Liesborn (mw/bb). Im Galopp durch 200 Jahre Pferde in der Kunst. Das ist ab sofort im Museum Abtei Liesborn möglich: Die Ausstellung „Von Arbeitspferd bis Zirkuswelt“ setzt den Fokus auf Pferdedarstellungen des späten 19. und 20. Jahrhunderts. Die dargestellten Szenen sind so mannigfaltig, wie die noch bis ins frühe 20. Jahrhundert aufs Engste verflochtenen Verbindungen zwischen Mensch und Pferd. Anhand von mehr als 140 Exponaten zeigt die Präsentation, wie Künstler von Emil Volkers über Max Liebermann, bis hin zu Otto Dill, Max Slevogt und Franz Marc diese Mensch-Tier-Beziehung in ihren Malereien, Grafiken und Skulpturen umsetzten. Leihgaben von der LETTER Stiftung Köln und der Dr. Axe-Stiftung Bonn werden ergänzt durch Werke aus dem eigenen Bestand sowie Leihgaben von regionalen Museen und Privatpersonen.
Mensch und Pferd verbindet eine Jahrtausende alte Beziehung. Zeichnungen von Pferden als künstlerischer Ausdruck dieser Verbindung finden sich bereits in den steinzeitlichen Höhlenmalereien. Über alle Epochen der Menschheitsgeschichte hinweg hat das Pferd in seinen unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten durch den Menschen, ob als Transportmittel, in der Landwirtschaft, im Krieg, beim Reitsport, im Zirkus oder auch in seinem natürlichen Lebensraum als Wildpferd Eingang in die Kunst gefunden. Ob als Steinskulptur oder Bronzeplastik, als Ölgemälde oder Lithografie, als Federzeichnung oder Buchmalerei – das Pferd begleitete und faszinierte den Menschen in seinem Kunstschaffen ebenso wie in seinem alltäglichen Leben und Arbeiten.
Besonderer Beliebtheit erfreuten sich Anfang des 20. Jahrhunderts die Arbeiten des Pferdemalers Julius Paul Junghanns. In seinen bäuerlichen Szenen mit Pferdekarren und Einspännern geht es weniger um die Abbildung eines realistischen Bauernalltags, sondern eher um den Entwurf eines sommerlichen Idylls mit bäuerlicher Atmosphäre. Insbesondere bei der großstädtischen Gesellschaft fanden diese Darstellungen großen Anklang. Sehnsucht nach der Ursprünglichkeit des ländlichen Lebens kann in diesem Zusammenhang als Kompensation für die Entfremdung der modernen Industriegesellschaft verstanden werden. Auch sein älterer Düsseldorfer Kollege German Grobe verstand sich auf die Fertigung stimmungsvoller Landschaftsdarstellungen. Insbesondere Seestücke mit Fischer und Pferd an der holländischen Küste finden sich in seinem Werk in großer Zahl. Wie unterschiedlich die Pferdedarstellungen des 19. und 20. Jahrhunderts jedoch auch sein können, gilt es in der Ausstellung zu entdecken.
Begleitet wird die Präsentation im Museum Abtei Liesborn von einem üppigen Veranstaltungsprogramm für Groß und Klein. Neben der feierlichen Eröffnung am Sonntag, den 12. Juli, um 15 Uhr mit Prof. Dr. Martin Richenhagen (Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e. V. – FN) und Dr. Felix Austermann (Gestütleiter NRW Landgestüt und Direktor der Deutschen Reitschule) werden Workshops zu den Themen Bronzeherstellung, Ölmalerei, Pferdefotografie, Sattlerei, Pferdeernährung und Erste Hilfe beim Pferd angeboten. Darüber hinaus findet ein Kamingespräch zum Thema „Reitsport zwischen Tradition, Moderne und Öffentlichkeit“ statt sowie eine Lesung der Autorin Mirjam Müntefering (alias Lotte Grünewald), die ihre Romantrilogie „Gut Friesenhain“ vorstellt. Auch für Kinder werden Workshops angeboten, so etwa zu den Themen „Nadel, Stoff und Pferdeglück“ und „Kunststück! – Zirkuspferde in der Kunst“. Daneben lädt ein Spielebereich für Kinder und Familien zum Entdecken und Verweilen ein. Nähere Informationen zum umfangreichen Begleitprogramm finden Interessierte auf der Internetseite des Museums.
Eingebettet ist die Ausstellung im Museum Abtei Liesborn in ein außergewöhnliches Kooperationsprojekt: 2026 feiert das Nordrhein-Westfälische Landgestüt in Warendorf sein 200-jähriges Bestehen. Vier Museen im Münsterland haben diesen besonderen Geburtstag zum Anlass genommen, das Verhältnis von Pferd und Mensch in Kunst- und Kulturgeschichte in einer dezentralen Kooperationsausstellung mit dem Titel „Das Pferd in Kunst und Kulturgeschichte“ zu beleuchten. Vom Westfälischen Pferdemuseumim Allwetterzoo in Münster über das Dezentrale Stadtmuseum und das Westpreußische Landesmuseum in Warendorf bis hin zum Museum Abtei Liesborn in Wadersloh spannt sich der geographische Bogen. Mehrere Hundert Exponate vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart beleuchten die Entwicklung des künstlerischen Ausdrucks der Pferd-Mensch-Beziehung in den verschiedensten Stilen, Formen, Themen und Materialien.
Quelle: Museum


