Wadersloh/Diestedde (mw/bb). Der Jugendtreff Villa Mauritz in Wadersloh blickt auf ein erfolgreiches und arbeitsreiches Jahr zurück. Im Rahmen der zweiten Sitzung des Ausschusses für Jugend, Familie, Soziales und Inklusion wurde am Montagabend (27. April) deutlich, wie stark das Angebot angenommen wird und wie kontinuierlich sich die Einrichtung weiterentwickelt. Dr. Oliver Bokelmann vom Träger „Mindful Jugendhilfe“ hatte Zahlen, Daten und Fakten im Gepäck.
Eine wichtige personelle Veränderung betrifft Anna Marras, die nach ihrer Elternzeit in neuer Funktion zum Träger „Mindful Jugendhilfe“ zurückgekehrt ist und nun als Ansprechpartnerin für organisatorische Fragen der Jugendtreff-Leitungen zur Verfügung steht. Die Öffnungszeiten in Wadersloh blieben stabil: Der offene Treff findet montags, mittwochs und freitags von 15 bis 19 Uhr für Kinder und Jugendliche. Ergänzt wird das Angebot durch das beliebte „Kindercafé“ dienstags von 15 bis 18 Uhr. Der Mädchentreff lief bis Februar 2025 und pausiert derzeit.
Auch im Ortsteil Diestedde hat sich das Angebot etabliert: Seit Dezember 2023 öffnet der Treff im Turnhallen-Anbau an der Grunschule mittwochs und freitags von 16 bis 18 Uhr, zusätzlich gibt es immer wieder Abend- und Wochenendaktionen. Besonders hervorzuheben ist, dass die Einrichtungen sogar zwischen den Feiertagen geöffnet waren. Ein Angebot, das von vielen Jugendlichen genutzt wurde, wie Dr. Bokelmann berichten konnte.






Inhaltlich setzte das Team unter Leitung von Valentina Cifric auf eine Mischung aus kreativen, sozialen und pädagogischen Projekten. Dazu gehörten unter anderem ein Hinterhof-Makeover, Workshops zu sensibler Sprache und gewaltfreier Kommunikation sowie eine Juleica-Schulung. Die Graffiti-Wall an der Stromberger Straße entwickelte sich zu einem festen Bestandteil der Jugendarbeit. Begleitetes Sprayen habe sich bewährt, berichtete das Team. Inzwischen seien auch erste freie Gestaltungen möglich. Entstanden seien Kunstwerke, die zum Nachdenken anregen.
Weitere Highlights waren Graffiti-Projekte in den Sommer- und Herbstferien in Liesborn und Diestedde (unter Anleitung von Varuna Hellmann), Angebote im Rahmen des Kulturrucksacks wie Rap- und Theaterworkshops sowie Veranstaltungen wie der Kurzfilmtag und der „WaderSlam“. Auch das Ferienprogramm war umfangreich: Sommerfeste, die Mauritz-Lounge, Tischtennisturniere, Grillfeste sowie Partys – etwa zur Zeugnisvergabe oder im Karneval – sorgten für eine hohe Beteiligung.
Die Zahlen unterstreichen diese Entwicklung: Insgesamt wurden 2.915 Besuche gezählt (im Vorjahr 2.672). Für eine kleine Gemeinde wie Wadersloh sei das eine beachtliche Steigerung. Im Durchschnitt besuchen rund 15 Jugendliche den Treff in Wadersloh und etwa sieben in Diestedde, insgesamt gibt es etwa 55 bis 60 Stammbesucher. Auffällig ist die Altersstruktur: Mit über 44 Prozent stellt die Gruppe der 14- bis 18-Jährigen den größten Anteil, während auch über 18-Jährige mit rund 10,8 Prozent vertreten sind. Dies spreche für gewachsene Beziehungen und eine nachhaltige Bindung an die Einrichtung. Der Männeranteil liegt aktuell bei 57 Prozent, der Frauenanteil bei 43 Prozent.
Seit April verstärkt zudem ein dualer Student, Luis Teckentrup aus Oelde, für drei Jahre das Team. Für die Zukunft sind bereits zahlreiche Projekte geplant, darunter ein Tanzprojekt mit Abschlussfest, erlebnispädagogische Tage zum Thema psychische Gesundheit, ein Klimaprojekt sowie die Umgestaltung der Holzhütte in Wadersloh bis 2027. Auch der „WaderSlam“ soll fortgesetzt werden. Für die Sommerferien ist zudem eine Ausweitung der Öffnungszeiten vorgesehen.
Die politische Resonanz fiel durchweg positiv aus. Jonas Henke (SPD) lobte die „viel Arbeit und Mühe“ sowie die starke Nachfrage. Lucia Meerbecker (CDU) bedankte sich ausdrücklich für das vielfältige Angebot. Auch aus der FWG-Fraktion wurde insbesondere die Entwicklung der Graffiti-Wall als gelungen hervorgehoben.
Zwischenstand zum „Wadersloher Jugendentscheid“
Auch ein weiterer Tagesordnugnspunkt betraf „Mindful“ am Montag Im Rahmen der jugendpolitischen Gesamtstrategie „jugend.relevant!“ wird in diesem Jahr erstmals der Wadersloher Jugendentscheid durchgeführt. Das Projekt ist Teil eines Demokratie-Förderprogramms des Kreises Warendorf („Demokratie leben lernen“) mit jährlich rund 100.000 Euro Fördermitteln, auf die jedoch ausschließlich Schulen Zugriff haben. Daher wird der Jugendentscheid in Kooperation mit der Sekundarschule und dem Johanneum umgesetzt.
Geplant ist eine verpflichtende Veranstaltung für alle achten Klassen mit rund 150 Schülerinnen und Schülern. Ziel ist es, junge Menschen aktiv in Entscheidungsprozesse einzubinden: In einer Zukunftswerkstatt sollen sie eigene Ideen entwickeln, Bedarfe formulieren und gemeinsam Projekte priorisieren. Dabei geht es bewusst um Dialog, Kompromissfindung und demokratische Aushandlung. Unterstützt wird das Projekt durch externe Begleitung, unter anderem durch Mindful.
Die Ergebnisse des Jugendentscheids sollen mit einem Budget hinterlegt werden, sodass sowohl kleinere als auch größere Projekte realisiert werden können. Veranstaltungsorte sind unter anderem das Rathaus, der Jugendtreff sowie das Pfarrheim in Wadersloh. Ein entsprechender Förderantrag wird derzeit vorbereitet. Unklar bleibt, ob die Fördermittel in den kommenden Jahren dauerhaft zur Verfügung stehen, da sie jährlich neu im Kreishaushalt beschlossen werden müssen.
Fotos (Archiv) & Texte: B. Brüggenthies



