund 7.896 m².
In der politischen Diskussion herrschte weitgehend Einigkeit über die Notwendigkeit der Investition. Thomas Lorig (CDU) sprach von einem „massiven Handlungsbedarf“ und begrüßte die Einrichtung einer baubegleitenden Kommission. Für die SPD erklärte Günter Thomas, die Notwendigkeit sei „unumstritten“. Gleichzeitig regte er an, auch modulare Bauweisen und technische Lösungen mitzudenken.
Dezernent Boris Krumtünger machte deutlich, dass die Planungen bewusst möglichst einfach gehalten werden sollen. Bürgermeister Christian Thegelkamp unterstrich dies ebenfalls: „Es geht nicht darum, einen goldenen Käfig zu bauen.“ Gleichzeitig appellierte er an Politik und Öffentlichkeit, die Bedeutung der Investition anzuerkennen. Die Gemeinde habe in den vergangenen Jahren viel Geld in Infrastruktur investiert. Nun dürfe man diejenigen nicht vergessen, die diese Infrastruktur täglich pflegen und instand halten. Kritische Nachfragen kamen von Heino Teckentrup (FWG). Er stellte infrage, ob tatsächlich zwei Planungsbüros beauftragt werden müssten. Philip Winkler (FDP) regte an, sich stärker mit anderen Kommunen über vergleichbare Projekte und Best-Practice-Beispiele auszutauschen.
Am Ende votierte der Bauausschuss einstimmig dafür, die Verwaltung mit weiteren Planungen zu beauftragen. Zwei Planungsbüros sollen nun Entwürfe sowie einen Kosten- und Zeitplan entwickeln. Die endgültige Entscheidung soll in der kommenden Ratssitzung Anfang Juli fallen. Zum Abschluss dankte Bürgermeister Thegelkamp ausdrücklich den Mitarbeitenden des Bauhofs, die die Beratungen verfolgt hatten. Das einstimmige Votum der Politk sei „ein starkes Signal“ für die Beschäftigten.
Fotos/Text: B. Brüggenthies

