Zum Abschied von Pastor Frankline – „Priester sein ist mein Leben“ [PRESSEMITTEILUNG]

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Wadersloh (pbm/acl). Ein Beitrag von Ann-Christin Ladermann (Bistum Münster). Wehmut liegt in seinem Blick, wenn Frankline Anyanwu aus dem Fenster seiner Wohnung mitten in Liesborn hinausschaut. In unmittelbarer Nähe zur Abteikirche und dem Museum hat er die vergangenen vier Jahre gewohnt. „Ich mag es, in einem Dorf zu leben – kurze Wege, jeder grüßt jeden“, sagt der 39-jährige Nigerianer. Anfang des kommenden Jahres wird sich das zwar ändern, doch seine Augen leuchten, wenn er an die Herausforderungen denkt, die auf ihn warten. Anyanwu übernimmt die Leitung der afrikanischen Gemeinde im Bistum Münster und zieht dafür in die Domstadt. An der Universität in Münster wird er zudem ein Studium aufnehmen und eine Promotion in Theologie anstreben. Am Sonntag, 30. Dezember, wird er in der Pfarrei St. Margareta in Wadersloh verabschiedet.

Pastor Frankline beim Pfarrfest 2017 in Liesborn

„Priester sein ist mein Leben“, sagt der Afrikaner. Seit einer kurzen Begegnung mit dem Heimatpfarrer, da war er sechs Jahre alt, weiß Anyanwu, dass er Priester werden möchte. „Als Kind habe ich immer genau verfolgt, was am Altar passiert“, berichtet er. Dem damaligen Pfarrer sei das Interesse des kleinen Jungen aufgefallen. „Möchtest Du Priester werden?“, habe er einmal gefragt. Die Faszination war geweckt, seit seiner Erstkommunion 1988 hat Frankline Anyanwu nur dreimal einen Sonntagsgottesdienst verpasst.

Auch wenn seine Eltern ihn stets unterstützt haben, die Entscheidung für das Priesteramt ist ihm nicht leicht gefallen. „Mama und Papa haben bewusst nur sechs Kinder bekommen – für afrikanische Verhältnisse ist das wenig –, um alle optimal fördern zu können“, blickt der 39-Jährige zurück. Alle seine Geschwister hätten Karriere gemacht, das Priesteramt dagegen sei eine Berufung und nicht mit einer Karriere gleichzusetzen. „Aber das ist Gottes Plan für mich“, betont Anyanwu. Mit elf Jahren zog er dafür in ein Internat, studierte Philosophie und Theologie und wurde 2008 in Nigeria zum Priester geweiht. Neben seiner Tätigkeit als Kaplan und später als Pfarrer, leitete er zudem ein Gymnasium.

Pastor Frankline bei der Segnung des Adventbasars des Missionskreises

Schon als Kind hatte er in einem Steckbrief seinen Wunsch festgehalten, irgendwann einmal eine neue Sprache zu lernen. Dass es 2014 gleich die „schwere deutsche Sprache“ werden sollte, damit hatte Anyanwu nicht gerechnet. Viel habe er vorher über das europäische Land gelesen, das in seiner afrikanischen Heimat mit Qualität gleichgesetzt wird. „Ich habe großen Respekt vor Deutschland“, sagt der Geistliche. Hier angekommen, lernte er zunächst zehn Monate in der Akademie Klausenhof in Hamminkeln Wörter und Grammatik, bevor er im Oktober 2014 als Kaplan nach Wadersloh kam.

Ein Glücksfall für den damals 35-Jährigen. „Ich habe nur schöne Erfahrungen hier gemacht“, blickt er dankbar zurück. So viel Verständnis und Unterstützung seien ihm entgegengebracht worden – sowohl vom Seelsorgeteam unter der Leitung von Pfarrer Martin Klüsener als auch von den Gemeindemitgliedern. Durch seine Wohnung in Liesborn sei er vor allem für die Gruppen und Verbände in der dortigen Gemeinde Ansprechpartner gewesen. „Die Menschen hier haben mir ein wunderbares Bild von Deutschland vermittelt“, sagt er. Für ihn steht fest: „Die Beziehungen nach Wadersloh und Liesborn möchte ich weiter pflegen.“

Mit Blick auf seine neue Aufgabe als Leiter der afrikanischen Gemeinde im Bistum ist Anyanwu überzeugt: „Ich trete in große Fußstapfen.“ Pfarrer Dr. Sylvester Ihuoma, der eine neue Aufgabe in Basel übernommen hat, kommt ebenfalls aus Nigeria, sogar aus demselben Bistum. „Ich kenne Sylvester gut, er war mein Lehrer“, berichtet Anyanwu. Alles, was sein Vorgänger aufgebaut hat, möchte der 39-Jährige fortführen, besonders den Beitrag zur Integration, den die Gemeinde mit ihrer Arbeit leistet. Kontakt zu geflüchteten Landsleuten hatte Anyanwu bereits in Wadersloh. Er weiß, wie wichtig Sprache und Bildung sind, um in Deutschland anzukommen.

Gleichzeitig möchte er die junge Generation der Gemeinde ansprechen, die teilweise bereits in Deutschland geboren sei. Es gelte, gemeinsam die deutsche Kultur zu erlernen, ihnen aber auch die afrikanischen Wurzeln zu vermitteln. „Sie sollen sich wohlfühlen“, ist Anyanwu wichtig. Eine Frage, vor der nicht nur die deutsche, sondern auch die afrikanische Kirche steht, wird ihn dabei begleiten: „Wie können wir Kindern den Glauben vermitteln?“ Eine Antwort hat Frankline Anyanwu bereits: „Nur mit Gottes Hilfe.“

Autorin:  Ann-Christin Ladermann (Bistum Münster), Fotos: B. Brüggenthies

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