Wadersloh (mw/bb). In Wadersloh sorgt ein Flyer des AfD-Kreisverbands Warendorf derzeit für kontroverse Diskussionen. Unter der Überschrift „Millionen für Fremde, kein Geld mehr für die Wadersloher Bürger“ kritisiert die Partei die kommunalen Ausgaben für Geflüchtete und Zuwanderer in der Gemeinde Wadersloh. Die Zukunftsinitiative Nachhaltigkeit ZIN19 reagierte darauf nun mit einem offenen Leserbrief, in dem sie der AfD vorwirft, Ängste zu schüren und die Gesellschaft zu spalten.
AfD kritisiert Kosten für Unterbringung und Sozialleistungen
Im vergangene Woche verteilten Flyer führt die AfD verschiedene Zahlen zu Unterbringung, Immobilienkäufen, Mietkosten und Sozialleistungen für Geflüchtete in Wadersloh an. Die Partei spricht von jährlichen Gesamtkosten in Millionenhöhe und warnt vor Steuererhöhungen sowie Kürzungen für die Bevölkerung. Dabei verwendet der Flyer mehrfach den Begriff „Fremde“ und verbindet Migration direkt mit finanziellen Belastungen der Kommune. Zugleich präsentiert sich die AfD als einzige politische Kraft, die eine „Wende in der Massenzuwanderung“ erreichen könne.
ZIN19 widerspricht Darstellung entschieden
Die Gruppe ZIN19 sieht darin eine problematische und bewusst vereinfachende Darstellung. In ihrem Leserbrief betonen die Unterzeichner, dass Kosten und Integrationsfragen selbstverständlich diskutiert werden müssten. Kritik an politischen Entscheidungen sei legitim und Teil einer demokratischen Debatte. Gleichzeitig warnt die Initiative davor, Menschen pauschal als Belastung darzustellen. Die wiederholte Verwendung des Begriffs „Fremde“ trage aus Sicht von ZIN19 dazu bei, Ängste und Ablehnung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund zu verstärken.
Die Initiative erinnert daran, dass viele Geflüchtete vor Krieg, Verfolgung oder Not geflohen seien. Hinter den Zahlen stünden Familien, Kinder und persönliche Schicksale. Außerdem verweist ZIN19 darauf, dass zahlreiche Migranten inzwischen in Pflegeheimen, Krankenhäusern, im Baugewerbe oder im Dienstleistungsbereich arbeiteten und damit wichtige Aufgaben in der Gesellschaft übernähmen.
Kritik auch an etablierten Parteien
Neben der Kritik an der AfD richtet ZIN19 auch Vorwürfe an die etablierten Parteien in Wadersloh. Viele Sorgen der Bürger würden nicht ausreichend aufgegriffen. Diese politische Zurückhaltung habe dazu beigetragen, dass vereinfachende Parolen zunehmend Zuspruch erhielten. Besonders entschieden weist die Initiative die Darstellung zurück, Migration sei allein verantwortlich für die finanziellen Probleme der Kommune. Haushaltsdefizite hätten vielfältige Ursachen, die deutlich über das Thema Zuwanderung hinausgingen.
Zum Abschluss ihres Leserbriefs appelliert die Initiative an den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Wadersloh. Die Stärke der Gemeinde habe immer im Miteinander gelegen – nicht im Gegeneinander.
Leserbrief der Gruppe ZIN19 im Wortlaut
„Leserbrief an die Bürgerinnen und Bürger von Wadersloh
Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,
in den vergangenen Tagen wurde ein Flyer der AfD in Wadersloh verteilt, der mit großen Schlagworten wie „Millionen für Fremde“ arbeitet und den Eindruck vermittelt, Menschen mit Migrationshintergrund seien hauptsächlich eine Belastung für unsere Gemeinde.
Die Gruppe ZIN19 hält diese Art der Darstellung für falsch, spaltend und gefährlich und sieht diese Entwicklung mit großer Sorge.
Natürlich dürfen und müssen Kosten, Unterbringung und Integrationsfragen offen diskutiert werden. Eine demokratische Gesellschaft lebt davon, Probleme sachlich anzusprechen. Menschen jedoch pauschal als „Fremde“ darzustellen und sie hauptsächlich mit finanziellen Belastungen zu verbinden, trägt nicht zu Lösungen bei – sondern schürt Ängste und Ablehnung.
Viele der betroffenen Menschen sind vor Krieg, Verfolgung oder Not geflohen. Hinter den Zahlen stehen Familien, Kinder und einzelne Schicksale. Wer diese Menschen nur als Kostenfaktor betrachtet, verliert den Blick für Menschlichkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Eine große Anzahl dieser Personen arbeiten inzwischen in Altersheimen, Krankenhäusern, Straßen- und Baugewerbe und im Dienstleistungsbereich. Sie führen oft Arbeiten aus, die von den Bürgern ungern ausgeführt werden.
Wadersloh war immer eine Gemeinde, die von Ehrenamt, Hilfsbereitschaft und einem respektvollen Miteinander geprägt wurde. Genau diese Werte sollten wir bewahren. Proble-me löst man nicht mit einfachen Parolen oder Schuldzuweisungen, sondern mit Vernunft, Verantwortung und gegenseitigem Respekt.
Gleichzeitig muss man sich fragen, warum die alteingesessenen Parteien in Wadersloh so untätig bleiben und viele Sorgen der Bürger offenbar nicht ausreichend aufgreifen. Diese politische Zurückhaltung hat mit dazu beigetragen, dass einfache Parolen und Stimmungs-mache heute mehr Gehör finden.
Besonders kritisch sieht ZIN19, dass bewusst der Eindruck erzeugt wird, Migranten seien schuld an den finanziellen Problemen der Kommune. Die Ursachen kommunaler Haus-haltsprobleme sind deutlich komplexer und reichen weit über das Thema Migration hinaus. Wer alles auf eine Bevölkerungsgruppe reduziert, betreibt keine sachliche Politik, sondern Stimmungsmache.
ZIN19 wünscht sich deshalb, dass wir in Wadersloh weiterhin fair, respektvoll und differen-ziert miteinander umgehen – auch bei schwierigen Themen. Unsere Gemeinde sollte nicht von Angst und Spaltung geprägt werden, sondern von Zusammenhalt und demokrati-schem Anstand. Die Stärke unserer Gemeinde lag immer im Miteinander und nicht im Gegeneinander.
Zukunfts Initiative Nachhaltigkeit ZIN19
Steen Christensen, Wolfgang Kißler, Alfons Lüke, Erwin Rennekamp, Paul Plümpe, Richard Streffing“
zus. Quellen: AfD-Flyer; Leserbrief ZIN19


