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    Bauen & Wohnen

    Rettung in Einzelteilen: Wie ein 250 Jahre alter Kornspeicher eine neue Zukunft bekommt (MW+)

    Benedikt BrüggenthiesBy Benedikt Brüggenthies15. April 2026Updated:19. April 2026Lesedauer: 4 Minuten
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    Wadersloh/Liesborn (mw/bb). Stück für Stück verschwindet derzeit ein Stück Heimatgeschichte und genau darin liegt seine Rettung. Der historische Kornspeicher vom Hof Steinhoff (Gut Schulze Aden) am Bühlheider Weg, datiert auf das Jahr 1777, wird aktuell fachgerecht abgebaut, um an anderer Stelle in der Gemeinde Wadersloh wieder aufgebaut zu werden. Was nach Abriss klingt, ist in Wahrheit ein aufwendiges Denkmalprojekt mit viel Idealismus, handwerklicher Präzision und einem klaren Ziel: Erhalt statt Verlust.

    „Die ursprüngliche Idee war, den Speicher auf dem Hof zu versetzen“, berichtet einer der Beteiligten beim Ortstermin am 14. April. Doch Platz- und Finanzierungsfragen machten diesen Plan zunichte. Stattdessen entwickelte sich eine zweite Lösung und die erwies sich als Glücksfall: Der Speicher findet eine neue Heimat an der Waldliesborner Straße, unweit seines bisherigen Standorts. „Was Besseres kann dem Gebäude nicht passieren. Es bleibt in der gleichen Kulturlandschaft und damit auch Teil unserer Geschichte“, sagt Ekkehard Schulze Waltrup. Auf seiner Hofanlage findet der historische Speicher ein neues Zuhause. „Ich bin Familie Steinhoff dankbar, dass wir diese Idee umsetzen können und dem historischen Speicher neues Leben schenken können“, so Schulze Waltrup.

    Dass es überhaupt so weit kommen konnte, ist das Ergebnis eines langen Anlaufs. Bereits seit den 1990er-Jahren wurde über den Erhalt des markanten viergeschossigen Fachwerkbaus diskutiert. Zwischen Förderzusagen, politischen Entscheidungen und gescheiterten Umsetzungsplänen drohte das Gebäude immer wieder in Vergessenheit zu geraten. Erst 2025 kam die Wende: In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege wurde die Translozierung, also der Ab- und Wiederaufbau an neuer Stelle, konkret.

    Heute zeigt sich: Der Aufwand ist enorm. Rund 500 Einzelteile wurden nummeriert, dokumentiert und werden nun systematisch abgetragen. „Das ist wie ein großer Lego-Baukasten, nur deutlich komplizierter“, sagt Zimmermeister Bernd Sprenker augenzwinkernd. Tatsächlich ist jedes Bauteil ein Unikat. Selbst die Holznägel, mit denen die Balken verbunden sind, stammen noch aus der Bauzeit. „Man rechnet damit, jeden einzelnen ausbohren zu müssen – aber viele lassen sich erstaunlich gut lösen“, erklärt ein beteiligter Zimmermann. Die Konstruktion sei in sich tragend und lasse sich daher besser zerlegen als zunächst erwartet.

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    Begonnen wurde am Dienstagmorgen mit dem Dach: Nach dem Einrüsten und den notwendigen Sicherungsmaßnahmen wurden die Dachgebinde, Balken und schließlich die Wände in luftiger Höhe geschossweise abgetragen. Eine klassische Fleißarbeit und doch eine mit Überraschungen: „Die Bausubstanz ist erstaunlich gut. Natürlich müssen Teile ersetzt werden, vielleicht rund 20 Prozent, aber insgesamt ist das Gebäude in einem sehr soliden Zustand.“ Die neuen Holznägel sind bereits gefertigt und warten auf ihren Einsatz,

    Parallel zum Rückbau laufen bereits die Planungen für den Wiederaufbau. Am neuen Standort an der Waldliesborner Straße entsteht zunächst ein Fundament. Traditionell ausgeführt, nicht aus Beton, sondern mit gemauertem Keller, angelehnt an die historische Bauweise, wie Architekt Norbert Heckenkemper erklärt. Anschließend wird der Speicher Wand für Wand wieder zusammengesetzt. Fehlende oder beschädigte Elemente werden mit passendem Holz ergänzt, stets in Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Die Nutzung bleibt dabei bewusst bodenständig: Der Speicher soll künftig wieder als Wirtschaftsgebäude dienen. Gleichzeitig schließen die Beteiligten zusätzliche Ideen nicht aus. Heimatkundliche Aktionen wären sicher auch denkbar, ganz im Sinne des ursprünglichen Charakters als Teil bäuerlicher Alltagskultur.

    Für Initiator Ekkehard Schulze Waltrup, der das Projekt seit Jahren begleitet, ist die Umsetzung ein Herzensprojekt. Schon früh faszinierte ihn der Speicher als Zeugnis westfälischer Agrargeschichte und als Ort, an dem Ernte gelagert, Vorräte gesichert und damit Existenzgrundlagen geschaffen wurden. Diese Geschichte soll auch künftig sichtbar bleiben. Wenn alles nach Plan läuft, könnte der wiedererrichtete Speicher 2027 Richtfest feiern. Pünktlich zum 250-jährigen Jubiläum. Bis dahin wird noch viel Arbeit nötig sein. Der Aufwand wird sich lohnen, darin sind sich alle Baubeteiligten einig. Denn manchmal bedeutet Denkmalschutz eben nicht, etwas stehen zu lassen, sondern es vorsichtig auseinanderzunehmen, um es für die Zukunft neu entstehen zu lassen.

    Fotos/Text: B. Brüggenthies


    Bildergalerie: Abbau des historischen Speicher am Bühlheider Weg

    Fotos/Text: B. Brüggenthies


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