Wadersloh / Diestedde (mw/bb). In der Sitzung des Bauausschusses der Gemeinde Wadersloh wurde am Montagabend ein bemerkenswertes Projekt vorgestellt, das die Zukunft des Wohnens in Diestedde maßgeblich prägen könnte: Die Geschwister Manuela und Michael Scholz präsentierten ihre Vision, ein in die Jahre gekommenes Gebäude in ein seniorengerechtes Haus umzuwandeln. Die „Werk2“ benannte Immobilie an der Kettelerstraße dient derzeit noch als Werkstatt und Lager der Firma Scholz und soll zu Ehren ihres 2022 verstorbenen Vaters Gerhard Scholz, dem das alte Gebäude immer sehr am Herzen lag, nun eine nachhaltige Nachnutzung bekommen.
Ein nachhaltiges Zuhause für die Gemeinschaft
Unter dem Motto „Zusammen ist man weniger allein“ sollen in dem charmanten, ehemaligen Scheunenbau, der viele Jahre als Bauhof und zuletzt als Werkstatt der Familie Scholz diente, mehrere kleine Wohneinheiten für Senioren entstehen. Innenarchitektin Manuela Scholz erläutert das Konzept: „Wir sehen in unserem privaten Umfeld, dass viele große Häuser von nur einer Person bewohnt werden. Die daraus resultierende Einsamkeit bewegt uns. Unser Ziel ist es, ein lebendiges, gemeinschaftliches Umfeld zu schaffen.“
Das Projekt sieht vor, den Bestandsbau an beiden Seiten durch Wohneinheiten zu erweitern, wobei links kleinere und rechts größere Einheiten geplant sind. Im hinteren Bereich des Grundstücks sind Grünflächen und Parkmöglichkeiten vorgesehen. Der Fokus liegt insgesamt auf einer harmonischen Bebauung, die das Dorfbild bereichert. Seit Jahrzehnten ist das markante Gebäude vor allem den Schülerinnen und Schüler der benachbarten Grundschule vertraut.
Ein besonderes Augenmerk wird beim geplanten Um- und Anbau auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz gelegt. Das Konzept umfasst einen Holzbau mit Gründach, die Nutzung von Erdwärme und die Verwendung von PU-freien Dämmstoffen. „Unser Ziel ist es, so klimaneutral wie möglich zu bauen und den bestehenden Bau sinnvoll zu nutzen“, betonte Michael Scholz.
Das Gebäude soll einen gemeinsamen Wohnbereich, einen Aufzug und barrierefreie Erschließungen und Bäder bieten. Geplant sind auch ein Büro für einen Pflegedienst, ein Gästeappartement und optional ein Bereich für Physiotherapie. „Wir wollen einen Ort schaffen, an dem Gemeinschaft und Fürsorge im Vordergrund stehen, sowohl für Alleinstehende als auch für Ehepaare“, fügte Manuela Scholz zu dem seniorengerechten Konzept hinzu. Sie und ihr Bruder berichteten von ihrer Kindheit in der nahegelegenen Papenbreede, die früher sehr kinderreich und dadurch lebendig war. „Heute gibt es in der Straße viele alleinstehende Menschen in großen Häusern. Der Wohnraum für Familien ist hingegen knapp“, so die Geschwister Scholz zu ihrer Vision einer Senioren-WG im Herzen des Ortes.
Bauausschuss bewertet Bauvorhaben als sozial und nachhaltig
Die Reaktionen im Bauausschuss waren durchweg positiv. Maria Eilhard-Adams (CDU) und Rudolf Winkelhorst (FWG) lobten das Projekt für seine innovativen Ansätze und den Fokus auf Gemeinschaft und Nachhaltigkeit. Fragen bezüglich der Erschließung und Mietkonditionen wurden von den Geschwistern Scholz aufgenommen und diskutiert. Norbert Morfeld, der am Montag Bürgermeister Thegelkamp im Ausschuss vertrat, betonte, dass der Bauausschuss das Projekt näher kennenlernen solle und erwähnte, dass Grundstücksverhandlungen bereits in Vorbereitung seien.


Kommentar: Ein Zukunftsprojekt mit Herz
Das Projekt rund um das „Werk2“ an der Kettelerstraße ist mehr als nur eine Baumaßnahme; es ist ein Zeichen des Miteinanders und Nachhaltigkeit in Diestedde. Nachdem in letzter Zeit vor allem im Ortsteil Wadersloh viele alte Häuser den Abrissbaggern zum Opfer gefallen waren, besteht in Diestedde die einmalige Chance, einem alten Gebäude neues Leben einzuhauchen. Einsamkeit im Alter zu reduzieren und gleichzeitig Wohnraum für Familien zu schaffen? Das klingt einfach nach einem perfekten Plan. Denn die alleinstehenden Senioren und älteren Ehepaare verlassen ihre großen Häuser zugunsten einer kleineren Wohnung, in der sie Gemeinschaft und bei Bedarf Pflegepersonal vor Ort haben und können trotzdem in ihrem gewohnten Dorfumfeld bleiben. Die frei werdenden Einfamilienhäuser schaffen Wohnraum für Familien. Ein zukunftsweisendes Projekt, das zu einem lebendigen und integrativen Gemeinschaftsgefühl beitragen kann. Jetzt fehlt in Diestedde eigentlich nur noch ein kleiner Lebensmittelmarkt im Dorf.
Fotos/Text/Kommentar: B. Brüggenthies




