Liesborn (mw/bb). Der Liesborner Heimatvereinsvorsitzende Ekkehard Schulze Waltrup hatte am Mittwochabend ein Leuchten in den Augen. Das lag aber nicht (nur) an dem Weihnachtsbaum im Eingangsbereich seiner heimischen Deele, sondern auch den besonderen Gästen, die anlässlich der Vorstellung des Sonderhefts „Die Bauerschaftsschule in Liesborn-Suderlage“ geladen waren.
Man mag kaum glauben, dass die gemeinsame Schulzeit schon ein halbes Jahrhundert zurückliegt. In ihrem 166. Bestehensjahr wurde die Bauerschaftsschule im Jahr 1969 geschlossen. Doch die Erinnerung an die unbeschwerte Zeit haben die Schülerinnen und Schüler bis heute. Vor anderthalb Jahren hatte Ekkehard Schulze Waltrup die Idee, die lebhafte Geschichte der Schule zu Papier zu bringen. Rektor a.D. Klaus Luig (Bad Waldliesborn) bot sich als Autor an und gemeinsam mit dem Heimatverein Liesborn sowie finanzieller Unterschützung des Heimatscheck-Programms des Landes NRW wurde aus der Idee ein lesenswertes Nachschlagewerk mit zahlreichen Texten und Abbildungen.
Die Titelseite zeigt die Schule – die im Zuge der Gebietsreform heute auf Bad Waldliesborner Grund steht- im Jahre 1950. Vor dem Eingang steht eine Kutsche, die sich auf den Weg nach Lippstatd machte. Mit auf dem Bild: Maria, Wilhelma und Mechthild – die Töchter des Lehrers Willebrand (Lehrer von 1933-1966!)- sowie Heinz und Hermann Küsterameling. „Zu dieser Zeiten hatten die Schüler noch viele Freiheiten“, erinnerte sich die letzte Lehrerin der alten Schule, Maria Erichlandwehr (geb. Mittrup). Sie ist die einzige noch lebende Lehrkraft der „Alten Schule“ und erinnerte sich gerne zurück an die Zeit.
Gegründet wurde die Schule 1803 – im gleichen Jahr der Auflösung des Benediktiner-Abtei Liesborn. Der Zufall wollte es, dass der Mönch Ludgerus Jungeblodt nicht mehr zu einem Kloster wechseln wollte und stattdessen die Bauerschaftsschule (heute: Brinkhoff am Jagdweg) errichtete und fortan ehrenamtlich die Kinder der Bauerschaft unterrichtete. 1809 ließ der damalige Pfarrer Hüffer dann ein neues Schulgebäude erbauen und die Geschichte nahm ihren Lauf. Der letzte Einschulungsjahrgang (1968/1969) und die Ü-85-Jährigen Ehemaligen kamen nun zusammen und erinnerten sich gemeinsam an eine bewegte Schulzeit. Diese lebt fort in einem 40 Seiten starken Sonderheft, welches den damaligen Schulalltag darstellt. Die „Alte Schule“ in Suderlage war in ihrer Zeit ein geistiger und soziologischer Mittelpunkt der Bauerschaft und lebt auch 50 Jahre nach ihrer Schließung fort. Heute ist das Schulgebäude von einst in privater Hand.
Das bebilderte Sonderheft ist ab sofort zu einem Kostenbeitrag von 4,- Euro beim Heimatverein Liesborn erhältlich. Ebenfalls kann es beim kommenden Krinkabend am 15. Januar 2020 (19 Uhr) im Hubertushof Bad Waldliesborn käuflich erworben werden.
Fotos/Text: Brüggenthies


