Diestedde (mw/bb). Im Bauausschuss der Gemeinde Wadersloh wurde am Montagabend (2. Februar) das städtebauliche Entwurfskonzept für das geplante Neubaugebiet „In der Breede“ im Ortsteil Diestedde vorgestellt. Hintergrund ist ein akuter Mangel an verfügbaren Baugrundstücken: Das Neubaugebiet „Diestedde West“ mit seinen drei Bauabschnitten und insgesamt 65 Bauplätzen ist vollständig bebaut, neue kommunale Grundstücke stehen derzeit noch nicht zur Verfügung.
Die Gemeindeverwaltung verfolgt daher das Ziel, in allen Ortsteilen dauerhaft freie Bauplätze bereitzuhalten. Die nun ins Auge gefassten Flächen im Nordosten Diesteddes befinden sich in gemeindlichem Eigentum und sind laut Verwaltung gut erschließbar. Grundlage ist ein vom Planungsbüro Drees & Huesmann erarbeitetes Gesamtkonzept, das eine Entwicklung in drei Bauabschnitten vorsieht.
Städtebauliches Konzept: Wohnen in Etappen und mit Vielfalt
Die Haupterschließung des Gebiets soll über die Kettelerstraße und den Entruper Weg erfolgen. Im vorderen Bereich, nahe der bestehenden Bebauung, sind drei Mehrfamilienhäuser, teilweise auch für sozialen Wohnungsbau, vorgesehen. Dahinter sollen sich Einfamilienhäuser, Doppelhäuser, Reihenhäuser sowie gegebenenfalls sogenannte „Tinyhäuser“ anschließen.
Der erste Bauabschnitt mit rund 20 Grundstücken grenzt an das Grundschul- und Sporthallengelände sowie an die Wohnbebauung am Entruper Weg. Nach Norden wird er durch einen vorhandenen und erhaltenswerten Wanderweg (Hubertusstock mit Baumreihe) begrenzt. Zwischen erstem und zweitem Bauabschnitt (etwa 25 Grundstücke) ist eine schmale Grünzone geplant, die Wegebeziehungen, Regenwasserrückhaltung und Leitungsinfrastruktur aufnehmen soll. Ein möglicher dritter Bauabschnitt nordwestlich des Wanderwegs umfasst weitere ca. 20 Grundstücke und könnte (je nach Bedarf) unabhängig über die Straße „Am Schloss“ erschlossen werden. Insgesamt rechnet das Planungsbüro langfristig mit etwa 80 Wohneinheiten. Vorgesehen sind ein- und zweigeschossige Einfamilienhäuser, Gebäude mit bis zu 10–11 Metern Höhe sowie eine aufgelockerte Baudichte zum Landschaftsrand hin.

Lärm, Emissionen und Altlasten: Fragen aus Politik und Bürgerschaft
In der Einwohnerfragestunde wurden Bedenken laut: Anwohner verwiesen auf mögliche Lärmemissionen durch das Eventhaus „Schloss 6“, Tennisplatz, Festplatz, Bikepark, Turnhalle und die Abwasserpumpstation. Ein Lärmschutzwall im Nahbereich könnte als aktive Schutzmaßnahme errichtet werden. Details stehen jedoch noch aus. Zudem wurde nach möglichen Altlasten im Bereich des Entruper Wegs gefragt. Hier befand sich vor Jahrzehnten eine Müll-Deponie. Über eine Bodenkontamination lägen keine Hinweise vor, teilte die Gemeindeverwaltung mit.
Auch in der politischen Diskussion spielte das Thema Infrastruktur eine zentrale Rolle. Rudolf Winkelhorst (FWG) begrüßte den Entwurf grundsätzlich und betonte die Bedeutung eines normalen Bebauungsplanverfahrens mit frühzeitiger Öffentlichkeitsbeteiligung. Der mehrgeschossige Wohnungsbau sei auch für Diestedde wichtig. Parteikollegin Verena Sadlau (FWG) äußerte dagegen Sorge, dass die Nähe zu den Sport- und Veranstaltungsflächen langfristig zu Einschränkungen führen könnte: „Werden Feste am Ende kaputtgemacht?“ Sie zweifelte zudem, ob der geplante Lärmschutz ausreichend sei.
Planer Alexander Fritz von Drees & Huesmann machte deutlich, dass mit dem Wohnen bewusst näher an bestehende Nutzungen herangerückt werde. Die Auswirkungen würden im weiteren Verfahren geprüft, mit offenem Ergebnis. Es könne auch sein, dass der dritte Bauabschnitt letztlich nicht realisiert werde. Andreas Tönnies von der Gemeindeverwaltung ergänzte, dass der dritte Bauabschnitt derzeit nicht im Regionalplan als Potenzialfläche enthalten sei. Das Konzept zeige zunächst lediglich, wie eine mögliche Entwicklung aussehen könnte und halte eine spätere Erschließung offen.
Klaus Grothues (CDU) lobte das „sehr gefällige“ Konzept und sprach von einem positiven Signal für Diestedde. Die Aufteilung in drei Abschnitte ermögliche eine bedarfsgerechte, schrittweise Entwicklung, gerade vor dem Hintergrund, dass in anderen Ortsteilen bereits größere Überzeichnungen erfolgt seien.
Trotz der offenen Fragen stimmte der Bauausschuss dem Beschlussvorschlag einstimmig zu. Damit ist der Weg frei, auf Basis des städtebaulichen Entwurfs einen Bebauungsplan zu erarbeiten und die Diskussion in den kommenden Verfahrensschritten zu vertiefen.
Foto/Text: B: Brüggenthies



