Liesborn (mw). Am Samstagabend wurde das Publikum beim dritten Konzert des 55. Kammermusikfestivals der Liesborner Museumskonzerte mit dem Programm „Klassik:Unlimited“ durch das Passo AvantiQuartett mit ihren musikalischen Interpretationen überrascht. Der Name des Ensembles bedeutet „Klassik Kopf“ (italienisch wörtlich „der Schritt vorwärts“). Die Gruppe hat es sich entsprechend zum Ziel gesetzt, klassische Musik in eine neue zeitgemäße Form zu bringen. So bescherten die Musiker dem Publikum einen Abend voller Neuentdeckungen und musikalischer Witze, wobei bekannte Stücke in neuen Klängen und Improvisationen zu hören waren.
Der Musiker Alexander von Hagké ist im Quartett für Programme, Bearbeitungen und Arrangements zuständig. „Die Werke werden nach dem Charakter ausgesucht, entscheidend ist doch die Melodie“, so erläutert er die Vorgehensweise. Vokalstücke aus Opern sowie Orchester- oder Klavierwerke werden neu interpretiert und erhalten eine neue Vision, neue Formen und Fassungen. Bei der Probenarbeit wächst das Stück weiter und so entstehen zwei bis drei Versionen. Derzeit befinden sich im Repertoire etwa 60 Stücke. Beim Konzert entstehen auch spontan freue Improvisationen. Es ist ein ständiger Schaffensprozess. „Unser Ziel ist Inspiration“, erklärt Alexander Hagké – „es wird nicht nur nach Noten gespielt“.
Alle Musiker leben in München, spielen im Orchester und proben projektweise für die Konzertauftritte. Jeder hat eine klassische Ausbildung, die anschließend mit Jazz- und Improvisationsbildung ergänzt wurden. Vlad Cojocaru, ein moldawischer preisgekrönter Akkordeonist und Komponist trat als erste Stimme auf. Alexander Hagké spielte auf zwei Klarinetten und zwei Flöten (Querflöte und Piccolo), den Cellopart übernahm der hochwertige Streicher Eugen Bazijan. Der Gitarrist Lucas Campara Diniz aus Brasilien spielte im Wechsel eine klassische und eine E-Gitarre, um passend zu den Stücken verschiedene Klänge zu erzeugen. Der musikalische Leiter Jörg Lopper erläuterte zu Beginn, wie er die Interpreten für die Konzertreihe gewinnen könne. „Ich beobachte die Künstler und so führen die persönlichen Kontakte gute Musiker immer wieder nach Liesborn“. Die erfolgreiche Suche bestätigte sich auch an diesem Abend.
Zum Auftakt des Konzerts erklangt ein Chorstück aus der Alter Musik des 15. Jahrhunderts von Josquin Desprez. Nach einem klassischen Choral vveränderte sich der Charakter durch einige Jazz-Elemente, Akkorde und Rhythmen, die das Publikum positiv aufnahm.
Nach und nach entdeckten die Zuhörer bekannte Stücke im neuen Klang und Rhythmus. Leopold Mozarts Menuett bekam unerwartet den Ton einer Computermusik mit elektronischen Klängen. Dafür sorgte besonders die Elektrogitarre, aber auch die anderen Instrumente, die diesen Stil imitierten. Nach diesem ungewöhnlichen Einstieg wurde jedoch die bekannte Fassung vorgetragen. Zwei bekannte Stücke aus Edward Griegs „Peer Gynt“ – Morgenstimmung und Bergkönig – interpretierten die Künster sehr frei. Die Improvisationen basierten auf bekannten Themen.
Als letztes Stück vor der Pause erklang „Drei Knäblein“ aus der „Zauberflöte“, bei dem die Zuhörer mitsingen durften. Besonders kräftig erklang hier der Cellist Eugen Bazijan mit seiner Bass-Stimme. Das veranlasste einen Zuhörer zu der Bemerkung, man habe die Zuhörer in der Pause noch nie so gut gelaunt erlebt wie dieses Mal.
Im zweiten Teil kamen mehr romantische und spätromantische Stücke vor, Maurice Ravel, Claude Debussy, Giuseppe Verdi, aber auch zwei Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart. Seine Klavier-Fantasie g-moll wurde mit Tango-Elementen und sein bekannter Türkischer Marsch (Rondo alla Turka) im Sambo-Charakter neu interpretiert. Auch die Orchester- und Klavierwerke wurden als eine neue Version mit vielen Jazz-Elementen gespielt, die das Publikum begeisterten. Das von Alexander Hagké komponierte Stück „Summer in Skåne“ (Sommer in Skåne) mit vielen melodischen Elementen im Stil eines Chansons, führte er solistisch auf der Bassklarinette mit virtuoser und emotionaler Begleitung der anderen Instrumente.
Jeder Musiker zeigte sich professionell als Solist, aber auch als Musikpartner, reagierte schnell auf die Veränderungen, den neuen Charakter und zeigte ein gutes Zusammenspiel. So betonte Alexander Hagké, er sei ganz begeistert, mit seinen Kollegen unterwegs zu sein, was beim Erleben des Quartetts nachvollziehbar war.
Das lebendige Publikum wurde animiert, mitzutanzen und mitzusingen. „Ich finde das sensationell“, kommentierten eine begeisterte Zuhörerin. Nach langem Applaus folgten als Dank der Musiker zwei Zugaben, das Präludium e-moll von Frédérik Chopin mit Rumba-Charakter und dem bekannten Radetzky-Marsch von Johann Strauß.
Foto/Text/Transparenzhinweis: Dr. Elena Potthast-Borisovets im Auftrag des Kuratoriums der Abteikonzerte


