fbpx

Kommentar: Für mehr Wertschätzung für Lokaljournalismus (nicht nur) in Krisenfällen

Wadersloh/Lippstadt (mw/bb). An dieser Stelle berichte ich ausnahmsweise einmal außerhalb der üblichen Themenfelder, weil es gestern zu einem Vorfall bei den Kollegen von der „Der Patriot – Lippstädter Zeitung“ kam, bei dem sich der Chefredakteur Dominik Friedrich dafür rechtfertigen musste, dass Lokaljournalismus eben kein Ehrenamt, sondern ein echter Beruf ist. Auslöser war, das redaktionell aufbereitete Infos zum Coronavirus nur zahlenden Zeitungsleser*Innen vorbehalten waren. Hier zu möchte ich als Berufsjournalist kurz meine Meinung äußern.

Screenshot / Facebook

Zunächst sei festgestellt: Ja, das Thema „Coronavirus“ beherrscht gerade sämtliche Medien. Und: Nein, Journalismus und besonders Lokaljournalismus ist KEIN Ehrenamt, sondern eine zeitintensive und harte Arbeit. Der Shitstorm für die Kollegen in Lippstadt ist in keinster Weise angemessen. Schon aus solidarischen Gründen möchte ich den Redakteuren und Redakteurinnen aus dem Nachbarort dafür danken, dass sie viel Zeit und Arbeit investieren, um die ganzen Informationen zusammentragen.

Es gibt gute Gründe, warum immer mehr Lokaljournalismusangebote eingestellt werden müssen und Redaktionen (selbst in der unmittelbaren Nachbarschaft) schließen müssen oder von großen Verlagen aufgekauft werden und ihre eigene Identität aufgeben müssen. Der Unterschied ist, dass wir Lokaljournalisten*Innen mit sehr viel Herzblut unseren öffentlichen Auftrag als Presse erfüllen und in unsere Recherchen und Beiträge stecken, um unsere Heimatregion in den Medien lebens- und liebenswert darzustellen.

Angebote im Lokaljournalismus sind keineswegs Boulevardmedien, die ausschließlich mit „Clickbaiting“ Reichweite genieren! Vielmehr ist es so, dass auch wir Rechnungen bezahlen und deutlich mehr Kaffee trinken müssen als viele andere (Anmerkung: bewusst überspitzte Darstellung), da wir stundenlang in politschen Ausschüssen und Versammlungen von Vereinen und Gruppen sitzen und das sehr gerne tun, weil wir unsere Berufung im Journalismus gefunden haben. In diesen Zeiten haben nicht nur Pflegekräfte in den Krankenhäusern und Pflegeheimen Respekt verdient, auch die Kulturschaffenden, die durch die Veranstaltungsabsagen um ihre Existenz bangen müssen. Jeder Mensch hat Respekt für seine Arbeit verdient und niemand sollte sich genötigt fühlen, sich für seine Arbeit rechtfertigen zu müssen.

Ein Zeitungsverlag hat sehr hohe Kosten und immer weniger Anzeigeneinnahmen. Digital bedeutet nicht kostenlos! Immaterielle Arbeit ist genauso zeitintensiv wie jeder andere Job. Wer Geld für eine Wagenladung Toilettenpapier übrig hat, der sollte auch ein paar Euro für Lokaljournalismus entbehren können und vielleicht auch noch etwas Trinkgeld für die Bäckereiverkäuferin, dem Pizzalieferdienst und für die Pfarrcaritas [Liste kann beliebig fortgesetzt werden].

Mein-Wadersloh.de geht hier zwar einen anderen Weg als die Kollegen in Lippstadt, da unsere Berichterstattung über Corona nicht hinter einer Paywall liegt, aber nichtsdestotrotz müssen Journalisten ihre Arbeit nicht verschenken oder sich beschimpfen lassen. Das hat etwas mit Wertschätzung, aber noch viel mehr mit Anstand und Menschlichkeit zu tun! Übrigens der Online-Zugang bei den Kollegen in Lippstadt kostet 99 Cent (!) pro Tag und bei uns 5,- Euro im Monat. DANKE an alle, die unsere Arbeit untersützen!

In diesem Sinne: Shitstorm – Nein Danke!
Gut gemachter Lokaljournalismus (nicht nur in Krisenzeiten) – JA BITTE!

Benedikt Brueggenthies
Gründer & Chefredakteur Mein-Wadersloh.de

Mitglied in der DJU (Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union)

Über

Gründer & Chefredakteur von Mein-Wadersloh.de

Kommentare sind geschlossen.