Wadersloh (mw/bb). Im Baugebiet „Wohnpark Mauritz“ sollen drei neue Straßen Namen erhalten. Mit der Vorbereitung dieser Entscheidung beschäftigen sich ab kommender Woche die politischen Ausschüsse. Grundlage der Beratungen sind Vorschläge des Heimatvereins Wadersloh, der von der Gemeindeverwaltung gebeten worden war, historische, kulturelle und naturräumliche Bezüge für mögliche Straßennamen zusammenzutragen.
Der Heimatverein reichte seine Vorschläge mit Schreiben vom 21. Januar 2026 ein und schlägt für das neue Wohngebiet die Namen Veilereck (bzw. Veilerweg), Heymann-Straße und Kiebitzweg vor. Die Namen greifen dabei unterschiedliche Aspekte der lokalen Geschichte, des gesellschaftlichen Engagements sowie des Naturraums auf. Die Ausarbeitung erfolgte durch den Vereinsvorsitzenden Winfried Schlieper.
Mit dem Namen Veilereck wird an eine sehr alte Gebietsbezeichnung erinnert, die für den Bereich ab dem Haus Heising an der Straße Mauritz 43 über den Meerweg bis zum Römerberg in Höhe des heutigen Hundeplatzes überliefert ist. Der Begriff bezog sich ursprünglich auf drei Höfe und deren Nachbarschaft und lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Einige ältere Anwohner nutzen die Bezeichnung bis heute. Sprachlich leitet sich „Veiler“ von der altdeutschen Form des heutigen Wortes „Weiler“ ab und bezeichnete eine kleine Siedlung oder ein Gehöft.

Die Heymann-Straße soll an die Hamburger Frauenrechtlerin Lida Gustava Heymann erinnern. Sie setzte sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts für das Frauenwahlrecht, bessere Bildungschancen für Mädchen und soziale Gerechtigkeit ein und gründete 1897 das erste Frauenzentrum Deutschlands. Später initiierte sie auch das erste Frauenhaus, das Mädchen und Frauen Schutz vor Gewalt sowie Beratung und Bildung bot. Ihr Engagement gegen soziale Not und staatliches Wegsehen bei häuslicher Gewalt gilt bis heute als wegweisend.
Mit dem Kiebitzweg greift der Heimatverein einen starken Bezug zur münsterländischen Kulturlandschaft auf. Der Kiebitz gilt als charakteristischer Vogel der Region, dessen Bestände jedoch seit Jahren stark zurückgehen. Ursachen sind vor allem der Verlust von Feuchtwiesen sowie die Zerstörung von Nestern durch intensive Landwirtschaft. In Wadersloh kommt der Kiebitz noch vor, ist jedoch längst kein häufiger Anblick mehr. Der Name soll daher auch ein Zeichen für den Stellenwert des Naturschutzes setzen. Der Heimatverein kündigte an, gemeinsam mit dem NABU und der Gemeinde perspektivisch ein spezielles Schutzprogramm für den Kiebitz anstoßen zu wollen.
Bei der Auswahl der Namen wurde zudem ein Grundsatzbeschluss des Hauptausschusses aus dem Jahr 2014 berücksichtigt. Demnach soll von der Benennung von Wegen und Straßen nach Persönlichkeiten aus der Gemeinde Wadersloh grundsätzlich abgesehen werden. Benennungen nach örtlichen Persönlichkeiten kommen nur dann in Betracht, wenn diese seit mindestens 30 Jahren verstorben sind.
Die Verwaltung folgt laut Beschlussvorlage den Vorschlägen des Heimatvereins. In der Vorlage wird empfohlen, die drei Straßen im Baugebiet „Wohnpark Mauritz“ künftig Heymann-Straße, Veilereck und Kiebitzweg zu benennen. Gemäß der Beratungsfolge wird im Ausschuss für Schule, Kultur und Sport am 10. Februar, im Hauptausschuss am 3. März sowie im Rat am 16. März über die Benennung beraten.
Quelle: Gemeindeverwaltung

