Oelde-Stromberg (mw/bb). Mit dem frühen Klang der Glocken der Heilig-Kreuz-Kirche auf dem Stromberger Burgberg begann am Sonntag (29. Juni) der erste Wallfahrtssonntag des Jahres als festlicher Auftakt zur Wallfahrt zum Heiligen Kreuz. Unter dem Leitwort des von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahres 2025 „Pilger der Hoffnung“ versammelten sich die Gläubigen bereits um 6.30 Uhr zur Pilgermesse in der Heilig-Kreuz-Kirche, bevor sich um 7.30 Uhr die feierliche Große Kreuztracht durch die Gassen Strombergs bewegte. Zum Höhepunkt des Tages wurde das festliche Hochamt um 10.30 Uhr, das auf den Stufen der Wallfahrtskirche gefeiert und parallel live auf YouTube übertragen wurde.
Für Pfarrer Mike Netzler, seit Kurzem leitender Pfarrer in Oelde, war die Wallfahrtsmesse am historischen Burgplatz eine besondere Premiere. Seine bewegende Predigt war zugleich eine Art Liebeserklärung an das Burgdorf: Für ihn, so sagte er zu Beginn, sei Stromberg ein besonderer Ort, der ihn seit einer Wallfahrt in der Studienzeit innerlich tief berühre. Nun, als Seelsorger vor Ort, könne er diesen Ort quasi mit dem Fahrrad erreichen. „Einfach cool“, kommentierte er augenzwinkernd.
Petrus, Paulus und das Kreuz
Seine Predigt gestaltete Pfarrer Mike Netzler mit Humor, Tiefe und Nahbarkeit. Das Hochfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus (traditionell am 29. Juni gefeiert) bot Anlass, über die Kreuzesnachfolge, menschliche Schwächen und göttliche Berufung zu sprechen. Netzler schlug einen Bogen vom impulsiven Petrus, der auf dem Wasser zu versinken droht, bis zum gelehrten Paulus, dessen radikale Wandlung vom Christenverfolger zum Apostel zentrale Botschaft des Evangeliums wurde. Die Essenz seiner Predigt war klar: Nicht Perfektion, sondern das aufrichtige Ringen um den Glauben mache die Heiligen aus und eben auch uns: „Ich wünsche uns allen, dass wir immer den Mut haben, mit unserem ganzen Leben vor Gott zu treten. Vor Gott muss man nicht perfekt sein. Das ist ja auch so ein komischer Wahn, als ob immer alles heilen und perfekt sein muss und man sich erst vor Gott nur sehen lassen kann, wenn alles gut ist. Nein, ganz im Gegenteil. Es geht darum, mit allem zu ihm zu kommen und sich dann wandeln zu lassen„, betonte Netzler.
Besonders hervorgehoben wurde die spirituelle Tiefe des Wallfahrtsorts Stromberg selbst: „Hier kann man noch alleine vorm Kreuz sitzen“, so Netzler über die besondere Atmosphäre der Heilig-Kreuz-Kirche. In Abgrenzung zu großen Pilgerstätten wie Kevelaer lobte er die Möglichkeit der persönlichen Andacht in Stromberg – das stille Betrachten des Gekreuzigten. „[…] Dieser Blick, der ist so unendlich kostbar. Ich glaube, mit der wichtigste Blick für Glaubende überhaupt und das ist ein Geschenk, dass wir ihn hier an diesem so ganz besonderen Ort zelebrieren dürfen, muss man wirklich sagen, hier stimmt ja alles drumherum. Dieser wunderbare Burgberg, diese wunderbare Aussicht hinter der Kirche, wo man dann in die Weite gucken kann, nachdem man sich davor in die Stille hat führen lassen.“



Die in der Predigt herausgestellte Verbindung von (spiritueller) Weite und landschaftlicher Schönheit machten das Hochamt zu einem ergreifenden Erlebnis für viele Pilgerinnen und Pilger, unter denen sich auch Gruppen aus Scheidingen, Büderich, Herzebrock, Bottrop und zahlreiche Einzelpilger befanden. Bereits am Vortag hatten sogar einige Radpilger ihren Weg nach Stromberg gefunden. Zur festlichen Stimmung des 1. Wallfahrtssonntag trug maßgeblich der Gospelchor „Go(o)d News“ (Leitung: Wilfried Thorwesten) bei, der zudem mit neuen Tönen überraschte. Neben traditionellen Kirchenliedern erklangen moderne, hoffnungsvolle Töne. Mit „Bring me little water, Silvy“ feierte ein nordamerikanischer Folksong Einzug in das Repertoire des Gospelchors. Die Musik wurde mit viel Applaus bedacht.
Nach dem Gottesdienst wurde zum gemütlichen Beisammensein vor dem Mallinckrodthaus eingeladen. Neben geistiger Stärkung gab es hier auch leibliches Wohl – ein kulinarischer Ausklang eines rundum gelungenen Pilgertags. Pfarrer Georg-Michael Ehlert dankte allen, die zum Gelingen beigetragen hatten: „Ein herzliches Dankeschön dafür, dass Sie immer wieder kommen und hoffentlich als Pilger der Hoffnung diesen schönen Ort dann auch weitersagen, dass man auch zwischendurch hier hinkommen kann.“
Ausblick auf den zweiten Wallfahrtssonntag
Am 2. Wallfahrtssonntag (6. Juli) wird Schwester Teresa Zukic predigen. Sie ist bekannt aus Funk, Fernsehen und als Autorin. Mit lebensnahen Botschaften und mitreißender Energie lädt sie zum Glauben im Alltag ein. Die musikalische Begleitung übernimmt der Kammerchor St. Lambertus. Die Pilgermesse wird erneut LIVE übertragen.
Fotos/Text: B. Brüggenthies

