Wadersloh (mw/bb). Zur kommunalen Finanzlange der Gemeinde Wadersloh meldete sich in der Woche die Gruppe ZIN19 (Zukunft(s) Initiative Nachhaltigkeit) zur Wort. In einem Leserbrief der Nachhaltigkeitsinitiative werden die jüngst veröffentlichten Haushaltszahlen der Gemeinde Wadersloh kritisiert. Die Gemeindeverwaltung dementierte umgehend und weist die Unterstellungen entschieden zurück.
Die Initiative wirft der Verwaltung vor, ein „geschöntes“ Bild der Verschuldung zu vermitteln. Während in einen öffentlichen Darstellung (Anm. d. Red.: ZIN19 beruft sich auf einen Beitrag in einer Tageszeitung aus der Region) ein Schuldenstand von 24,8 Millionen Euro genannt wird, sei laut ZIN19 im Haushaltsplanentwurf 2026 eine deutlich höhere Gesamtverbindlichkeiten ausgeweisen (32 Millionen Euro zu Jahresbeginn und prognostiziert etwa 40 Millionen Euro zum Jahresende). Daraus ergebe sich nach Ansicht der Initiative eine wesentlich höhere Pro-Kopf-Verschuldung von etwa 3.120 Euro statt der kommunizierten rund 1.936 Euro. Für die Verfasser des Leserbriefs entsteht dadurch der Eindruck, dass nur ein Teil der finanziellen Realität dargestellt werde. Insbesondere kritisieren sie mangelnde Transparenz gegenüber der Bürgerschaft und stellen die Glaubwürdigkeit eines geplanten Arbeitskreises zur Haushaltssicherung infrage, der unter Leitung des Bürgermeisters stehen soll.
In einem Statement aus dem Rathaus heißt es nun, dass man hier „Äpfel mit Birnen“ vergleiche. Bei den genannten 24,8 Millionen Euro handele es sich ausdrücklich um die sogenannten investiven Verbindlichkeiten – also Kredite für Investitionen – zum Stand Ende 2025. Diese seien korrekt und transparent kommuniziert worden. Demgegenüber umfasse die im Haushaltsplan ebenfalls aufgeführte höhere Summe sämtliche Verbindlichkeiten der Gemeinde. Darin enthalten seien unter anderem auch Liquiditätskredite, die im Jahresverlauf schwanken, sowie buchhalterische Posten wie erhaltene Fördermittel oder Verbindlichkeiten aus laufenden Leistungen, die nicht mit klassischen Bankschulden gleichzusetzen seien.
Die Gemeindeverwaltung betont zudem, dass der Haushaltsplan regelmäßig durch den Kreis Warendorf geprüft und genehmigt werde. Auch externe Prüfungen durch die Gemeindeprüfungsanstalt Nordrhein-Westfalen hätten bislang keine Beanstandungen hinsichtlich der Darstellung der Verbindlichkeiten ergeben. Ratsmitglieder seien umfassend informiert und hätten mehrheitlich (mit Ausnahme der AfD) der Einrichtung eines Arbeitskreises zur Haushaltskonsolidierung zugestimmt.
Ein weiterer Kritikpunkt von ZIN19 betrifft eine als strittig deklarierte Gewerbesteuerforderung in Höhe von 1,6 Millionen Euro aus dem Jahr 2024. Hier sieht die Initiative ein zusätzliches Risiko für die Finanzlage. Die Verwaltung entgegnet, dass dieser Betrag bereits im Jahresabschluss bereinigt worden sei und aktuell kein zusätzliches Risiko darstelle. Sollte es wider Erwarten doch zu Einnahmen kommen, würde dies die Haushaltslage sogar verbessern.
Der Leserbrief von ZIN19 im Wortlaut: „Veröffentliche Zahlen kaum glaubwürdig“
„Die Gemeinde Wadersloh präsentierte in der vergangenen Woche über die Medien eine grobe Übersicht des verabschiedeten Haushalts. Darin wird ein Schuldenstand von 24,8 Mio. € ausgewiesen, entsprechend einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1.935,80 €.
Ein Blick in den offiziellen Haushaltsplan 2026 zeichnet jedoch ein völlig anderes Bild: Bereits zum Jahresbeginn lag der Schuldenstand bei 32 Mio. € und zum Jahresende werden sogar 40 Mio. € prognostiziert. Vor diesem Hintergrund wirken die veröffentlichten Zahlen nicht nur unvollständig, sondern irreführend. Tatsächlich ist mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von rund 3.120 € zu rechnen.
Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier bewusst nur ein Teil der Realität dargestellt wird, um die finanzielle Lage der Gemeinde günstiger erscheinen zu lassen. Für die Bürgerinnen und Bürger entsteht so ein geschöntes, falsches Gesamtbild, das mit der tatsächlichen Entwicklung nichts zu tun hat.
Gerade weil den Ratsmitgliedern die vollständigen Zahlen bekannt sein müssen, ist dieses Vorgehen schwer nachvollziehbar. Transparenz sieht anders aus. Als Bürger von Wadersloh kann man von Bürgermeister und Verwaltung bei einem solchen Vorgehen nur enttäuscht sein.
Vor diesem Hintergrund wirft auch der geplante Arbeitskreis zur Haushaltssicherung Fragen auf: Wie glaubwürdig können dessen Ergebnisse sein, wenn der Bürgermeister selbst den Vorsitz übernimmt?
Hinzu kommt ein weiteres Risiko: Die Verwaltung hat 1,6 Mio. € Gewerbesteuer aus 2024 als strittig deklariert. Sollte sich dieser Betrag nicht realisieren lassen, würde sich die ohnehin schon angespannte Verschuldungslage weiter erhöhen.
Zukunft(s) Initiative Nachhaltigkeit ZIN19„
Anm. d. Red.: Leserbriefe spiegeln nicht die Meinung der Redaktion wider. Mein-Wadersloh.de behält sich eine Veröffenlichtung und die Kürzung von Einsendungen vor.


