Wadersloh (mw). Ein weiterer Leserbrief zum Thema Windenenergie erreichte uns. Petra Konert aus Wadersloh äußert in darin deutliche Kritik an möglichen Windkraftplanungen in der Bauernschaft Bornefeld. Sie betont, dass sie die Energiewende grundsätzlich unterstützt, jedoch große Sorge um ein ökologisch sensibles Hochwasser- und Überschwemmungsgebiet hat, das laut Regionalplan nicht als Windvorrangfläche ausgewiesen ist. Die Verfasserin befürchtet, dass weitere Windkraftanlagen Natur, Landschaft und Lebensqualität beeinträchtigen könnten und fordert stattdessen, bestehende Anlagen effizienter zu nutzen.
Leserbrief im Wortlaut: „Ein wertvolles Stück Heimat darf nicht geopfert und zerstört werden“
„Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte verantwortliche in Politik und Verwaltung,
ich schreibe diesen Leserbrief nicht aus grundsätzlicher Ablehnung gegenüber erneuerbaren Energien. Ich schreibe ihn, weil ich fassungslos bin, wie ein wertvolles Stück unserer Heimat still und leise aufs Spiel gesetzt werden soll. Zumal der Regionalplan dieses Gebiet, nicht als Windvorranggebiet ausweist.
Das ausgewiesene Hochwasser- und Überschwemmungsgebiet vor unserer Haustür hat nicht ohne Grund diesen besonderen Status. Es ist kein „leerstehendes“ Areal, dass man beliebig verschieben oder neu deuten kann.
Es ist ein lebendiger, empfindlicher Naturraum. Ein Ort, an dem ein Biber kaum 300 Meter von meinem Zuhause seinen Bau errichtet hat. Ein Ort, an dem jedes Jahr hunderte Wildvögel rasten und brüten – Störche, Kraniche, Reiher, Kiebitze, Falken, um nur einige aufzuzählen. Wenn die Sonne untergeht, begeben sich Fledermäuse und Eulen auf Ihre nächtliche Jagd. All diese Tiere sollen einem Industriegebiet für Windkraftanlagen weichen.
Es macht mich traurig – und auch wütend –, dass ausgerechnet dort, wo die Natur noch atmet, Windkraftanlagen entstehen sollen – die dreimal höher als unsere Wadersloher Kirche sind. So dicht geplant, dass man sich fragt, ob die Menschen, die hier leben, überhaupt gesehen oder gehört werden.
Wir in Wadersloh haben unseren Beitrag zur Energiewende längst erfüllt: Neun bestehende Windkraftanlagen und fünf weitere in Planung. Trotzdem sollen noch mehr Anlagen gebaut werden.
Statt immer neue Flächen zu erschließen, sollten wir bestehende Anlagen effizienter nutzen. Ohne ausreichende Stromspeicher werden Windräder regelmäßig abgeschaltet, wenn das Netz die Einspeisung nicht mehr zulässt. Hier liegt Optimierungspotenzial – nicht in der Überplanung ökologisch sensibler Gebiete.
Wir Bürgerinnen und Bürger fragen uns:
Wem dient diese Planung wirklich?
Der Energiewende – oder der Gewinnmaximierung von Investoren, die nicht einmal aus der Region kommen?
Ich frage Sie:
Wie viel von unserer landwirtschaftlich geprägten Heimat dürfen wir verlieren, bevor jemand sagt: Es reicht!
Wie viele Tierarten müssen weichen, bevor wir begreifen, dass Profitgier kein Ersatz für verlorene Natur ist?
Die Bauernschaft Bornefeld, ist ein schützenswerter Raum – nicht nur für Tiere, sondern auch für uns Menschen, die hier aufgewachsen sind, die hier leben, die sich hier zu Hause fühlen. Wir haben die Verantwortung, dieses Stück Erde nicht gedankenlos preiszugeben.
Ich appelliere eindringlich an alle Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger:
Schauen Sie hin. Hören Sie den Menschen zu. Sehen Sie die Tiere, die hier keine Stimme haben. Treffen Sie eine Entscheidung, die unserer Heimat gerecht wird – nicht den Interessen von Investoren.
Mit besorgten, aber hoffnungsvollen Grüßen
Petra Konert, Wadersloh
Anm. d. Red.: Leserbriefe spiegeln nicht die Meinung der Redaktion wider. Mein-Wadersloh.de behält sich eine Veröffenlichtung und die Kürzung von Einsendungen vor.
Quelle: Petra Konert, Beitragssymbolbild: mw/bb.


