Wadersloh (mw/bb). Wie bringt man den Philosophen Platon, den Hl. Franz von Assisi und James Bond unter einem Hut? Das Johanneum macht es möglich und gibt dem Jubiläumsentlassjahrgang noch eine gehörige Portion Zukunftsmut mit auf den weiteren Lebensweg. Die diesjährige Entlassfeier der Abiturientia 2025 am Gymnasium Johanneum war ein würdevoller Abschluss und ein Appell an die jungen Menschen, mutig in die Welt hinauszutreten und dabei stets kritisch, eigenständig und wertebewusst zu handeln. Vor der Feststunde in der Aula feierten die 71 Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Familien und begleitenden Lehrerinnen und Lehrern einen Festgottesdienst in der Basilika St. Ida in Herzfeld.



Das diesjährige Abiturmotto „Casino Royale“ (in Anlehnung an den gleichnamigen James-Bond-Film) ließ auf den ersten Blick an Spieltische, Risiko und Glamour denken, aber schnell wurde deutlich: Es steht sinnbildlich für das Leben selbst. Wie der Vorsitzende der Jahrgangsstufenpflegschaft Thorsten Gövert betonte, sei das Leben kein Glücksspiel, sondern eine Balance zwischen Verantwortung, Fairness und Mut. Seine Botschaft an die jungen Erwachsenen: „Jede Runde im Casino erfordert Einsatz. Sei es Zeit, Energie oder Überzeugung. Für unsere Kinder war die Schulzeit eine Phase des Einsatzes, des Lernens und der persönlichen Entwicklung. Von heute an, an diesem besonderen Tag, feiern wir die Belohnung für all diese Anstrengungen.“ Die Schülerinnen und SChüler haben um jeden Punkt gepokert und können nun mit dem Abi-Zeugnis in der Tasche die nächste Mission angehen.
Zwischen Platon und Popkultur: Die Welt außerhalb der „Aula-Bubble“
In seiner bildgewaltigen Begrüssungsansprache führte Schulleiter Wolfram Wenner das antike Höhlengleichnis Platons in die Gegenwart. Die Aula als Leinwand des vermeintlichen Lebens – davor junge Menschen, die nun eingeladen sind, nach draußen zu treten und das „wahre Leben“ zu entdecken. Ein kraftvoller Appell an philosophisches Denken und an die Eigenverantwortung im digitalen Zeitalter. „Seid variabel. Seid bunt. Seid Teil einer bunten Welt“, sagte Wenner.
In die gleiche Richtung ging es auch beim Grußwort von Maria Eilhard-Adams, stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Wadersloh. Sie zog eine Parallele zu Goethes „Zauberlehrling“. In einer Zeit, in der künstliche Intelligenz vermeintlich alles kann, sei die wichtigste Fähigkeit das kritische, eigenständige Denken. „Warum sollte man mit den heutigen und zukünftigen Möglichkeiten – so wie der Zauberlehrling vor 200 Jahren – das sprichwörtliche Wasser überhaupt noch selber tragen? Warum sollt ihr noch Sprachen lernen, wenn beliebige Texte bequem von künstlicher Intelligenz übersetzt werden können? Warum müsst ihr euch noch um Rechtschreibung oder einen guten Schreibstil bemühen, wenn auch die Autokorrektur das übernehmen kann?“, frage sie rhetorisch und stellte dann heraus: „Die Antwort auf diese Frage ist so simpel wie ernüchternd: weil auch die vermeintlichen Heilsbringer der KI euch in eurem Leben nicht die wichtigsten Fähigkeiten abnehmen werden, die ihr euch in den vergangenen zwölf Jahren mühevoll angeeignet habt – das eigenständige Denken und das kritische Denken.“
Hermann Krumkamp, Vorsitzender des Schulträgervereins, stellte heraus, dass der Tag nicht nur ein Meilenstein für die Abiturientinnen und Abiturienten sei, sondern aufgrund des Jubiläumsjahres noch besonderer sei: Das Johanneum feiert 100 Jahre Bestehen. „Mehr geht nicht“, sagte er. Und doch gehe es genau jetzt weiter: Mit Eigenverantwortung, Zielorientierung und Menschlichkeit als Wegbegleiter. Seine Worte erinnerten daran, dass Bildung weit über Fachwissen hinausgeht: „Das Leben ist wie Fahrradfahren – um das Gleichgewicht zu halten, muss man in Bewegung bleiben„, zitierte er Albert Einstein.
Die Schülervertretung und die Abiturientia selbst blickten in ihren Ansprachen auf acht gemeinsame Jahre zurück. Jahre voller Hausaufgaben, spannenden Stufenfahrten, Diskussionen und Freundschaften. Aber auch Jahre, in denen (Schul-) Bäume gepflanzt wurden, die nun sinnbildlich weiter wachsen, auch wenn sich die Wege trennen. „Ihr habt gezeigt, was Durchhaltevermögen, Zusammenhalt und Zielstrebigkeit bedeuten“, sagten Mirja Köhler und Jona Westkemper von der Schülervertretung.




Die Abiturientinnen Randi Holtmann und Ellen Seinsche riefen in ihrer emotionalen Rede ins Gedächtnis: „Nicht nur wir werden Spuren am Johanneum hinterlassen, sondern vor allem hat das Johanneum in den letzten Jahren Spuren bei uns hinterlassen.“ Dabei dankten sie stellvertretend für ihre Mitschüler den Eltern, Lehrerkollegium und insbesondere auch der Schulsekretärin Yvonne Panreck: „Wir sind zusammen durch Höhen und Tiefen gegangen, haben Freundschaften fürs Leben geschlossen und vieles gelernt. Das haben wir aber nur mit Hilfe der Menschen geschafft, die uns auf unserem Weg begleitet haben. Und denen möchten wir heute auch danken.“ Abschließend fassten die beiden Schülerinnen zusammen: „Und so stehen wir heute hier. Wir haben unser Abitur bestanden und wir schauen in eine ungewisse, aber vor allem aufregende und schöne Zukunft. Aber bevor wir unsere Zukunft planen, lasst uns heute feiern.“
Die musikalische Begleitung der Abiturfeier übernahm das Schulorchester unter Leitung von Martin Große Hundrup: Von den rockigen Klängen der „Seven Nation Army“ zu Beginn bis zu „Skyfall“ (hier eine erneute Referenz an das James-Bond-Filmuniversum) als dramatischen Schlusspunkt. Die Übergabe der Abiturzeugnisse bildete den Höhepunkt der Entlassfeier. Der abschließende Sektempfang bot Gelegenheit für Gespräche und Erinnerungsfotos an die gemeinsame Schulzeit. Wie James Bond hat der Abiturjahrgang 2025 mit Mut und Entschlossenheit die Mission „Schule“ erfolgreich abgeschlossen. MW gratuliert und wünscht den jungen Menschen alles Gute für die Zukunft: Herzlichen Glückwunsch, Abiturientia 2025.
Fotos/Text: B. Brüggenthies







