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Zerstochene Autoreifen am Mühlenweg: Corona-Stigma ist allgegenwärtig – Zeugen gesucht

Diestedde (mw/bb). In NRW und an vielen Urlaubsorten werden in diesen Tagen Autoreifen von Fahrzeugen mit GT-Kennzeichen zerstochen. Das Gütersloh-Stigma durch den Corona-Ausbruch bei Tönnies hinterlässt damit unschöne Spuren in unserer Gesellschaft. Und das passiert mitnichten nur in den Städten und weit entfernt von uns. Obwohl wir im Kreis Warendorf selbst vom „Lockdown“ betroffen sind, schrecken Vandalen auch auf den Dörfern nicht davor zurück, Sachbeschädigung zu begehen. In diesem Fall hat es eine Familie aus Langenberg getroffen, die eigentlich nur auf Stippvisite im Nikolausdorf war.

Der Schaden bei Familie K. * (*Name ist der Redaktion bekannt) ist ebenso groß wie die Wut im Bauch. Vor allem, weil die junge Familie nichts für die aktuelle Situation in ihrem Heimatkreis kann: „Um unsere neue Heimat besser kennen zu lernen, waren wir heute für einen Ausflug nach Diestedde aufgebrochen um dort an der Mühle mit den Kindern die Hängebauchschweine, Ziegen etc. zu besuchen. Wir hatten in der Straße „Am Schloss“ geparkt und waren eine Stunde rund ums Schloss unterwegs. Sind dann noch kurz am Backhaus vorbei, da wir immer wieder davon gehört hatten. Als wir dann von dort zurück zum Auto kamen, sah man schon von Weitem, dass ein Hinterrad des Familienautos kaputt war. Bei genauem Betrachten sah man, dass dort jemand mit einem Messer tätig war“, berichtet der Familienvater im Gespräch mit MW.

Im hinteren Seitenfenster des Familienautos baumelt ein Stoff-Elch. Wenn er sprechen könnte, hätte er sicherlich einen hilfreichen Tipp bei der Tätersuche gegeben. Bei Familie K. ist das Unverständnis über die blinde Zerstörungswut groß. „Am meisten ärgere ich mich darüber, dass wir nur aufgrund des Autokennzeichens stigmatisiert werden“, sagt die Familie, die in Kürze von Langenberg nach Wadersloh umziehen möchte und deswegen neugierig auf die Schloßumgebung war. „Ja wir haben ein Autokennzeichen mit GT beginnend. Nur die meisten Einwohner des Kreises Gütersloh können nichts dafür, dass aktuell die Infektionszahlen dort so hoch sind. Und das Kennzeichen mit GT am Anfang werden wir auch dann noch haben, wenn wir bald nach Wadersloh gezogen sind.“

Die angerufene Polizei hat die Anzeige aufgenommen. Dass die Tat am frühen Nachmittag mitten an der Hauptverkehrsstraße verübt werden konnte, macht sprachlos. „Man denkt immer, dass so eine Diskriminierung nicht mir passiert oder immer wo anders. Sie passiert mitten unter uns und es kann nicht sein, dass jemand fremdes Eigentum beschädigt, nur weil er wütend ist.“ Für die Familie endete der Ausflug in Diestedde mit einer Rückfahrt via Abschleppunternehmen. Keine schöne Erinnerung an den ersten Ausflug durch die neue Heimat.

Man sollte immer genauer hinsehen, was um uns herum passiert. Wer am Sonntagnachmittag gegen 14 Uhr verdächtige Personen am Schloss (Kreuzung Lange Straße, Am Schloss) gesehen hat, kann sich gerne mit der Polizei in Verbindung setzen.

Hinweise nimmt die Polizei in Beckum, Telefon 02521/911-0 oder per E-Mail: Poststelle.warendorf@polizei.nrw.de entgegen.


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