Wadersloh (mw/bb). Auf dem Schulhof des Johanneums an der Liesborner Straße herrscht ein lebhaftes Gewusel: Koffer rollen über das Pflaster, Trompeten, Gitarren und Instrumentenkoffer werden vorsichtig durch die Menge getragen, Stimmen hallen durcheinander. Zwischen den Gesprächen hört man das laute Rattern der Kofferrollen zwischen Neu- und Altbau, das leise Piepen von Smartphones und das Lachen der Schülerinnen und Schüler, die einander in die Busse lotsen. Auf der Checkliste werden die Namen abgehakt. Das Johanneum startet zur großen Schulfahrt nach Italien. Und alle kommen mit!



Gemeinsamer Reisesegen zum Aufbruch
Bevor die Busse abfuhren, trat die Schulgemeinschaft in der Aula zusammen. Schulseelsorger Pastor Frank Weile spendete den Reisesegen. In den Fürbitten wird für die Fahrt unter der warmen Sonne Italiens gebetet: um viele Erlebnisse für die Schülerinnen und Schüler, Geduld und Gelassenheit für das Kollegium, Neugier und Offenheit für Begegnungen unterwegs und um Gelassenheit für die Eltern und Angehörigen zu Hause. Für alle, die nicht mitreisen können, wünscht man eine gute Zeit und „dass sie von der Freude nicht ausgeschlossen sind“.




Der franziskanische Ameisenhaufen setzt sich in Bewegung, passiert das Tau-Kreuz an der Ausfahrt: 705 Menschen – Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Begleitpersonen – machen sich gemeinsam auf den Weg. Der große Höhepunkt zum 100-jährigen Bestehen der Schule steht vor der Tür. Nur noch 20 Stunden Busfahrt trennen die Reisenden vor einer historischen Schulwoche im Heimatland von Schulpatron Franziskus.
Die Schülerinnen und Schüler ziehen noch einmal ihre Jacken zurecht, während Eltern ein letztes Foto vor der Abfahrt knipsen. Spätestens jetzt wird allen bewusst, dass das große gemeinsame Abenteuer endlich losgeht. Auch die logistischen Dimensionen sind beeindruckend: 15 Reisebusse sind entlang der temporär extra gesperrten Liesborner Straße aufgestellt. Um 17 Uhr soll es mit Ziel Toskana losgehen. Ein 20-Stunden-Trip für rund 707 Personen.
Aufgeregte Vorfreude vor dem Jahrhundert-Ereignis…
Im Vorfeld beschrieb Schulleiter Wolfram Wenner die Stimmung wie folgt: „Alle sind irgendwie positiv aufgeregt. Aber natürlich auch ein bisschen: mal gucken, was kommt. Das ist eine große Nummer.“ Auch die Lehrkräfte seien voller Erwartung: „Die Vorbereitungen sollten jetzt abgeschlossen sein, das Programm steht.“


Die Schülervertretung teilt die aufgeregte Spannung und Vorfreude: Mirja Köhler und Jona Westkemper berichten vor der Abfahrt: „Wir sind auf jeden Fall sehr gespannt, was uns erwartet. So eine große Fahrt haben wir alle noch nie mitgemacht. Vor allem die lange Busfahrt – wir sind neugierig, wie das wird.“ Ihr Blick geht schon nach vorn: „Natürlich freuen wir uns auf Rom, Florenz und auf die Gemeinschaft im Camp. Die Papst-Audienz wird ein Highlight, aber auch einfach das Zusammensein mit allen. Das gibt es so nie wieder.“
Auch die Finanzierung der Reise war im Jahresverlauf ein gemeinschaftliches Projekt. Schulleiter Wolfram Wenner erklärt: „Wir haben im Vorfeld ein Crowdfunding organisiert, um möglichst allen Schülerinnen und Schülern die Teilnahme zu ermöglichen.“ Ein ehrgeiziges Vorhaben, das sich gelohnt hat: „Der Plan ist aufgegangen. Wir haben letzte Woche noch einmal überschlagen – und ja, wir sind stolz, dass wir es geschafft haben.“ Damit konnte die gesamte Schulgemeinschaft, unabhängig von den persönlichen Möglichkeiten, an diesem besonderen Jubiläumsereignis teilnehmen.
… mit vielfältigem Programm
Nach der Ankunft am Samstagmittag auf dem Campingplatz südlich von Florenz haben die Schülerinnen und Schüler zunächst Zeit, ihre Bungalows zu beziehen und sich ein wenig auszuruhen. Wer möchte, kann die Poolanlage nutzen, die für die Schule extra geöffnet wurde. Ein erster Moment zum Entspannen nach der langen Busfahrt. Am Sonntag geht es nach Florenz, wo die Oberstufenschüler die jüngeren Mitschüler durch die Stadt führen. Gemeinsam werden die Gassen erkundet, die Architektur bewundert und die italienische Atmosphäre genossen.
Montag wartet ein spiritueller Höhepunkt: Assisi. Die Schülerinnen und Schüler besuchen die berühmten Stätten rund um San Francesco, San Damiano und die Einsiedelei Carceri. Abends findet eine große Messe in der Basilika San Francesco statt, begleitet vom Schulorchester. Schulleiter Wenner verrät, dass das wohl sein persönlicher Höhepunkt im abwechslungsreichen Reiseprogramm sein wird: „Tatsächlich freue ich mich besonders auf Assisi. Rom ist beeindruckend, aber dort ist immer viel los. In Assisi haben wir die Kirche ganz für uns – das wird ein magischer Moment.“







Am Dienstag steht ein gemütlicher Ausflug nach San Gimignano auf dem Plan, eine kleine Stadt mit zwei weltmeisterlichen Eisdielen. Die Schülerinnen und Schüler können durch die Gassen schlendern, Gelato naschen und mittelalterliche Türme bewundern. Der Mittwoch beginnt früh mit der Fahrt nach Rom. Dort nimmt die Schule an einer Papst-Audienz teil, bevor die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der „Ewigen Stadt“ bei einem Rundgang erkundet werden. Am Donnerstag bereitet die Schulgemeinschaft die Abreise vor, packt die Bungalows und die Busse. Am Freitagmorgen endet die Reise mit der Rückkehr nach Wadersloh. Voraussichtlich erschöpft, aber reich an Erfahrungen und Erinnerungen, die noch lange nachklingen werden.
Ein Sonnengesang gegen die Regenwolken
Dass die Fahrt unvergesslich wird, daran zweifelt kaum jemand. Ein kleiner Unsicherheitsfaktor bleibt das Wetter. „Über Florenz war gestern noch eine Regenwolke“, berichtet Wenner. „Die müssen wir bis Sonntag wegbekommen.“ Notfalls hilft vielleicht der ein oder andere Franziskanische Sonnengesang oder eine Regenjacke: Die Schulgemeinschaft des Johanneums ist in jedem Fall vorbereitet. Ein Banner mit dem Logo des Johanneums reist mit und wird bei den Etappen als sichtbares Zeichen des Zusammenhalts aufgestellt – auch bei der Papst-Audienz in Rom. „Damit jeder weiß: Das Johanneum ist da – und der Papst auch weiß, wo Wadersloh liegt“, lacht Wenner.

Und so rollten am Freitagabend 15 Busse voller Erwartung, Aufregung und Vorfreude in Richtung Süden. Eine ganze Schule unterwegs, um 100 Jahre Geschichte mit einer gemeinsamen Erinnerung zu feiern. Das Abenteuer Italien beginnt!
Fotos/Text: B. Brüggenthies, zus. Foto: W. Wenner (1)



