Diestedde (mw/bb). Auf den heutigen Tag (2. Juni) genau vor 10 Jahren startete das Projekt „Mehr-Generationen-Chor“ (MGC). Als der Chor vor zehn Jahren erstmals unter dem organisatorischen Dach des Musikvereins Musikus in Diestedde zusammenkam, war er noch ein ungewöhnliches Experiment, das aus einer besonderen Lernleistung am Gymnasium Johanneum Wadersloh entstand. Initiiert wurde es von dem damaligen Schüler Raúl Huesca Valverde aus Stromberg und begleitet von seinen Lehrern Guido Geimer und Martin Große Hundrup. Was 2016 als Idee begann, ist heute ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Diestedde und Umgebung. Die Idee damals: Einen Chor für alle Generationen mit einem Repertoire zwischen Kirchenmusik, Pop und Gospel zu schaffen.

Ein Chor, der weiterwächst
Im Gespräch mit MW beschreibt Chorleiter Raúl Huesca Valverde das Projekt sehr persönlich: „Es ist mein kleines Baby“, sagt er rückblickend auf die zehn Jahre Chorarbeit. Aus dem Schulprojekt sei längst eine gewachsene Gemeinschaft geworden, die ihn selbst durch seine musikalische und persönliche Entwicklung begleitet habe. Besonders eindrücklich sei für ihn, dass viele der ersten Sängerinnen und Sänger noch heute dabei sind. Gleichzeitig sei der MGC stark gewachsen. Nicht nur zahlenmäßig, sondern auch musikalisch. Während zu Beginn etwa gerade einmal eine kleine Männergruppe existierte, umfasst der Chor heute eine deutlich breitere Besetzung in allen Stimmlagen.




Trotz der Entwicklung zu einem großen Ensemble betont der Chorleiter, dass sich das Grundprinzip nicht verändert habe: „Der Mittelpunkt ist die Freude an der Musik.“ Der Chor verstehe sich als offener Raum, in dem Menschen zusammenkommen. Diese Haltung prägt auch die Atmosphäre. Aus vielen Begegnungen sei über die Jahre eine fast familiäre Gemeinschaft entstanden, in der neue Mitglieder regelmäßig willkommen geheißen werden. Diese Offenheit sei ein entscheidender Teil der Identität des MGC.
Viele Konzerte, Projekte und große und kleine Bühnen
In den vergangenen Jahren hat der Chor aus Diestedde immer wieder mit großen Projekten auf sich aufmerksam gemacht. Dazu zählt unter anderem die Münsterland-Premiere von Bob Chilcotts „Weihnachtsoratorium“ im Jahr 2022 als gemeinsames Projekt mehrerer Ensembles. 2023 folgte das Crossover-Projekt „One Vision“ auf der Waldbühne Oelde, bei dem Chor, Jugendchor und Band zusammenwirkten. Ebenso prägend waren internationale Begegnungen sowie groß angelegte Jubiläums- und Kooperationskonzerte, etwa im Stadttheater Lippstadt oder im Rahmen von kulturellen Austauschprojekten mit internationalen Gästen. Diese Projekte zeigen, wie sehr sich der Chor inzwischen in Richtung genreübergreifender und szenischer Konzertformate entwickelt hat. Ohne den Kern der Gemeinschaft aus den Augen zu verlieren.
Viele Pläne auch im Jubiläumsjahr
Zum 10-jährigen Bestehen standen und stehen besondere Programmpunkte an. Bereits stattgefunden hat eine gemeinsame Feier mit rund 100 Sängerinnen und Sängern sowie eine Ehrung der Gründungsmitglieder. Eine Jubiläumsreise nach Italien mit Stationen in Verona, Assisi und Rom wird als Höhepunkt des Jubiläumsjahres vorbereitet. Dort sollen unter anderem Gottesdienste musikalisch gestaltet werden. Für den Chorleiter steht dabei nicht die musikalische Leistung allein im Vordergrund, sondern vor allem das Miteinander: „Wir feiern die Gemeinschaft, die in diesen zehn Jahren entstanden ist.“ Ende Juni ist zudem ein großes Chorfest mit Workshops in der neuen Axtbach-Arena in Oelde in Vorbereitung, auf das man sich bereits sehr freue.
Die Leute, die jetzt seit zehn Jahren mit dabei sind, die sind ein Stück Familie, auf jeden Fall Freunde, geworden.
Raúl Huesca Valverde, Gründer und Dirigent des MGC Diestedde
Nach zehn Jahren ist aus der damaligen Schüler-Idee ein generationsübergreifender Chor geworden, der im kulturellen Leben Diesteddes und weit über die Dorfgrenze hinaus fest verankert ist. Oder, wie es der Chorleiter selbst beschreibt: Kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein „laufendes Kind“, das weiter wächst. Offen, lebendig und im Kern getragen von der Freude am gemeinsamen Singen.

„Und das ist das, was dieses Jahr im Mittelpunkt steht. Wir feiern die Gemeinschaft. Die Leute, die dort zusammengekommen sind und die auch immer weiter zusammenkommen. Wir haben fast alle paar Wochen jemand Neues dabei und das ist das, was unseren Chor ausmacht. Die Offenheit, die Freude und dass alle zusammen etwas tun und dass daraus fast schon eine kleine Familie erwachsen ist. Die Leute, die jetzt seit zehn Jahren mit dabei sind, die sind ein Stück Familie, auf jeden Fall Freunde, geworden. Und das ist einfach etwas Schönes“, so Raúl Huesca Valverde.
Fotos/Text: B. Brüggenthies


