Liesborn (mw/bb). Es ist ein Bild, das sich in Liesborn tief einprägen wird: 15 Meter ragt der neue Fahnenmast aus der Turmspitze der Abteikirche Liesborn in den Himmel, er trägt eine fünf Meter lange Schützenfahne, die im Wind sichtbar über dem Dorf flattert. Ein Zeichen, das weit hinausstrahlt und zugleich tief in die Geschichte des Liesedorfs und seiner Schützentradition zurückreicht. Die Fahne auf dem Kirchturm des Golddorfs wirkt eigentlich wie eine Selbstverständlichkeit. Das war sie auch! Bereits 1789 wurde die besondere Tradition eingeführt und musste erst vor einigen Jahren aus Sicherheitsgründen zunächst beendet werden. Nun ist die Fahne samt High-Tech-Mast zurück: Modernisiert, technisch neu gedacht und doch im Kern unverändert: Die Schützenfahne als sichtbares Zeichen des Dorflebens.

Das Liesedorf zieht an einem Strang
Dass die Fahne wieder weht, ist kein Zufall, sondern Ergebnis monatelanger Arbeit vieler Hände. Eine Bürgerinitiative, der Schützenverein Liesborn e.V. und der Heimatverein Liesborn e.V. haben gemeinsam mit Sponsoren und Unterstützern das Projekt getragen. Vollständig finanziert wurde es über Spenden und bürgerschaftliches Engagement. Die Botschaft ist klar: In Liesborn funktioniert das Dorfleben noch. Und genau das macht diese Konstruktion zu mehr als einem technischen Projekt, auch wenn der Bau am Limit des Möglichen erfolgte und viel Know-How forderte. Umgesetzt wurde das anspruchsvolle Vorhaben von der Firma Demandt Stahl- und Maschinenbau GmbH. Geschäftsführer Philipp Demandt und Heinz-Josef Demandt entwickelten gemeinsam mit ihrem Team eine Lösung, die den besonderen Bedingungen des Kirchturms gerecht wird: Flache Turmspitze, enge Zugänge, höchste statische Anforderungen. Die Lösung: Ein dreiteiliger, ineinandergeschobener 15-Meter-Aluminiummast, der als Gesamtkonstruktion elektrisch in einem Stück nach oben gefahren wird. Ein technisches Unikat in dieser Form – zumindest in der näheren Umgebung.



Ein Detail aus der Bauphase bleibt sinnbildlich: Der erste Versuch, die Dimensionen im Turm zu erfassen, scheiterte schlicht an den engen Strukturen. Am Ende wurde jedes Element einzeln durch die historische Konstruktion aus Holz und Stein geführt, vorbei an Jahrhunderte alter Bausubstanz. Die alten Holzteile der früheren Konstruktion bleiben aus denkmalpflegerischen Gründen im Turm zurück. Sie erzählen weiter Geschichte, während das Aluminium sie nun fortschreibt.
Der Moment, als die Fahne wieder in den Himmel zog
Im Abteiturm selbst wurde das Projekt zur Herausforderung mit Höhenmetern und Geschichte zugleich. Davon überzeugten sich auch die Zeitzeugen: Über Holzleitern, enge Zugänge und vorbei an den Glocken der Abtei bewegten sich kleine Gruppen durch das Innere des historischen Bauwerks, um Teil des historischen Moments zu werden. Unter den Anwesenden: Der Vereinsvorsitzende Werner Tyrell, Vertreter der Kirche, Schützenbrüder und -schwestern, Sponsoren, Medien und viele, die dieses Projekt über Monate begleitet haben und nun voller Spannung auf den ersten offiziellen Einsatz des neuen Fahnenmastes warteten.




Christoph Voss, Thomas Schulze-Fröhlich und Jürgen Rühl meldeten sich im Vorfeld für die ehrenvolle Aufgabe, die Konstruktion erstmals offiziell elektrisch in Bewegung zu setzen. Stück für Stück schob sich der Mast aus der Turmspitze. Sichtbar für das ganze Dorf. Unten vor dem Hauptportal von SS. Cosmas und Damian richteten sich die Augen in Höhe. Sichtbar gerührt zeigten sich die Anwesenden vom geglückten Herausfahren. Im Himmel schaute derweil ein Vogel von oben herab auf den Hahn auf der Kirchturmspitze und das flatternde XXL-Schützenfest-Emblem. Die Fahne ist endlich zurück!
Tradition bleibt nur dann lebendig, wenn Menschen sie gemeinsam tragen
Die neue Fahne steht fortan auch für Kontinuität und Gemeinschaft in einem Ort, der seine Geschichte nicht (nur) archiviert, sondern weiterführt und stolz auf seine Abtei mit all ihren Gebäuden und den dörflichen Traditionen ist. Werner Tyrell brachte es sinngemäß auf den Punkt: Vielleicht sei es ein besonderer Moment, vielleicht sogar ein kleines Wunder. Sicher aber ein Zeichen dafür, dass Tradition nur dann lebendig bleibt, wenn Menschen sie gemeinsam tragen. Nur so können in vielen Jahrzehnten die Leute stolz auf das Erreichte zurückblicken, so hofft es der Liesborner zumindest. Eine Fahne, die wieder weht. Ein Turm, der wieder ein von weitem sichtbares Zeichen setzt. Und ein Dorf, das zeigt, was entsteht, wenn viele zusammenarbeiten.




Wenn nun an diesem Wochenende die Besucherinnen und Besucher zum Liesborner Schützenfest kommen, wird ihr Blick unweigerlich nach oben gehen. Zur Abteikirche, zum Mast, zur Fahne. Und vielleicht bleibt genau dieser Eindruck: Hier weht nicht nur Stoff im Wind, sondern Geschichte, die weitergeschrieben wird. Horrido!
Fotos/Text: B. Brüggenthies
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